Gesco AG – Die Insider wissen mehr

Die Nachfrage im deutschen Maschinenbau zieht wieder an, die Kurse steigen. Kommt nun die zweite Reihe zum Zug? (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Ob es nun der niedrige Aktienkurs, der auf Jahrestiefstand notierte, oder ob es unternehmens-interne Planzahlen für das letzte Halbjahr oder doch eher die Auftragslagen bei den Beteiligungstöchtern waren, kann nicht abschließend beantwortet werden.

Tatsache ist aber, dass sich die beiden Vorstände der GESCO AG aus Wuppertal Ende des letzten Monats mit Aktien des eigenen Unternehmens eingedeckt haben. Hans-Gert Mayrose und Robert Spartmann investierten kräftig und kauften je 1.000 Aktien.

Keineswegs zum ersten Mal, laut den zu veröffentlichenden Insidertransaktionen tun sie des regelmäßig in jedem Geschäftsjahr und halten die Aktien auch langfristig, von Verkäufen wurde bislang jedenfalls nicht berichtet.

Vielleicht liegt genau das auch in der Natur des Geschäfts, das die Gesco AG betreibt, das Sammeln und Halten.

Denn als Beteiligungsgesellschaft, die Unternehmen des industriellen Mittelstandes ohne Nachfolgeregelung übernimmt und mit einem neuen Management ausstattet, ist ihnen das schnelle Geschäft eher fremd.

Beteiligungsgesellschaft mit 17 Töchtern

Gesco ist an längerfristigen Geschäftsbeziehungen interessiert und investiert dabei vor allem in gesunde Mittelständler des Werkzeug- und Maschinenbaus, sowie der Kunststofftechnik.

Hier hat man sich über die Jahre ein Portfolio von 17 Tochterunternehmen aufgebaut, zügig das Management erneuert und die Unternehmen auf die Zukunft ausgerichtet.

Ganz glücklich konnten die Wuppertaler Vorstände mit dem bisherigen Geschäft im laufenden Jahr jedoch nicht sein, die Beteiligungstöchter litten, wie die gesamte deutsche Maschinenbaubranche, unter der schwachen Nachfrage und der lahmenden Weltkonjunktur.

So sank der Auftragseingang im ersten Halbjahr im Vorjahresvergleich um -5% und drückte den Aktienkurs deutlich nach unten.

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Der Chart der Gesco AG zeigt die negative Haltung der Anleger zur Aktie, zahlreiche Point&Figure-Verkaufssignale (rote Kreise) wechseln einander ab.

Die Aktie befindet sich in einem klaren Abwärtstrend, die aktuelle Trendlinie habe ich Ihnen entsprechend eingezeichnet. Mit einem aktuellen Kurs von 73,60 € und einem Kursziel von 43,00 € aus dem letzten Verkaufssignal hat die Aktie noch ein erhebliches Abwärtspotential.

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Also, so fragt man sich jetzt, warum kaufen die beiden Vorstände ausgerechnet jetzt (schon) Aktien der eigenen Firma? Wissen sie mehr als andere? Nutzen sie, regelwidrig, ihren Informationsvorsprung?

Ich denke Nein, das wäre mehr als töricht und würde umgehend die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (besser: BaFin) auf den Plan rufen.

Ermittlungen und empfindliche Geldstrafen wären die Folge, Dinge, die ein gestandener Manager nicht braucht.

Doch trotz aller Bedenken, schauen wir auf den Chart, nach den Käufen der Insider steigt der Aktienkurs deutlich an. Er klettert auf zwischenzeitlich 74,00 €, ein netter Kursgewinn für die Beiden, die sich bei durchschnittlich  66,00 € eingedeckt hatten.

Kurstreibend wirken sich nicht etwa die neusten Geschäftszahlen des 3. Quartals aus, nein, das endet erst in einigen Tagen, die neuesten Zahlen werden dann in den kommenden Wochen publiziert werden.

Korrektur oder schon der Ausbruch?

Die anziehende Branchenkonjunktur ist es, die die Kurse der Maschinenbauer steigen lässt, das ifo-Institut und der Branchenverband Maschinenbau VDMA berichten übereinstimmend über höhere Auftragseingänge aus dem Inland und optimistische Annahmen der Unternehmen in Sachen Export.

Die Aktienkurse der Branchengrößen Gildemeister, Krones und andere notieren schon längst auf historisch hohem Niveau, nun könnte auch die zweite Reihe durchstarten.

Der Aktienkurs von Gesco jedenfalls hat schon einmal vorgelegt, der obige Point&Figure-Chart zeigt die Aufwärtstendenz mit der letzten X-Säule. Doch trotz allem Aufwärtsstreben, noch haben wir kein klares Kaufsignal für die Aktie.

Erst wenn der Kurs bei oder über 78,00 € notiert, ist die Abwärtstrendlinie überwunden, haben wir ein klares Point&Figure-Kaufsignal.

Bis dahin kann noch viel passieren, denn der jüngste Anstieg könnte auch durchaus nur eine Korrektur der vorherigen Abwärtsbewegung sein, die Kurse könnten wieder fallen und sich der Abwärtstrend unter der Unterstützung bei 66,00 € (rote Linie) fortsetzen.

Ganz gleich, wie es kommt, mit dieser Analyse und den genannten Kursmarken sind sie gewappnet, egal in welche Richtung sich der Gesco-Kurs nun entwickelt.

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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.

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