Getränke-Riese mit Wachstums-Schwäche

Ob wir es nun Karneval oder Fasching nennen – die tollen Tage sind überall in Deutschland ähnlich. In geselliger Atmosphäre wird viel gelacht und auch das ein oder andere Gläschen getrunken. Anlässe, um anzustoßen, gibt es rund um den Erdball und für ein Prosit darf es gerne einmal ein etwas besserer Tropfen sein.

Riesige Getränkekonzerne profitieren davon, Getränke relativ preiswert herstellen zu können und mit den regelmäßigen Absätzen solide Renditen einzufahren. Einer dieser Getränkekonzerne ist Campari.

Die 1860 gegründete Gruppo Campari ist heute weltweit die Nummer 6 in der Getränkeindustrie. Der Konzern verkauft seine Spirituosen, Weine und Softdrinks in 190 Ländern.

Das Angebot umfasst mehr als 40 Marken, darunter Ouzo 12, Campari, Cinzano und Cynar. Die 11 Produktionsstätten befinden sich in Italien, Frankreich, Griechenland, Brasilien, Argentinien, Mexiko und der Ukraine.

Stagnation beim Gewinn erwartet

Nach einer verhaltenen ersten Jahreshälfte zogen die Umsätze im 3. Quartal wieder kräftig an. In den ersten 9 Monaten lag der Umsatz wieder leicht über Vorjahresniveau. Ohne die Berücksichtigung von Übernahmen und Wechselkurseinflüssen ist Campari um 3,1% gewachsen.

Geholfen haben gute Geschäfte in Europa, vor allem in Italien. Dort zog der Umsatz, auch akquisitionsbedingt, um 7,8% auf 287,9 Mio € an. In Russland hatte sich die Lust auf den roten Aperitif, die im 1. Halbjahr noch gestiegen war, aber wieder gelegt. Auch in Amerika konnte Campari aus eigener Kraft zulegen.

Tatsächlich ist der Umsatz jedoch aufgrund negativer Wechselkurseffekte um 6,2% geschrumpft. Der Vorsteuergewinn war dagegen um 21,8% auf 116,9 Mio € eingebrochen.

Verantwortlich waren in erster Linie Restrukturierungskosten von 33,4 Mio € im Zusammenhang mit den Zukäufen Averna und Forty Creek Distillery im Frühjahr. Hinzu kamen die Kosten für verschiedene Initiativen, um den Vertrieb zu stärken.

Zur Entwicklung des Nettogewinns macht das Management im 9-Monats-Bericht traditionell keine Angaben. Im 1. Halbjahr stagnierte der Gewinn bei 57,3 Mio €.

Für das Gesamtjahr 2014 erwarten wir einen leichten Umsatzanstieg, der Gewinn dürfte jedoch zweistellig zurückgehen. Im laufenden Jahr sollten die jüngsten Zukäufe wieder für deutlich bessere Ergebnisse sorgen.

Für Anleger keine Alternative

Die Nettofinanzschulden sind seit Jahresbeginn aufgrund der Übernahmen zwar um 21% auf 1,04 Mrd € gestiegen, die Bilanz ist mit einer Eigenkapitalquote von 41% aber immer noch robust und verleiht der Aktie Stabilität.

Hinzu kommt eine Dividendenrendite von 1,6%. Wegen des geringen Wachstums bleiben wir aber skeptisch – es gibt derzeit bessere Alternativen als Campari – zumindest für Anleger.

19. Februar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Volker Gelfarth. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt