Gerüchte kalt gestellt: Cypress bietet nicht für Atmel

Dialog kann ungestört dem Atmel-Übernahme-Plan vorantreiben. Gerüchte, dass Cypress Semiconductor eine Gegenofferte vorlegen wird, wurden zurückgewiesen. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

In der gestrigen Ausgabe des Übernahme-Sensors haben Sie erfahren, dass der deutsch-britische Chip-Hersteller Dialog Semiconductor Gerüchten zufolge bei der Atmel-Übernahme Konkurrenz bekommt.

Cypress Semiconductor prüfe eine Gegenofferte, die besser sei als das Dialog-Angebot. Gestern Abend kam allerdings eine Stellungnahme von Cypress, in der klar gestellt wurde, dass man kein Angebot abgeben werde.

Die Aktienkurse der beteiligten Unternehmen reagierten sofort. Atmel-Aktien gaben ihre frühen Gewinne bereits am Nachmittag ab und rutschten zum Handelsschluss ins Minus.

Wenn Sie nach Bekanntwerden der Gerüchte einstiegen, haben Sie trotzdem keinen Verlust gemacht. Es liegt schließlich noch die Offerte von Dialog Semiconductor vor. Wäre die nicht da gewesen, hätte das Papier wahrscheinlich stärker nachgegeben.

Dies zeigt einmal mehr, dass es wenig Sinn macht, jedem Übernahme-Gerücht blind hinterher zu jagen. Um mit Übernahme-Kandidaten erfolgreich zu sein, müssen Sie Fakten von Fakes trennen und Gerüchte bewerten.

Auch wenn Reuters eine sehr seriöser Quelle für Übernahme-Fakten ist – es stimmt auch da nicht alles. Es gibt aber Möglichkeiten, mit der Sie ihre Trefferquote bei Übernahme-Kandidaten erhöhen. Einige weitere nennt Ihnen der Übernahme-Sensor in der heutigen Ausgabe:

Die Reaktion des Aktienkurses bei Gerüchten richtig lesen

Tauchen Übernahme-Gerüchte in den seriösen Medien auf, reagiert häufig auch der Aktienkurs. Je stärker dabei der Preis steigt, desto größer ist die Chance auf einen Deal. Die Reaktion der Aktie zeigt Ihnen, für wie wahrscheinlich der Markt einen Deal hält.

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Gestern war bei Dialog Semiconductor, Atmel und Cypress die Reaktion gefühlt zwar stark – doch mit 8,50 Dollar blieb das Atmel-Papier sehr weit hinter einem möglichen Übernahme-Preis zurück. Das bedeutet: Eine Chance wurde gesehen – groß war sie aber nicht.

Die Marktreaktion bei laufenden Übernahmen richtig lesen

Wenn der Kurs während eines Bieterkampfes oberhalb der Höchst-Offerte notiert, bedeutet das: Marktteilnehmer erwarten ein noch höheres Gegen-Angebot. Auch hier lohnt sich ein Blick auf die strategische Bedeutung des Kandidaten für die Bieter sowie auf die Bewertung des Übernahme-Kandidaten.

Der Aktienkurs zeigt häufig auch die Erfolgsaussicht bei feindlichen Übernahmen: Liegt der Preis des Kandidaten deutlich unterhalb des feindlichen Angebots, rechnet der Markt nicht mit einem Erfolg der Offerte.

Auch hier gilt jedoch: Nichts ist sicher! Die Erwartungshaltung des Marktes stimmt zwar häufig – aber nicht immer.

Gute Story – trotzdem nur heiße Luft: KO-Kriterien, die überprüft werden müssen

Bei der Beurteilung von Übernahme-Gerüchten müssen Sie immer „graben“. Manchmal müssen Sie tief buddeln, um ein Gerücht beurteilen zu können, manchmal ist es offensichtlich, dass das es keinen Deal geben wird.

Die Überprüfung von Kriterien wie kartellrechtliche Übernahme-Hürden, Finanzierungsmöglichkeit des Bieters, Integrationshindernisse und politische Hürden, kann auch ein noch so heißes Gerücht direkt als falsch entlarven.

Daher gilt: Laufen Sie nicht blind den Gerüchten hinterher, sondern schauen Sie auf die Marktreaktion und KO-Kriterien, um Ihre Trefferquote im Übernahme-Geschäft zu erhöhen.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.