Gibt es im Januar 2017 wieder einen Mini-Crash?

Am vergangenen Mittwoch erhöhte die amerikanische Notenbank Fed (Federal Reserve Bank) den Leitzins:

Die sogenannte Fed Funds Rate wurde von bislang 0,25% bis 0,50% auf 0,50% bis 0,75% angehoben.

Es war die zweite Zinserhöhung in den zurückliegenden 12 Monaten: Im Dezember 2015 war die Bandbreite ebenfalls um 1/4 Punkt angehoben worden.

Damit hat die US-Notenbank das wahr gemacht, was viele Experten und Marktteilnehmer befürchtet hatten. Doch nun kam es noch übler, als erwartet:

Ein Unglück kommt selten allein?

US-Notenbank-Chefin Janet Yellen kündigte am Mittwoch vorsorglich schon einmal 3 weitere Zins-Anhebungen für das Jahr 2017 an!

Erstickt die Fed also die endlich gestartete Rallye an der Wall Street gleich wieder im Keim?

Schließlich wird die Abkehr von der bis vor 12 Monaten praktizierten Niedrigzins-Politik langfristig als „Gift“ für den US-Aktienmarkt angesehen.

Zur Erinnerung: Im Zuge der Finanzkrise wurde die Fed Funds Rate zwischen September 2007 und Dezember 2008 von 5,25% auf 0,25% regelrecht herunter„geprügelt“.

Bis Dezember 2015 – also 7 lange Jahre – wurde der US-Leitzins zwischen 0,25% und 0,50% gehalten.

Die graue Zins- / Dividenden-Theorie

Doch warum wird die Anhebung der US-Leitzinsen als schädlich für den Aktienmarkt angesehen?

Wenn die Rendite, die sich mit „sicheren“ Anleihen erzielen lässt, deutlich höher ist als die Rendite, die Sie auf Investments in „risikobehaftete“ Aktien in Form von Dividenden bekommen, dann geben die Anleger den Anleihen den Vorzug vor Aktien.

So jedenfalls die Theorie…

Schauen wir also zunächst einmal auf einen Vergleich von US-Dividendenrendite und der Rendite von US-Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit:

us-div-rendite-vs-us-anleiherendite_19-12-2016

Vergleich US-Dividendenrendite mit Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen

Sie sehen:

Die Dividendenrendite liegt aktuell nur noch bei 2,10% (linke Skala), während die Bonds-Rendite (so werden die US-Staatsanleihen auch genannt) auf inzwischen 2,59% geklettert ist.

Was Sie der Grafik indes auch entnehmen können:

Die Anleihe-Rendite ist seit dem Sommer von ihrem Allzeittief bei 1,38% auf den aktuellen Wert hochgeschnellt. Der Anleihemarkt hat mithin die jetzige Leitzins-Erhöhung quasi schon vorweg genommen.

Der Dow Jones zeigt die Wahrheit

Blenden wir nun noch die Entwicklung des Dow Jones Industrial Average in die Grafik ein:

us-div-rendite-vs-us-anleiherendite-vs-dow-jones_19-12-2016

Vergleich US-Dividendenrendite mit Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen und Dow Jones

Der Chart wurde hier auf das Zeitfenster seit der ersten Leitzins-Anhebung im Dezember 2015 angepasst. So können Sie besser nachvollziehen, was bislang geschehen ist.

Auf die erste Leitzins-Anhebung reagierte der Dow Jones mit einem zeitverzögerten Mini-Crash im Januar und Februar dieses Jahres.

Gleichzeitig stürzten jedoch die US-Bonds-Renditen von 2,20% auf 1,60% ab – die hätten doch eigentlich mit einem Anstieg reagieren sollen…?

Verkehrte Welt? Dann schauen Sie jetzt einmal auf die rechte Seite des Charts:

Anfang November kristallisierte sich heraus, dass die Fed wohl im Dezember den Leitzins anheben wird.

Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen explodierte daraufhin von 1,78% auf 2,59%!

Und was machte der Dow Jones? Der amerikanische Leitindex kletterte von 17.888 auf bis zu 19.911 Punkte – am Dienstag vor der Notenbank-Entscheidung.

Falls Sie nun einwenden möchten, dass dies v. a. eine Trump-Rallye gewesen sei, dann schauen Sie noch einmal genauer hin:

Sehen Sie die Reaktion des Dow Jones auf die Zins-Eentscheidung?

Genau: Der US-Leitindex hat am Mittwoch gerade einmal -0,60% auf 17.792 Zähler verloren und lag Freitag schon wieder bei 17.843 Punkten.

Fazit & Empfehlung

Es ist wie schon mehrfach in diesem Jahr und schon unzählige Male zuvor gekommen: Der Aktienmarkt reagierte komplett anders, als die „Experten“ im Vorfeld erwarteten.

Ob Brexit-Votum, US-Präsidentschaftswahl oder „Renzirendum“ in diesem Jahr:

Jedes Mal haben Ihnen die Experten „einreden wollen“, dass negative Entscheidungen bei den genannten Terminen auch negative Konsequenzen für den Aktienmarkt haben würden.

SIE LAGEN JEDES MAL FALSCH!!

Und sie werden auch diesmal falsch liegen: Es wird im Januar / Februar 2017 keinen Crash oder Mini-Crash geben!

Der Grund: Die Voraussetzungen sind diesmal andere. Das macht der 3. und letzte Chart für heute deutlich:

dow-jones_19-12-2016

Dow Jones: Befreit von Abwärtstrend und Seitwärts-Bewegung

Im Dezember 2015 war der Dow Jones zum x-ten Mal in 7 Monaten an dem Abwärtstrend (rote Linie) abgeprallt.

Im Dezember 2016 notiert der Dow Jones auf neuem Rekordniveau: Den Abwärtstrend hatte er schon im April hinter sich gelassen. Noch bedeutsamer indes:

Die seit Anfang 2015 ausgebildete Seitwärts-Bewegung wurde Anfang November endgültig nach oben verlassen!

Möglich, dass die Kurse während der umsatzschwachen Feiertags-Periode noch einmal leicht zurückkommen:

Doch das sind für mich dann eher Kaufkurse! Was nämlich viele Experten beim Vergleich von Dividenden-Rendite und Anleihen-Rendite gerne unterschlagen:

Das „Salz in der Suppe“ sind bei Aktien eben die Kursgewinne. Beim Kauf von Anleihen wissen Sie genau, was Sie bei Fälligkeit zurückbekommen – Kursgewinne sind es derzeit jedenfalls nicht.

Und da wir am Anleihemarkt zuletzt eine „Blasenbildung“ erlebt haben (siehe Renditetief im Juli), werden seit November Anleihen in Aktien umgeschichtet.

Und dieser Vorgang steht erst am Anfang und keineswegs schon am Ende!

19. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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