Gibt es eine neue Technologieblase?

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Nach der jüngsten Rally warnen manche vor einer neuen Technologieblase. Der Vergleich mit dem Platzen der Internetblase hinkt jedoch. (Foto: Sundry Photography / shutterstock.com)

Heute und morgen präsentieren die Schwergewichte Amazon, Alphabet, Facebook und Apple ihre Ergebnisse für das zurückliegende Quartal. Diese Zahlen sind deshalb von großer Bedeutung für den Aktienmarkt, weil eben diese vier Werte gemeinsam mit der Microsoft-Aktie nahezu die Hälfte des Nasdaq 100 ausmachen und damit maßgeblich die Richtung des Technologie-Index vorgeben.

Gibt es eine Blase im Technologiesektor?

Technologiewerte sind die Zugpferde der Erholungsrally, die nach dem Corona-Crash Mitte März eingesetzt hat. Der Nasdaq 100 hat den Rückschlag nicht nur wettgemacht, sondern seine vor Corona erreichten Rekordstände bereits klar übertroffen. Gegenüber seinen Tiefs vom März hat der Index mehr als 60% zugelegt.

Deshalb mehren sich die mahnenden Stimmen, die vor einer neuen Blase im Technologiesektor warnen. Angesichts des steilen Kursanstiegs ziehen manche Parallelen zum Platzen der Internetblase nach der Jahrtausendwende. Ich möchte Ihnen heute erläutern, warum dieser Vergleich aus meiner Sicht hinkt.

Die gesamte Technologiebranche über einen Kamm zu scheren und von einer Blase zu sprechen, halte ich für falsch. Es gibt allerdings Einzelfälle, bei denen der Begriff Blase nicht ganz unberechtigt ist. Zum Beispiel Tesla: Die Aktie des Elektroauto-Herstellers hat gegenüber dem Corona-Tief in der Spitze um 400% zugelegt.

Zocker lösen wilde Kursbewegungen aus

Der Grund für völlig verrückte Kursbewegungen bei einzelnen Werten sind “Zocker”, die sich seit Corona auf dem Parkett tummeln. Durch den Kurseinbruch sind viele Kleinanleger auf den Aktienmarkt aufmerksam geworden. Auf der US-Trading-Plattform Robinhood wurden allein in den ersten vier Monaten des Jahres 3 Mio. neue Konten eröffnet – ein Zuwachs von 30%. Damit tummeln sich mittlerweile mehr als 10 Mio. Trader auf der beliebten Plattform.

Die meisten davon sehen den Aktienmarkt allerdings nicht als interessante Möglichkeit, um langfristig gute Renditen zu erwirtschaften, sondern als “Börsencasino”. Selbst vor Pleite-Unternehmen wie Hertz machen die Zocker nicht halt. Die Aktie des Autovermieters schoss Anfang Juni in weniger als zwei Wochen um 1.400% nach oben – wohlgemerkt nachdem das Unternehmen Insolvenz angemeldet hatte.

Stürzt sich die Masse der Zocker auf einen Wert, kommt es häufig zu wilden Kurssprüngen. Für die meisten dieser Freizeit-Zocker wird dieses Spiel ebenfalls in der Pleite enden. Bereits in einigen Monaten werden viele davon von der Bildfläche verschwunden sein, weil sie ihren “Einsatz” verspielt haben.

Corona beschleunigt die Digitalisierung

Der Grund für den Anstieg des Nasdaq 100 sind diese Zocker aber ohnehin nicht. Dafür sind eben die angesprochenen Schwergewichte verantwortlich. Deren starke Kursentwicklung ist aber durchaus begründet. Denn die Digitalisierung hat durch Corona einen gewaltigen Schub bekommen. Microsoft-Chef Satya Nadella brachte es auf den Punkt: “Die Welt erlebt soeben zwei Jahre digitale Transformation komprimiert auf zwei Monate.”

Dank ihrer starken Stellung in Bereichen wie Cloud oder Künstliche Intelligenz profitieren Microsoft & Co. ganz besonders von dieser Entwicklung. Grundsätzlich sehe ich daher gute Chancen, dass sich der Aufwärtstrend im Technologiesektor fortsetzt. Dennoch sollten Sie als Anleger nie alles auf eine Karte setzen, sondern auf eine vernünftige Depotmischung achten. Technologiewerte gehören auf jeden Fall weiterhin in jedes Depot.

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Michael Kelnberger
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

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