Gerry Weber – keine Kaufkurse in Sicht

Zwei Gewinnwarnungen in nur drei Monaten sind schon eine starke Leistung, wie ich meine.

Es scheint, als habe der Controller im Gerry Weber-Konzern entweder Dauerurlaub, oder aber seine Zahlen nicht ansatzweise im Griff. Denn so etwas darf nicht vorkommen.

Erst war es der milde Winter, dann das zu kühle Frühjahr und nun sind es die neuen Filialen und Modelabels, die schlechter laufen als erwartet.

Die trüben Absatz- und Gewinnzahlen aus dem Winter- und Frühjahrsgeschäft, die naturgemäß erst nach dem Ende des ersten Halbjahres vorliegen, kann man der Finanzabteilung ja noch abkaufen.

Aber dass man von den enttäuschen Verkäufen der neuen Marken Taifun und Samoon und den hohen Neueröffnungskosten der eigenen Markenshops überrascht wurde, ist doch eher eine lahme Ausrede.

Schließlich handelt es sich bei Gerry Weber nicht gerade um ein Start-Up-Unternehmen wie das der Berliner Kilian Kerner AG.

Doch schaut man sich die aktuelle Pressearbeit der immerhin schon 1973 gegründeten Gerry Weber International AG (WKN 330410, Ticker GWI1) an, ist da nicht zu erkennen, das man hier verantwortlich mit seiner Pflicht gegenüber den Aktionären umgeht.

Eine Schreckensmeldung jagt die andere

Zwei Horrormeldungen in Folge sind einfach des Guten zu viel. Erst kommt man mit einem Umsatzrückgang von -7,7% und einer Ergebnisverschlechterung um -7,3% für die ersten sechs Monate des Geschäftsjahre 2012/13 heraus, kassiert gleichzeitig die Prognose für das Restjahr und spricht von Umsatzerwartungen von nur noch 860-870 Mio. Euro.

Knappe 12 Wochen später folgen dann die neuen Hiobsbotschaften für die Aktionäre. Erneut sinken Umsatz und Ertrag, diesmal addieren sich die neuen Zahlen auf Jahresbasis auf -9,00% (Umsatz) und -8,3% (Ertrag).

Auch die Umatzprognose wird erneut zusammengestrichen, nun sollen es nur noch 850 Mio. Euro sein.

Den Aktionären wird das Spiel zu bunt, sie sind tief enttäuscht und räumen Ihre Depots auf. „Verkaufen“ heißt die Devise, die Aktien der Gerry Weber AG werden auf den Markt geworfen.

Und so sinkt der Aktienkurs binnen weniger Tage um knapp -20%, der aktuelle Point&Figure-Chart zeigt das Dilemma.

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(anklicken zum Vergrößern)

Mit dem jüngsten Kurssturz, hier gekennzeichnet durch die letzte rote O-Säule, hat sich erneut ein Point&Figure-Verkaufssignal ausgebildet, das nun ein Kursziel bis zu 14,00 € eröffnet.

Abwärtspotential für die Aktie von -53%

Ja, richtig gelesen, 14,00 € sind das errechnete Kursziel,  somit ein weiteres Abwärtspotential von -53% ausgehend vom aktuellen Kurs.

Das Kursziel scheint realistisch, die Aktie notiert seit Monaten in einem stabilen Abwärtstrend mit immer tieferen Tiefs, die rote Trendlinie und die roten Kreise der Point& Figure-Verkaufssignale zeigen es im Chart.

Die Börsenpsychologie bringt es mit sich, dass, wenn Aktienkurse einmal tief gefallen sind und dabei sogar ein neues Jahrestief ausgebildet haben, die ersten Käufer auf den Plan treten und die aktuellen Kurse als „Kaufgelegenheit“ sehen.

Hier sprechen wir Profis dann gerne vom Griff ins fallende Messer, was die neuen Käufer durch die Bank natürlich nicht gerne hören.

Gerade, wenn sie so prominent sind wie Gerhard Weber selbst. Der Gründer und amtierende Vorstandsvorsitzende des Unternehmens hat jüngst über eine ihm zugehörige Beteiligungs-gesellschaft

17.000 Gerry Weber-Aktien über die Börse erworben und dafür etwas über eine halbe Million Euro gezahlt.

Schaue ich mir die aktuellen Geschäftszahlen, vor allem aber den obigen Chart an, stelle ich mir an dieser Stelle ernsthaft die Frage, ob dieser Insiderkauf tatsächlich zu einem guten Geschäft werden kann.

Aber die Zeit wird es zeigen, oder aber Kurse oberhalb von 36,00 €. Dort nämlich hätten wir frühestens ein Point&Figure-Kaufsignal.


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19. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.

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