Gilead im Shopping-Wahn: Übernahme von Immunomedics dritter Milliardendeal in drei Jahren

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Mega-Deal im Biotechnologiesektor: Gilead legt für Krebsspezialisten Immunomedics 21 Milliarden Dollar auf den Tisch. Zugelassenes Brustkrebsmedikament könnte milliardenschwere Umsätze liefern (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Die Übernahmeaktivität bleibt weiter hoch. Besonders in der Biotechnologiebranche gab es in diesem Jahr gleich reihenweise Megadeals. Mit dem Kauf von Immunomedics für 21 Milliarden Dollar durch den US-Konzern Gilead folgt nun der nächste Paukenschlag. Die Übernahme des Konkurrenten soll die Sparte für Krebsmedikamente von Gilead entscheidend stärken. Die Anleger von Immunomedics versetzte die Offerte schon mal in Feierlaune. Auf Grund des massiven Aufpreises schossen die Papiere um mehr als 100% nach oben. Beeindruckend: Der Zukauf ist bereits die dritte Milliardenwette des Unternehmens innerhalb der letzten drei Jahre.

Gilead im Portrait

Bevor wir zum Deal kommen, ein paar Takte zum Geschäftsmodell des Käufers Gilead Sciences: Der US-Konzern ist ein unabhängiges und weltweit operierendes Biotechnologie-Unternehmen. Kernkompetenz ist die Entwicklung von therapeutischen Lösungen für die Behandlung von lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten. Dabei konzentriert sich Gilead Sciences insbesondere auf systemische Pilzinfektionen, Tumorerkrankungen, HIV und Hepatitis-B. Die Arzneimittel enthalten hauptsächlich Wirkstoffe, die im eigenen Haus entwickelt wurden. Mit der Übernahme der Biotechfirma Pharmasset hat sich Gilead verschiedene aussichtsreiche Medikamente für die Behandlung von Leberentzündungen (Hepatitis C) gesichert.

Im letzten Geschäftsjahr gingen bei Gilead Umsätze von 22,44 Milliarden Dollar durch die Bücher. Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 5,38 Milliarden Dollar hängen.

Hoher Aufpreis für Immunomedics

Mit der Transaktion will der US-Konzern Gilead vor allem seine Onkologiesparte weiter stärken und lässt sich das einiges kosten. Immerhin ist der Biotechnologie-Riese bereit, 21 Milliarden Dollar für Immunomedics auf den Tisch zu legen. Das entspricht 88 Dollar je Aktie und liegt 108% über dem Schlusskurs vor Bekanntgabe der Übernahmeofferte. Ein Bieterwettbewerb erscheint vor dem Hintergrund des massiven Aufschlags eher unwahrscheinlich. Mit 84,75 Dollar steht die Immunomedics-Aktie nach dem Kurssprung nur noch 3,8% unter dem Niveau des Angebotspreises.

Finanziert werden soll der Deal durch Barmittel in Höhe von 15 Milliarden Dollar und neu ausgegebenen Anleihen über 6 Milliarden Dollar.

Brustkrebstherapie sorgt für Phantasie

Dabei hat es der kalifornische Biotechriese Gilead vor allem auf das Brustkrebsmedikament Trodelvy abgesehen, das von der US-Gesundheitsbehörde FDS im April die Zulassung erhalten hat. Die Genehmigung erfolgte, nachdem das Präparat in klinischen Studien als Therapie den dreifach negativen Brustkrebs fast vier Monate länger zurückschlug als eine Chemotherapie. Für Sie zum Hintergrund: Die schwer zu behandelnde Erkrankung, die etwa 10 bis 15 % aller Brustkrebsfälle ausmacht, spricht auf viele der aktuellen Behandlungen nicht an. Geplant ist das Medikament noch in diesem Jahr auf den Markt zu bringen.

Wirkungsmechanismus auch für andere Tumorarten

Das neuartige Medikament Trodelvy ist eine Art von Therapie, die Wissenschaftler als Antikörper-Wirkstoff-Konjugat bezeichnen. Ein speziell entwickelter Antikörper soll sich selektiv an einen Tumor binden und dort ein Gift freisetzen, das wiederum den Tumor abtötet. Die Logik dahinter scheint einleuchtend und eröffnet Gilead beachtliches Potenzial: Zumindest in der Theorie könnte der Wirkmechanismus auch bei zahlreichen anderen Tumorarten zum Einsatz kommen. Gilead-Firmenboss Daniel O`Day führte in einem Interview mögliche Anwendungsbereiche wie Blasenkrebs, Lungenkrebs und verschiedene andere Krebsarten an.

Gilead im Kaufrausch

Für Gilead ist der Deal ein weiterer Meilenstein auf der Suche nach externem Wachstum. In 2017 schluckte der Konzern Kite Pharma für 11,9 Milliarden Dollar. Anfang dieses Jahres kam der Arzneimittelhersteller Forty Seven für 4,9 Milliarden Dollar hinzu, der aufgrund seiner experimentellen Behandlung zur Heilung von Blutkrebs das Interesse von Gilead erregte. Dem Aktienkurs hat das zuletzt aber wenig geholfen. Der Höhenflug im Zuge des Antiviruspräparats Remdesivir gegen Covid-19 ist seit Anfang Mai beendet und die Papiere sind um ein Fünftel abgerutscht. Seit dem Jahreswechsel liegt die Aktie nur minimal im Plus (rd. 2%).

Von dem neuen Medikament erwartet sich Gilead Umsatzbeiträge von mehreren Milliarden Dollar. Ab dem Jahr 2023 soll die Übernahme dann einen positiven Gewinnbeitrag liefern.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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