Gerüchte-Küche: Roche vor Alexion-Kauf

Der Schweizer Pharma-Riese Roche plant in den USA eine Milliarden-Übernahme.

Am Wochenende berichtete der Nachrichtendienst Bloomberg, dass Roche verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten überdenkt, um das amerikanische Biotech-Unternehmen Alexion zu übernehmen.

Weder Roche noch Alexion wollten die Gerüchte kommentieren.

Alexion wird derzeit mit 24 Mrd. US $ an der Börse bewertet.

Nach Aufkommen der Gerüchte, kletterte die Alexion-Aktie am vergangenen Freitag um 13% auf 114,256 US $– zwischenzeitlich notierte die Aktie sogar 24% höher. Am Ende stand der höchste Tagesgewinn seit 2008.

Sollte es zu einem Deal kommen, wäre die Alexion-Übernahme einer der größten Transaktionen in der Pharma-Branche in diesem Jahr.

Für Roche wäre es der größte Zukauf seit etwa vier Jahren. Damals zahlten die Schweizer für die Komplett-Übernahme von Genentech 47 Mrd. US-$.

Roche: Folgt nach dem geplatzten Illumina-Deal Alexion?

Der Übernahme-Sensor hat Ihnen bereits in der Ausgabe vom 01. Juli berichtet, dass nach dem Onyx-Amgen-Deal in der amerikanischen Biotech-Branche Alexion zu den ganz heißen Übernahme-Kandidaten zählt.

Die Gerüchte sind schlüssig, nachdem Roche bei der Illumina-Übernahme nicht zum Zug kam. Im vergangenen Jahr wollten die Schweizer das in der in der Gensequenzierung tätige US-Unternehmen für 6,8 Mrd. Dollar übernehmen.

Nach monatelangen Verhandlungen scheiterte der Deal jedoch, da die Illumnia-Aktionäre mehr Geld wollten.

Roche zeigte sich unbeeindruckt und zog das Angebot zurück. Übernahme-Interesse an einem Biotechnologie-Unternehmen dürfte allerdings weiter bestehen.

Schwache Forschungsergebnisse erhöhen Druck auf Roche

Roche hatte in den zurückliegenden Monaten durchwachsene Forschungsergebnisse vorgelegt. Einige Wirkstoffe konnten die Erwartungen nicht erfüllen.

Bei dem Krebsmittel Avastin unterlag das Medikament einem Konkurrenz-Produkt vom Darmstädter Pharma-Konzern Merck.

Pharma-Konzerne, die per Definition auf eine prall gefüllte Forschungspipeline angewiesen sind, suchen laufend neue Übernahme-Kandidaten. Nur so kann verhindert werden, dass auslaufende Patente zu Umsatzrückgängen führen.

Eine Alexion-Übernahme wäre daher keine große Überraschung.

Alexion – Spezialist für Wirkstoffe gegen seltene Blutkrankheiten

Alexion wurde 1992 gegründet und stellt Medikamente zur Behandlung seltener Blutkrankheiten her. Momentan hat das Pharma-Unternehmen nur ein Medikament auf dem Markt.

Es handelt sich um das Medikament Soliris – ein Mittel zur Behandlung einer genetisch bedingten Blutkrankheit.

Blutkrankheiten dieser Art sind nicht sehr verbreitet. Weltweit sind weniger als 20.000 Menschen davon betroffen. Für sie ist Soliris jedoch enorm wichtig. Ohne das Medikament würden 35% der Erkrankten innerhalb von 5 Jahren sterben.

Obwohl Soliris kein Medikament für die Massen ist, konnte das US-Unternehmen 2012 knapp 1,13 Mrd. US $ einnehmen. Die Behandlung gehört zu den weltweit teuersten Therapien.

Für das Geschäftsjahr 2013 erwarten Analysten einen Umsatz von 1,5 Mrd. $ und bis 2017 sogar einen Anstieg auf 2,6 Mrd. US $.

Analysten befürchten, dass Roche zu viel zahlen könnte

In der Pharma-Branche sind Übernahme-Prämien von 20-30% auf den Aktienkurs üblich. Sollte Roche bereit sein diesen Aufschlag zu zahlen, ist ein Deal wahrscheinlich – jedoch ist der Preis dann auch ambitioniert.

Erste Analysten bewerten die Übernahme-Gerüchte daher auch kritisch und zeigen sich besorgt, dass Roche zu viel zahlen könnte.

Auf der anderen Seite: Alexion hat einen lukrativen Platz in der Biotech-Nische besetzt.

Daher braucht das Unternehmen weniger Konkurrenz fürchten wie etwa die Biotech-Unternehmen, die sich auf weit verbreitete Krankheiten wie Krebs oder Multiple Sklerose konzentrieren. Dies dürfte bei der Preisfindung berücksichtigt werden.

Der Übernahme-Sensor ist vorsichtig optimistisch und bleibt für Sie am Ball.

15. Juli 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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