Gerüchte um den Verkauf der italienischen Börse

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Die Londoner Börse muss Vermögenswerte verkaufen, um die Übernahme von Refinitiv genehmigt zu bekommen. Im Gespräch ist u.a. die italienische Börse. (Foto: travelview / shutterstock.com)

Zum Wochenstart habe ich mal wieder etwas aus der internationalen Übernahme-Gerüchteküche für Sie: Am Wochenende verdichteten sich Spekulationen um einen kurz bevorstehenden Verkauf der italienischen Börse bzw. Borsa Italiana mit Sitz in Mailand.

Die Borsa Italiana befindet sich seit 2007 im Besitz der London Stock Exchange Group PLC (LSE). Als möglicher Käufer der Mailänder Börse wird Euronext gehandelt. Euronext betreibt die Börsen in Amsterdam, Paris, Brüssel, Lissabon, Dublin und seit Kurzem auch in Oslo.

Aber auch weitere Global Player aus dem Börsensektor wie die US-amerikanische Nasdaq, die Deutsche Börse und die Schweizer Börse SIX sollen bereits eigene Angebote für die Übernahme der Borsa Italiana unterbreitet haben.

LSE muss Töchter verkaufen

Die Gründe, warum sich die Londoner Börse von der Mailänder Börse und anderer italienischen Beteiligungen trennen muss, ist eine bereits im August 2019 getätigte Übernahme. Sie müssen wissen: Vor genau einem Jahr erwarb die LSE für stolze 27 Mrd. US-Dollar (USD) eine Mehrheitsbeteiligung an dem New Yorker Wirtschaftsinformationsdienst Refinitiv.

Diese Übernahme wurde von den zuständigen Aufsichtsbehörden jedoch nur unter Auflagen genehmigt. Die Wettbewerbshüter verlangten, dass sich LSE von einigen Tochtergesellschaften trennen müsse, um eine Monopolstellung auf dem europäischen Anleihenmarkt zu vermeiden.

Italienische Staatsanleihen-Plattform steht zum Verkauf

Für MTS SpA (SpA: italienisch für Società per azioni; deutsch: Aktiengesellschaft), der italienischen Plattform für den Handel mit Staatsanleihen, wurde seitens LSE bereits ein Verkaufsprozess eingeleitet. Angebote für den Erwerb von MTS konnten bis zum 21. August eingereicht werden.

Doch Insider bezweifeln, dass durch den Verkauf der mit etwa 600 Mio. Euro bewerteten MTS die Bedenken der EU-Kommission ausgeräumt werden können. Es müsse schon ein größerer Deal angezettelt werden, damit die Brüsseler Wettbewerbshüter zufriedengestellt werden.

Und genau da kommt die im LSE-Besitz befindliche italienische Börse ins Spiel. Der Wert der Borsa Italiana wird aktuell auf gut 3,3 Mrd. Euro geschätzt und dürfte, zusammen mit dem MTS-Verkauf, die EU-Kommission beruhigen können.

Deal hat auch eine politische Dimension

Börsen sind wichtige Handelsplattformen eines jeden Landes und haben somit auch eine hohe politische Bedeutung. Da es sich sowohl bei MTS als auch bei der Mailänder Börse um italienische Plattformen handelt, spielt die Regierung in Rom somit eine nicht unwichtige Rolle in den Übernahmeverhandlungen.

Es ist sehr gut möglich, dass Rom die LSE darauf drängen wird, sich gänzlich aus Italien zurückzuziehen. Die Italiener werden also möglicherweise darauf bestehen, dass nicht nur MTS sondern auch die Italienische Börse zum Verkauf angeboten wird. Und natürlich möchten die Italiener wieder einen zumindest teilweisen Zugriff auf ihre Börsen erlangen.

So sollen laut gut informierten Kreisen auch die staatlich kontrollierte Postsparkasse Cassa Depositi e Prestiti SpA (CDP) sowie das in Turin ansässige Kreditinstitut Intesa Sanpaolo SpA ihre Hüte in den Bieterring geworfen haben. CDP hat angeblich gemeinsam mit Euronext ein Angebot für MTS und möglicherweise auch für die italienische Börse unterbreitet.

LSE profitiert von Übernahmespekulationen

Hauptprofiteur der Übernahmespekulationen ist die LSE selbst. Deren Marktwert ist seit Juli letzten Jahres um mehr als 12 Mrd. Euro, d.h. um fast +60%, gestiegen. Genau zu diesem Zeitpunkt wurde klar, dass die LSE sich von größeren Vermögenswerten trennen muss, um den Refinitiv-Deal genehmigt zu bekommen.

Daraufhin kauften Investoren massenhaft LSE-Aktien, um von den anstehenden Transaktionen profitieren zu können. Nachdem die Übernahmen jetzt etwas konkreter wurden legte der Kurs der LSE-Papiere im Laufe der vergangenen Woche um weitere +1,37% zu und startete auch mit leichten Zugewinnen in die neue Handelswoche.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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