Gewinner und Verlierer des Technologiewandels

In kaum einer anderen Branche vollzieht sich der Wandel so schnell, radikal, umfassend und offensichtlich wie im Technologiebereich.

Seit mittlerweile drei Jahrzehnten schreiten der Fortschritt und die Weiterentwicklung dieser Branche rasant voran.

Computer, Handy, Internetflatrate – was einst teures Luxusgut war, gehörte bereits wenige Jahre später zur Standardausstattung eines jeden Haushaltes wie der Kühlschrank oder die Kochplatte.

Branche im Umbruch

Doch mit dem Schritt von der Exklusivität zum Massenphänomen ist die Branche auch den harten Anforderungen von Angebot und Nachfrage ausgeliefert.

Auf diese Weise verschwinden einstige Größen, während neue Riesen rasch emporsteigen.

Binnen weniger Monate ist es nun in diesem Segment zu zahlreichen Krisen, aber auch Neustarts und Fusionen gekommen. Höchste Zeit für einen Überblick über die Gewinner und Verlierer des Wandels.

Aktuellstes Beispiel auf der Verliererseite ist eindeutig Blackberry. Der einstige Smartphone-Pionier steht vor einem Berg von Problemen.

Blackberrys Problemberg

Im abgelaufenen Quartal hat der kanadische Konzern fast eine Milliarde Dollar Verlust angehäuft. Jeder dritte Arbeitsplatz wird gestrichen. Die Suche nach einem Investor hat längst begonnen.

Nun hat Fairfax ein Angebot gemacht, 4,7 Milliarden Dollar sind im Gespräch. Entschieden ist noch nichts.

Durch einen solchen Schritt würde Blackberry von der Börse verschwinden – und sich womöglich auch aus dem Smartphonegeschäft zurückziehen.

Stattdessen scheinen Netzwerkangebote für Firmenkunden das Gebot der Stunde.

Diesen Weg schlägt auch Nokia neuerdings ein, nachdem die einst erfolgreiche Handysparte gerade an Microsoft veräußert wurde.

Zäsur für Nokia – und Microsoft

Der Verkauf gleicht einer Zäsur für beide Unternehmen, aber auch für die gesamte Branche.

Denn Nokia stand lange praktisch Synonym für massenkompatible Mobiltelefone, während Microsoft eher mit seinem Betriebssystem Windows identifiziert wird.

Beide Unternehmen arbeiten nun an ihrer Neuausrichtung.

Ob Microsoft am Ende dieser Entwicklung zu den Gewinnern oder Verlierern zählen wird, steht noch in den Sternen.

Bisher läuft es eher nicht so gut. Das eigene Tablet ist gefloppt, Windows-basierte Smartphones gelten nach wie vor eher als Nischenprodukt.

Ob sich daran etwas ändert, wenn Hard- und Software künftig aus einer Hand kommen, wird sich zeigen.

Googlerola – ein Luxuszukauf

Für die Konkurrenz von Google war der Ankauf der Handysparte von Motorola eher ein Sahnehäubchen. Nötig hatte man das eigentlich nicht.

Mal abgesehen von der unangefochtenen Nummer eins der Suchmaschinen gehört auch das von Google entwickelte Smartphone-Betriebssystem Android mittlerweile zum weltweiten Standard.

Das Konzept, mit verschiedenen Hardwareherstellern zu kooperieren und damit ein weit gefächertes Preisspektrum und eine breite Zielgruppe ansprechen zu können, hat sich bewährt.

Die hauseigenen Motorola-Modelle dürften daher nur das i-Tüpfelchen der Produktpalette bilden.

Apples Revolution

Google gehört zweifellos zu den Gewinnern der vergangenen Jahre.

Ebenso wie Apple. Der Konzern hatte die jüngste technische Revolution mit der Marktplatzierung des iPhones im Herbst 2007 erst ins Rollen gebracht und das internetfähige Touchscreen-Smartphone etabliert, das seither in den westlichen Industrienationen zum Standard gehört, aber zunehmend auch Schwellenländer wie Brasilien, Indien oder China erobert.

Apple selbst konnte unter Steve Jobs massiv davon profitieren. Der Aktienkurs kletterte in ungeahnte Höhen, die Papiere wurden zwischenzeitlich für mehr als 700 Dollar gehandelt. Apple war das wertvollste Unternehmen der Welt, gemessen am Börsenwert.

Mangelnde Innovationskraft

Doch die Zeiten sind vorbei. Nicht mehr jedes neue iPhone, das gemäß dem Ritual jährlich im Herbst vorgestellt wird, sorgt automatisch für neue Höhenflüge.

Stattdessen mangelt es seit dem Tod des Firmengründers vor zwei Jahren an Innovationskraft. Die Weiterentwicklungen von Modell zu Modell sind marginal, das „nächste große Ding“ lässt lange auf sich warten.

Über die ominöse Smartphone-Uhr, von den Medien „iWatch“ getauft, kursieren zwar seit Monaten mehr oder weniger handfeste Gerüchte. Doch ein Termin für die Produktpräsentation ist nicht in Sicht.

Neues iPhone und Weihnachten lassen Anleger hoffen

Nach den unter Steve Jobs utopisch hochgeschraubten Erwartungen folgte der Absturz. Monatelang war die Aktie zuletzt im Sinkflug, zwischenzeitlich war sie für die Hälfte ihres Allzeithochs zu haben.

Erst allmählich geht es nun wieder aufwärts. Die neuesten iPhone-Modelle haben tatsächlich einen Verkaufsrekord am ersten Wochenende geschafft, das stimmt Anleger optimistisch. Zurzeit bewegt sich die Apple-Aktie zwischen 480 und 490 Dollar. Tendenz? Ungewiss.

Das Weihnachtsquartal könnte noch einmal für gute Zahlen sorgen und den Aktienkurs antreiben, doch wenn 2014 nicht bald die Uhr auf den Markt kommt, dürften auch treue Apple-Anhänger allmählich nervös werden.

Auch PC-Hersteller zunehmend unter Druck

Nervös wird man im Übrigen nicht nur in der Handybranche. Denn ganz nebenbei hat Steve Jobs auch noch ein Tablet erfunden, das nun den Herstellern klassischer PCs das Leben schwer macht.

Dell beispielsweise befindet sich gerade in Verhandlungen mit dem Firmengründer, der das Unternehmen zurückkaufen und von der Börse nehmen will, um es grundlegend umzubauen. Auch hier könnten Firmenkunden die Zukunftsperspektive sein.

Auch Hewlett-Packard kämpft seit langem mit rückläufigen Verkaufszahlen. 2011 war kurzzeitig der komplette Ausstieg aus dem PC-Segment im Gespräch, der damalige Konzernchef Léo Apotheker wollte das Unternehmen komplett umkrempeln.

Seine Nachfolgerin Meg Whitman nahm diese Entscheidung jedoch zurück, die PC-Sparte blieb doch erhalten. Doch das Geschäft läuft nicht gut: Zum 23. September ist HP aus dem Dow Jones geflogen.

Microsofts Gratwanderung

Auch Softwaregigant Microsoft stellt die Entwicklung vor neue Herausforderungen. Soll man sich auf mobile Endgeräte einstellen oder beim klassischen Windows-Angebot bleiben?

Microsoft entschied sich zu einem Zwitterweg. Mit Windows 8 wurde die Nutzeroberfläche radikal verändert und für die Bedienbarkeit auf Tablets und Smartphones angepasst.

Gut für die paar Nutzer von Windows-basierten Mobilgeräten, schlecht für die nach wie vor große Mehrheit, die das Betriebssystem vor allem am PC zuhause oder im Büro benutzt. Denn die Bedienbarkeit mit Tastatur und Maus hat gelitten.

Microsoft hat inzwischen reagiert, man kann nun auch bei Windows 8 die alte Desktop-Ansicht weitgehend wiederherstellen.

Doch wohin die Reise langfristig gehen wird, ist derzeit offen. Eine komplette Abkehr vom tastaturgesteuerten Computer ist zumindest im Firmenbereich erst einmal kaum vorstellbar.

Wer den Trend verpennt, muss gehen

Vermutlich wird es also zu einer stärkeren Konzentration kommen, der noch der eine oder andere Hersteller zum Opfer fallen wird, bis sich der Markt konsolidiert.

Zumindest bei Microsoft wird darüber aber jemand neues zu entscheiden haben. Der langjährige Konzernchef Steve Ballmer kündigte kürzlich seinen Rückzug an. Anleger zeigten sich erleichtert, die Aktie sprang kurzfristig nach oben – ein deutliches Signal, dass sich auch die Investoren Veränderungen wünschen.

Denn Microsoft hat eindeutig den Trend verpennt, genau wie eben Nokia und Blackberry zu spät erkannten, dass sie sich verändern müssen. Nur dass Microsoft im Gegensatz zu den einstigen Handypionieren noch lange nicht von Übernahmeofferten bedroht ist.

Google, Apple, Microsoft – aktuell würde das Siegertreppchen sie wohl in dieser Reihenfolge führen. Doch wer letztendlich die Nase vorn hat und wer vielleicht noch vom Markt verschwindet, wird sich zeigen.

In jedem Fall sind es turbulente Zeiten für die gesamte Branche. Ein Ende ist nicht in Sicht.

26. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt