Gier hat beim Investieren nichts zu suchen!

Erinnern Sie sich noch?

Im Herbst 2013 standen 3D-Drucker laut Medien-Berichten an der Schwelle zur Kommerzialisierung. Im seinerzeit anstehenden Weihnachtsgeschäft sollten erste halbwegs erschwingliche 3D-Drucker an Konsumenten verkauft werden.

Heute wissen wir: Weder am Heiligen Abend 2013, noch 2014 standen derart viele 3D-Drucker unter dem Weihnachtsbaum, dass wir vom Beginn eines neuen Massenmarktes sprechen können.

Warum 3D-Drucker noch kein Massenmarkt sind

Was diesem Produkt zum Durchbruch fehlt, sind zwei Kaufargumente. Eines davon ist offensichtlich: 3D-Drucker sind für die breite Käuferschicht noch immer zu teuer. Anders gesagt: Der Kosten-Nutzen-Faktor ist zu gering. Denn:

Was können Sie als Privatmensch damit drucken? Um nämlich überhaupt annehmbare Druckresultate zu erzielen, sind derzeit noch Design- und Programmierkenntnisse vonnöten. Mal ehrlich:

Um beispielsweise eine zerbrochene Tasse aus Ihrem Frühstücksservice „nachzudrucken“, müssten Sie diese zunächst einmal für Ihren 3D-Drucker „nach-designen“, damit er überhaupt in der Lage ist, sie nachzudrucken. Mal ganz abgesehen davon, dass Sie natürlich auch das Material dazu besitzen oder kaufen müssten, aus dem die zerbrochene Tasse bestand.

Die Vision: Einscannen und 3D-drucken

Das klingt nach einem allzu simplen Beispiel. Doch gerade derartige Möglichkeiten wären für mich ein sinnvolles Kaufargument. Oder stellen Sie sich vor: Sie scannen einfach Objekte ein und speichern deren Design, um sie bei Bedarf von Ihrem 3D-Drucker neu entstehen zu lassen.

In jenem Herbst 2013 waren solche Überlegungen noch obsolet. Die Medien wähnten 3D-Drucker bereits unmittelbar vor ihrem kommerziellen Durchbruch.

Entsprechend wurde die Gier der Anleger geschürt, die sich aus der Investition in Aktien der 3D-Drucker-Hersteller fantastische Gewinnpotenziale erhofften. Die Aktienkurse von Unternehmen wie 3D-Systems (Ticker: DDD) oder Stratasys (Ticker: SSYS) setzten zum Höhenflug an.

Der Hype um 3D-Systems im Jahr 2013

In meinem Börsendienst Momentum-Trader „Gewinne mit Wachstumsaktien“ empfahl ich die Aktie von 3D-Systems am 5. September 2013. Der nachfolgende Chart zeigt die Entwicklung, die zum Einstieg führte und den anschließenden Verlauf.

3d-systems in usd von 10.12 bis 12.13-09-02-2015

3D-Systems in USD (2012 bis 2013): Gutes Timing des Momentum-Trader beim Ein- und Ausstieg

3D-Systems bildete in der ersten Jahreshälfte 2013 eine für Wachstumsaktien typische Chart-Formation aus: Die „Tasse mit Henkel“. Doch die Aktie nahm sich noch bis Ende August Zeit und bewegte sich in einer recht engen Handelsspanne seitwärts.

Nach nur 69 Tagen verbuchten die Momentum-Trader-Leser einen Gewinn von +39,3%. Mir erschien der Anstieg zu schnell in zu kurzer Zeit – daher gab ich am 13. November, folgende Empfehlung weiter:

„Bekanntlich war mir der Kursanstieg der Aktie schon in der Vorwoche etwas zu rasant. Nun hat der Kurs seit dem Tief vom 29. Oktober bei 54,08 USD in 11 Handelstagen fast 24 USD oder +44,1% zugelegt. Das riecht doch arg nach einer „Fahnenstange“ – eine typische Kursentwicklung kurz vor einer größeren Korrektur. Ich empfehle Ihnen daher, den … Gewinn von fast +40% zu realisieren.“

Der Verkauf kam etwas voreilig, wie es auf dem Chart erscheint. Schließlich kletterte der Kurs von 3D-Systems nach der tatsächlich erfolgten Korrektur um fast -20% ja noch weiter nach oben.

Der nun folgende Chart zeigt, dass ich mit meiner Verkaufsempfehlung vom November 2013 prima „leben kann“:

3d-systems in usd von 10.12 bis heute-09-02-2015

3D-Systems in USD (2012 bis heute): Das vorläufige Ende des 3D-Drucker-Hypes

Seit dem Ausstieg hat sich der Kurs von 3D-Systems knapp gedrittelt. Bezogen auf das Allzeithoch von 97,28 USD hat sich der Wert der Aktie sogar beinahe geviertelt.

Sie sehen es selbst: Gier hat beim Investieren nichts zu suchen!

Weder wäre es eine gute Idee gewesen, die Aktie einfach weiter zu halten, weil Sie an den langfristigen Erfolg von 3D-Druckern glauben. Es wäre ebenso wenig sinnvoll gewesen, die Aktie auf dem Weg nach unten als Schnäppchen anzusehen und zu kaufen.

9. Februar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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