Gewinnwarnungen lösen Kursstürze aus

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Am deutschen Aktienmarkt ist die Schönwetter-Phase endgültig vorbei. Etliche Gewinnwarnungen lösten massive Kursstürze aus. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Die Milchmädchen-Hausse am deutschen Aktienmarkt gehört nun endgültig der Vergangenheit an. Der gelbe Logistikriese aus Bonn, die Deutsche Post, machte bei den großen Standardwerten ja mit einer gesenkten Prognose den Anfang. Dann folgte der Autobauer Daimler und sprach für das laufende Geschäftsjahr eine Gewinnwarnung aus.

Die Aktie konnte sich seither nicht mehr fangen und ist vom Jahreshoch aus betrachtet damit fast 30 Prozent abgerutscht. Das ist schon ein Wort für einen so großen Wert wie Daimler. Fast 23 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung sind damit ausgelöscht. Damit nicht genug. In der vergangenen Woche gab es eine Flut an weiteren Gewinnwarnungen.

Flut an Gewinnwarnungen

Hier ist zum Beispiel der Autozulieferer ElringKlinger aus dem SDax zu erwähnen. Das Unternehmen senkte die Ergebnisprognose signifikant. Die Aktie brach auf nur noch knapp elf Euro ein. Im Sommer 2013 mussten Investoren noch um die 35 Euro für eine ElringKlinger-Aktie zahlen. Im MDax kam von Osram Licht eine scharfe Gewinnwarnung. Und zwar schon die zweite im Jahr 2018.

Das Vertrauen der Anleger ist nun völlig dahin. Anfang des Jahres kostete die Aktie noch knapp 80 Euro. In der vergangenen Woche stürzte das Papier auf nur noch gut 31 Euro ab. Vom Jahreshoch aus betrachtet beträgt der Verlust an Marktkapitalisierung um die fünf Milliarden Euro. Das ist wahrlich auch nicht zu vernachlässigen. Osram begründete die Prognoseabsenkung u.a. mit Handels- und Vertriebsbeschränkungen sowie Planungsrisiken bei Automobilherstellern.

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Auch andere Branchen betroffen

Spannend ist, dass die Prognosesenkungen nicht nur aus dem Automobilsektor kommen. Am vergangenen Freitag brach nach einer Gewinnwarnung der Aktienkurs der Container-Reederei Hapag-Lloyd um mehr als ein Fünftel ein. Höhere Treibstoffkosten durch die in diesem Jahr stark gestiegenen Ölpreise und ein Anstieg der Charterraten wurden als Gründe für die Malaise genannt.

Sehr beachtlich ist auch, dass selbst an sich extrem konjunkturresistente Unternehmen wie der Optiker Fielmann am Donnerstag die Prognose senken mussten. Vor Steuern werde der Gewinn im ersten Halbjahr trotz gestiegener Brillenverkäufe voraussichtlich um sechs Prozent auf rund 116 Millionen Euro fallen. Analysten hatten im Schnitt einen Gewinnanstieg erwartet. Die Aktie brach dann prozentual zweistellig ein, was bei der Fielmann-Aktie wahrlich nicht oft vorkommt.

Ja, liebe Leser, in den letzten Tagen und Wochen durften viele ehemalige Sparbuchanleger, die wegen der Nullzinspolitik von den Banken in den Aktienmarkt gelockt wurden, erfahren, dass Aktien immer noch eines sind: hochriskante Investments, bei denen im „worst case“ der Totalverlust droht. Bleiben Sie weiter extrem vorsichtig!


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.