GFK-Aktie: Marktforscher im Visier der Firmenjäger

Über lange Jahre war es ruhig bei dem Nürnberger Marktforschungs-Konzern GfK:

Mehr oder weniger stagnierende Erlöse seit 2012, erodierende Gewinnmargen und ein vor sich hin dümpelnder Aktienkurs bestimmten das Bild – bis vor wenigen Wochen:

Überraschend  legte der Finanz-Investor KKR ein Übernahme-Angebot für 18,54% der Anteile auf den Tisch; der Kurs schnellte um über 30% in die Höhe.

Das Angebot läuft noch bis diesen Freitag. Doch jetzt wird es spannend:

Während die Annahmequote bislang mit nur 4,1% ausgesprochen gering war, haben sich gleich mehrere Großanleger Anteile gesichert.

Wie geht es jetzt weiter? Wer steckt hinter den Investoren? Was bedeutet eine mögliche Übernahme für die Geschäfte von GfK?

KKR will GfK wieder auf Kurs bringen

Das Angebot von KKR richtet sich ausschließlich an Besitzer des zumeist von Kleinaktionären gehaltenen 43,54-prozentigen GfK-Anteils.

Die übrigen Aktien (56,46%) sollen weiterhin beim Mehrheits-Aktionär, dem GfK-Verein, bleiben.

Die GfK-Muttergesellschaft, in der neben großen Firmen auch Kammern und Wirtschafts-Verbände zusammengeschlossen sind, hatte bereits Anfang Dezember ihre Zustimmung zu dem KKR-Einstieg signalisiert.

KKR soll dem Marktforscher helfen, die Herausforderungen der digitalen Marktforschung besser bewältigen zu können.

Gewinnmarge im Rückwärtsgang

Denn die zurückliegenden Jahre waren alles andere als berauschend.

Obwohl GfK mit einem Jahres-Umsatz von knapp 1,5 Mrd. € zu den führenden Marktforschungs-Unternehmen gehört, blieben zuletzt nur mickrige Gewinne übrig:

In 2015 lag der Gewinn bei 37 Mio. €, in 2014 bei 5,9 Mio. € und 2013 schrieb GfK sogar Verluste.

Von früheren Glanzzeiten mit einer Gewinnmarge von über 10% sind die Nürnberger mittlerweile Lichtjahre entfernt.

Die Ursachen sind vielschichtig: Zum einen hat die Firma Probleme die Transformation zum Digital-Geschäft zu meistern. Zum anderen sorgten Schwierigkeiten bei Einzelprojekten für Gegenwind.

Viel Lehrgeld musste GfK auch in Brasilien zahlen – dort ging ein Projekt zur Messung der Fernseh-Einschaltquoten komplett in die Hose.

Betriebs-Ergebnis stürzt in den Keller

Der Negativtrend hat sich auch im gerade abgelaufenen Jahr fortgesetzt: Nach den vorläufigen Zahlen sanken die Erlöse leicht um 3,8% auf 1,48 Mrd. € nach unten.

Im Gegenzug stürzte der Betriebsgewinn mit einem Minus von 18,1% regelrecht ein.

Auch bei der Prognose gibt es keinen Grund für Optimismus: Die Konzernführung hält selbst das Erreichen der schwachen Umsatzrendite des Vorjahres für ambitioniert.

Umso wichtiger ist für GfK ein starker Anker-Aktionär wie KKR. Die amerikanische Private Equity Firma kennt sich in der Branche bestens aus:

Bereits 2006 hat KKR den GfK-Rivalen Nielsen geschluckt, von der Börse genommen und 5 Jahre später wieder auf das Parkett gebracht. Der Marktwert liegt inzwischen bei gut 15 Mrd. Dollar.

Dell-Firmengründer funkt dazwischen

An den operativen Perspektiven kann es also nicht liegen, dass sich gleich mehrere Großanleger bei GfK einkaufen.

So hat Michael Dell (Firmengründer von Dell Computer) über seine Vermögens-Verwaltung MSD Capital seinen Anteil zuletzt auf 9,77% aufgestockt.

Und mit Primestone Capital mischt ein weiterer Investmentfonds mit, der sich mit 5% der Aktien eingedeckt hat.

Dahinter steht übrigens Benoit Colas, ein ehemaliger Manager der Boston Consulting Group. Damit ist klar, dass schon einmal knapp 15% der Papiere nicht an den Bieter KKR gehen.

Aktie handelt zum Übernahmepreis

Es bleibt spannend. Ob KKR die Offerte erhöht, ist mehr als ungewiss. Die Anleger scheinen bislang optimistisch. Aktuell notieren die Papiere mit 43,50 € exakt auf dem gebotenen Übernahmepreis.

Ein Scheitern der Transaktion wäre allerdings ein Desaster.

Denn mit dem flauen operativen Geschäft, den strukturellen Problemen und personellen Querelen dürfte der Kurs in diesem Fall einen kräftigen Dämpfer bekommen.

8. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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