Gerüchte-Küche: Verizon gewinnt Bieter-Wettstreit um Yahoos Kerngeschäft

Der monatelange Bieter-Wettstreit um den Internet-Pionier Yahoo neigt sich dem Ende entgegen.

Rund 6 Monate nachdem Yahoo sein Kerngeschäft, Patente und Immobilien zum Verkauf gestellt hat, ist in dieser Woche die letzte Runde des Bieter-Kampfes zu Ende gegangen.

US-Medien berichten mit Verweis auf Insider, dass der Telekom-Riese Verizon das Rennen für sich entschieden habe.

Die beiden Parteien sollen inzwischen die Details eines Deals aushandeln. Bereits Anfang kommender Woche soll dann alles geklärt sein und der Deal offiziell verkündet werden.

Der logische Käufer erhält den Zuschlag

Es ist derzeit noch unklar, ob Yahoo am Ende alle 3 zum Verkauf gestellten Aktivitäten an Verizon abgibt oder nur das Kerngeschäft. Ebenfalls ungewiss ist auch der Preis, den Verizon dafür auf den Tisch legt.

Der stets gut informierte Nachrichten- und Daten-Anbieter Bloomberg berichtet, dass Verizon mit einem Angebot von rund 5 Mrd. Dollar für das Kerngeschäft und ohne die zum Verkauf gestellten Patente siegreich gewesen sei.

Verizon galt von Anfang an als aussichtsreichster Bieter bei dem Verkaufs-Prozess, da der US-amerikanische Telekom-Riese nach der Übernahme von AOL für 4,4 Mrd. Dollar.

Mit Yahoo lassen sich die meisten Synergien heben, Nutzer-Daten sammeln und der Verkehr auf den Portalen erhöhen. Verizons Ziel ist es, mit den beiden Übernahmen das Internet-Marketing Duopol von Google und Facebook anzugreifen.

Yahoo mehrere Jahre zwischen Hoffen und Bangen: Verkauf für viele Investoren beste Lösung

An der Börse sorgten die Gerüchte für weiter steigende Yahoo-Aktienkurse. In einem leicht positiven Marktumfeld legt die Yahoo-Aktie im frühen Handel um 1% zu. Seit Jahresbeginn beläuft sich das Plus auf 17%.

Nicht wenige Investoren sind erleichtert, dass der Verkauf jetzt über die Bühne geht, nachdem über viele Jahre hinweg ein echter Turnaround ausblieb.

Der Preis – wenn er denn bei knapp 5 Mrd. Dollar für das Kerngeschäft liegt – ist auch eine Erleichterung. Anfang Juni hieß es, dass das Interesse am Kerngeschäft überschaubar sei und Verizon lediglich 3,5 Mrd. Dollar zu zahlen bereit sei.

Yahoo nach Jahren des Missmanagements: Aus dem Pionier wird eine Holding-Gesellschaft

Mit dem Verkauf des Kerngeschäfts geht die operative Yahoo-Ära zu Ende. Der Internet-Pionier war führender Spieler in der Branche, hat aber vom einstigen Glanz sehr viel eingebüßt.

Jahrelanges Missmanagement und das Verpassen von wichtigen Trends ließen einen kranken Internet-Dinosaurier zurück.

Mit der sehr übernahmeaktiven Marissa Meier versuchte das Unternehmen noch einmal die Rückkehr zu alten Zeiten, doch die Erfolge blieben hinter den Erwartungen zurück. Hedgefonds witterten ihre Chance und machten Druck.

Als der Verkauf des Alibaba-Anteils dann aus steuerlichen Gründen scheiterte, war der Verkaufs-Prozess des Kerngeschäfts die einzig übriggebliebene Option, um das Investoren-Verlangen nach schneller Wertsteigerung zu befriedigen.

Zurück bleibt von Yahoo nur eine Holding-Gesellschaft mit dem erwähnten Alibaba-Anteil und einer Beteiligung an Yahoo Japan. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch der Rest des Unternehmens verschwindet.

22. Juli 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Jens Gravenkötter. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt