Gewinner und Verlierer der Zinswende in den USA

Die US-Notenbank Fed hat heute in einem historischen Schritt die Zinswende verkündet.

Doch was bedeutet diese Zinswende eigentlich und wer sind die Gewinner und Verlierer der Zinswende?

Diese für Sie als Anleger wichtigen Fragen werde ich Ihnen jetzt beantworten.

Was Zinswende eigentlich bedeutet

Zinswende bedeutet in diesem Fall, dass die Fed heute mit sehr großer Wahrscheinlichkeit die erste Anhebung des US-Leitzinses seit fast 10 Jahren verkünden wird.

In einigen Berichten ist vom Ende der Ära des ultrabilligen Geldes zu lesen. Ich hingegen würde es etwas anders ausdrücken: Für mich ist es vielmehr der Anfang vom Ende der extrem lockeren Zinspolitik.

Denn: Wenn die Fed heute bekannt gibt, dass der Leitzins auf 0,15, 0,2 oder 0,25% erhöht wird, so bedeutet dies keinesfalls das Ende des billigen Geldes.

Darüber können wir gerne sprechen, wenn mindestens eine 2 vor dem Komma steht. Und bis dahin wird es voraussichtlich noch Jahre dauern.

Für das kommende Jahr rechne ich maximal mit einer 1 vor dem Komma.

Die Gewinner der Zinswende

Kommen wir zunächst zu den Gewinnern: Es ist davon auszugehen, dass der Euro im Vergleich zum US-Dollar abwerten wird.

Einige Experten rechnen sogar damit, dass der Wechselkurs erstmals seit 2002 wieder unter die Marke von 1 US-Dollar, der sogenannten Parität, fällt.

Von dieser Entwicklung profitieren v. a. europäische Unternehmen, die ihre Waren und Dienstleistungen außerhalb der Euro-Zone verkaufen.

Denn: Die Waren und Dienstleistungen werden durch einen schwächeren Euro außerhalb der Euro-Zone günstiger und sind somit gefragter.

Doch was bedeutet das konkret für den deutschen Aktienmarkt? Ich gehe davon aus, dass der DAX – wie im Börsenjahr 2015 – unter deutlichen Schwankungen weiter steigen wird.

Dies liegt auch daran, dass die zementierte Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) die Dividendenrendite von knapp 3% nach wie vor äußerst attraktiv erscheinen lässt.

Für die US-Börsen sehe ich – genauso wie bereits im laufenden Jahr – unterm Strich weniger Luft nach oben als für die europäischen Börsen.

Ein weiterer Gewinner der Zinswende sind die Versicherungen, da davon auszugehen ist, dass aufgrund der Zinserhöhung(en) die Renditen von US-Anleihen moderat steigen werden.

Tendenziell sollten auch die Renditen von Bundesanleihen steigen. Daraus ergeben sich für Versicherer mehr Anlage-Chancen.

Allerdings werden die Kosten für die Absicherung des Währungs-Risikos einen Teil des Zins-Vorteils wieder aufzehren, sodass unterm Strich nur ein minimaler Vorteil für die Versicherungen bleiben sollte.

Die Verlierer der Zinswende

Zu den großen Verlierern zählen vor allem Unternehmen, die sich in US-Dollar verschuldet haben. Denn höhere Zinsen in den USA bedeuten höhere Finanzierungs-Kosten.

Besonders hart trifft es dabei Unternehmen, die keine oder nur geringe US-Dollar-Einnahmen haben, sich aber in US-Dollar verschuldet haben.

Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmens-Kredite in US-Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan. Vor dem gleichen Problem stehen auch zahlreiche Schwellenländer, die häufig Dollar-Anleihen ausgeben.

Auch die Rohstoff-Preise könnten weiter sinken. Denn: Die meisten Rohstoffe werden in US-Dollar abgerechnet und werden durch einen starken US-Dollar für Unternehmen außerhalb der USA teurer.

Das könnte im 2. Schritt zu einem weiteren Rückgang der Rohstoff-Preise – und damit zu Problemen der in der Rohstoff-Branche tätigen Unternehmen – führen.

Fazit

Die Aktienmärkte – vor allen Dingen die europäischen – bieten Ihnen auch nach der ersten Zins-Anhebung der Fed weiterhin ein gutes Chance/Risiko-Profil.

16. Dezember 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Tobias Schöneich. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt