Gerry Weber: Gewinnwarnung sorgt für dramatischen Kurseinbruch

Die im MDax notierte Aktie des deutschen Textilunternehmens Gerry Weber brach am heutigen Tag nach einer Gewinnwarnung dramatisch ein. Nachdem die Gerry-Weber-Aktie in den vergangenen 3 Jahren grob gesagt zwischen 30 und 40 Euro hin und her pendelte, rutschte sie heute auf nur noch knapp über 20 Euro ab.

In der Spitze verlor die Gerry-Weber-Aktie am heutigen Tage über 30% an Wert. Erfahren Sie jetzt die Details der angesprochenen Gewinnwarnung und die Gründe dafür.

Neue Prognose: Umsatz steigt – Gewinn bricht ein

Für das bis Ende Oktober laufende Geschäftsjahr 2014/2015 geht der Vorstand von Gerry Weber nicht mehr von der Erreichung der Anfang des Jahres 2015 gesetzten Ziele aus und aktualisierte jetzt den kurzfristigen Ausblick für das Geschäftsjahr 2014/2015.

Das Gerry-Weber-Management erwartet nun für das laufende Geschäftsjahr im Vergleich zum Vorjahr einen Umsatzanstieg im hohen einstelligen Prozentbereich. Die gute Nachricht also ist, dass der Umsatz nach wie vor steigen soll.

Die schlechte Nachricht ist, dass der operative Gewinn (EBIT) „aufgrund des derzeit schwierigen Marktumfeldes“ 20 bis 25% unterhalb des Vorjahreswertes erwartet wird. Damit wird der operative Gewinn des Mode-Spezialisten Gerry Weber nach derzeitigen Prognosen deutlich einbrechen.

Zuvor hatte Gerry Weber beim Umsatz mit einem Plus von bis zu 17,3% und beim operativen Gewinn (EBIT) mit einem Plus von bis zu 15,7% für das laufende Geschäftsjahr gerechnet. Somit fiel die jetzt vorgenommene Korrektur der Umsatz- und Ergebniserwartungen sehr deutlich aus.

Die Reaktion an der Börse habe ich schon kurz beschrieben. Die Gerry-Weber-Aktie verlor gestern bereits im nachbörslichen Xetra-Handel rund 7% an Wert und heute in der Spitze nochmals über 30%. Doch wie kam es zu dieser deutlichen Korrektur der Prognosen?

Schlechte Halbjahreszahlen sorgten für Gewinnwarnung

Im 1. Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2014/2015 ist der Umsatz von Gerry Weber dank der Flächenexpansion eigener Filialen und der erstmaligen Einbeziehung des übernommenen Modegeschäfts Hallhuber um 4,8% auf 432,7 Mio. Euro gestiegen. Dies teilte Gerry Weber gestern nach Börsenschluss mit.

Die Umsätze auf vergleichbarer Fläche und ohne die Einbeziehung von Hallhuber sind jedoch um 4,6% im Vergleich zum Vorjahr gesunken und haben damit die Erwartungen des Vorstands deutlich verfehlt.

Der operative Gewinn (EBIT) ist im 1. Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres gar um 26,8% auf 36,2 Mio. Euro zurückgegangen. Für den deutlichen Ergebnisrückgang machte das Management niedrigere Umsätze, überdurchschnittliche Rabatte auf Saisonware sowie wachstumsbedingte höhere Fixkosten verantwortlich.

Immerhin hat das Unternehmen in einer Mitteilung bereits eine umfangreiche Maßnahmenliste veröffentlicht. Mit Hilfe dieser Maßnahmen will das MDax-Unternehmen Gerry Weber wieder zurück in die Erfolgsspur finden.

Das Unternehmen selbst glaubt an die Trendwende

Abschließend finden sich folgende Worte in der Mitteilung des Unternehmens: „Den negativen Markttrends und -entwicklungen steuern wir gezielt entgegen und sind sicher, die langfristigen Wachstums- und Ertragsziele der Gesellschaft zu erreichen.“

Ob es das Unternehmen zurück in die Erfolgsspur schafft, wird die Zukunft zeigen müssen. Das Management von Gerry Weber zeigt sich jedenfalls optimistisch. Auf Seiten der Gerry-Weber-Aktionäre zeigte sich bislang jedoch ein anderes Bild: Der hohe Verkaufsdruck zeigt, dass viele Anleger skeptisch sind und schickte die Gerry-Weber-Aktie zunächst auf Talfahrt.

10. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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