Gerüchteküche: Stryker will Smith & Nephew

In der Übernahme-Gerüchteküche brodelt es. Besonders heiß wird gerade das Gerücht diskutiert, ob der amerikanische Medizintechnik-Konzern Stryker  ein Auge auf den britischen Rivalen Smith & Nephew geworfen hat.

Insidern zufolge loten die beiden Unternehmen eine freundliche Übernahme aus. Sollte es dazu kommen, wird das ohnehin schon hohe 2014er Übernahme-Volumen in der Medizintechnik-Branche zum Jahresende noch einmal mindestens 16 Mrd. $ höher ausfallen.

Preisdruck sorgt für Branchenkonsolidierung

Viele renommierte Medien-Unternehmen aus den USA und England haben das Übernahme-Gerücht bereits aufgegriffen und auch Analysten der beiden Unternehmen wurden zu einem potenziellen Deal befragt.

Während einige Analysten einen Deal eher kritisch gegenüberstehen, da er das Wachstum von Stryker verlangsamen würde, sehen andere Analysten eine gute Chance, um dem Preisdruck in der Branche entgegenzuwirken.

Smith & Nephew und Stryker in diesem Jahr bereits mit Milliarden-Übernahmen

Der gestiegene Preisdruck hat in der Branche das Übernahme-Karussell dieses Jahr sehr schnell drehen lassen. Zu den ganz großen Deals gehörten etwa die Carefusion-Übernahme (12 Mrd. $), die Covidien-Übernahme (43 Mrd. $) oder etwa die Biomet-Übernahme für 13 Mrd. $.

Auch Smith & Nephew und Stryker waren bereits aktiv. Smith & Nephew übernahm ArthroCare für 1,7 Mrd. $ und Stryker übernahm für den gleichen Betrag MAKO. Die Mako-Übernahme sorgte für zufriedene Gesichter bei den Aktionären des Übernahme-Kandidaten, nachdem Stryker einen Aufschlag von 85% auf den Börsenkurs anbot.

Aktie des Übernahme-Kandidaten haussiert

An der Börse wurde das Übernahme-Gerücht sehr positiv aufgenommen. Auf Wochensicht verteuert sich das Smith & Nephew-Papier um rund 10%. Bei 12,07 britischen Pfund markierte die Aktie ihr bisheriges Allzeithoch.

Sollte es zu einem Deal kommen, dürfte die Aktie jedoch schnell ein neues Allzeithoch erreichen. Die Insider berichten von einer Übernahme-Prämie in Höhe von rund 30% – was dem Kurs (ausgehend vom Preis vor dem Gerücht) noch Platz bis 14,00 – 14,10 Pfund gibt.

Stryker-Aktie unverändert: Übernahme wird nicht der ganz große Wurf

Der Stryker-Aktienkurs zeigte sich von dem Gerücht bislang weitgehend unbeeindruckt. Auf Wochensicht notiert die Aktie seitwärts. Es ist noch zu wenig bekannt, über Preis und erhoffte Synergien, sodass sich die Investoren erst noch zurückhalten. Zudem bleibt festzuhalten, dass es sich um ein Gerücht hält. Sicher ist da noch nichts.

Wie Insider berichten, soll es nicht Strykers Absicht sein, aus Steuergründen die britische Smith & Nephew zu übernehmen. Diese „Steuer-Inverstions-Deals“ hatten 2014 für viele Schlagzeilen gesorgt.

Sie sorgten aufgrund einer Gesetzeslücke im Steuerrecht dafür, dass mehrere Konzerne – insbesondere aus der Pharma-Branche – ihren Hauptsitz in den USA aufgaben und sich im Ausland niederließen. Aber auch wenn dieser Deal nicht steuermotiviert ist, könnte er für Stryker vorteilhaft sein.

Es bleibt spannend. Für einen Deal spricht, dass das Gerücht Einzug in renommierte Medien-Unternehmen fand, die über Jahre eine hohe Trefferquote vorzuweisen haben. Stryker hatte zudem schon im Mai einen Deal ausgelotet und soll sich auch schon Gedanken um eine Finanzierung gemacht haben.

Dagegen spricht, dass das Mai-Interesse vor der Änderung im US-Steuergesetz bestand und ein nicht steuermotivierter Deal finanziell unattraktiver ist. Zudem gilt der Analysten-Einwand, dass das Unternehmenswachstum durch einen Deal ausgebremst wird.

Stryker wird entscheiden müssen, ob das transatlantische Bündnis soviel Synergien heben kann, dass der Übernahme-Preis gerechtfertigt ist. Eine Übernahme (falls es eine gibt) mit „Prädikat sehr gut“ wird das jedoch voraussichtlich nicht mehr.

29. Dezember 2014

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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