Gerüchte bestätigt: Intesa prüft Generali-Einstieg

Es herrscht Party-Stimmung an den Börsenplätzen. Rund um den Globus können die Handelsplätze ihre Gewinne ausbauen.

Besonders gejubelt wird in den USA. Dort hat der viel beachtete Dow-Jones-Index erstmals in seiner Geschichte die Marke von 20.000 Punkten erklommen.

Ausgehend vom Tief in der Sub-Prime-Krise 2008/2009 hat der Dow Jones über 200% zugelegt. Und nicht wenige Investoren rechnen damit, dass die Party weitergeht.

Steigende Börsen und gute Wirtschafts-Perspektiven sind auch gut für das Übernahme-Geschäft.

Der Jahres-Auftakt in Europa hatte bereits einige Milliarden-Deals mit sich gebracht – und es sieht stark danach aus, als wenn sich die M&A-Welle ausbreitet.

Im Finanz-Sektor brodelt es:

Lange wurde aufgrund der Niedrigzins-Phase, schwacher Kapital-Ausstattung der Banken, Zins-Garantien der Versicherer und gestiegener Regulierung eine Branchen-Konsolidierung erwartet.

Jetzt könnte der Startschuss ausgerechnet im Krisen-geschüttelten Finanzsektor Italiens fallen.

Denn was seit einigen Tagen als Gerücht herumgereicht wurde, entpuppt sich jetzt als Fakt:

Intesa Sanpaolo, Italiens führende Filialbank, prüft einen Zusammenschluss mit dem Versicherer Generali.

Generali hält (noch) nichts vom Intesa-Plan

Wie immer ist noch nichts sicher, doch die Generali ist jetzt im Spiel.

Die zeigt sich zunächst wenig begeistert von den Intesa-Ambitionen und hat vorsichtshalber schon einmal Gegenmaßnahmen ergriffen.

Über eine Aktienanleihe sicherte sich Generali 3% an der Intesa. Dies verhindert nach italienischem Recht eine Überkreuz-Beteiligung von mehr als 3%.

Will Intesa seinerseits bei Generali einsteigen, dann muss ein Übernahme-Angebot für mindestens 60% der Generali-Anteile abgegeben werden.

Billig wird ein Einstieg dann nicht. Der Versicherungs-Konzern bringt aktuell 24 Mrd. € auf die Waage – also muss die Intesa schon mindestens 14,4 Mrd. € in die Hand nehmen.

Filet-Stücke für die Allianz?

Gerüchteweise könnte der deutsche Versicherungs-Konzern Allianz mit von der Partie sein.

Teile, die nicht zum Intesa-Plan gehören oder die aufgrund von Wettbewerbs-Bedenken zu veräußern wären, könnten an die Deutschen gehen.

Als attraktiv gilt besonders das Osteuropa-Geschäft, da dort die Zinsen höher liegen als in der Eurozone und der Markt gute Wachstums-Chancen mit sich bringt.

Die Allianz ist im osteuropäischen Markt schon vertreten und könnte dort ihre Position stärken.

Generali soll Axa als Partner bevorzugen – doch die will nicht

Es heißt, dass die Generali lieber einen Schulterschluss mit der französischen AXA wolle. Doch dieser Plan ist schwer umzusetzen, denn er könnte die Politik auf den Plan rufen.

Einige Italiener sind besorgt, dass es einen Ausverkauf der heimischen Institute an die Franzosen gibt. Thema wäre dann auch das riesige Paket italienischer Staatsanleihen.

Erschwerend hinzu kommt, dass der Axa-Chef Thomas Buberl heute erklärte, dass man überhaupt kein Interesse an einer großen Übernahme habe.

Dies passt zu seiner Ankündigung bei Amtsantritt im März 2016, als er die Geschäfts-Transformation für die digitale Zukunft zur Hauptaufgabe erklärte und die Konkurrenz der Zukunft  nicht in der Allianz oder Generali sieht, sondern in Facebook und Google.

Zudem stellt sich die Frage, was dann mit den Osteuropa-Aktivitäten wäre, die sein Vorgänger als Fehlinvestition bezeichnete.

Zuletzt zog sich die AXA dort zurück und verkaufte Geschäfts-Einheiten an die Wiener Versicherungen.

Ohne Deal dürfte Aktienkurs Gewinne wieder abgeben

Die Spekulation, dass die französische AXA am Ende mit der Generali zusammengeht, dürfte nach Ansicht des Übernahme-Sensors nicht aufgehen.

Durchaus denkbar ist aber, dass es einen nationalen Deal gibt und auch die Gerüchte stimmen, dass die Allianz Teil der Intesa-Strategie ist.

Kommt es zu einer Mehrheit-Üübernahme hat der Generali-Aktienkurs trotz der 2-stelligen Gewinne auf Wochensicht weiter Luft.

Auf der anderen Seite: Das Generali-Management ist offensichtlich noch nicht überzeugt von einer Transaktion, die durchaus komplex sein dürfte.

Löst sich die Übernahme-Chance in Luft auf, wird die Aktie zumindest einen Teil der Gewinne wieder abgeben. Wir bleiben für Sie, wie gewohnt, am Ball.

25. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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