Gilead-Präparat sorgt für Anleger-Optimismus

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Es gibt Hoffnung: Und zwar durch Gilead Science und das MIttel Remdesivir, ein Mittel eigentlich der Ebola-Bekämpfung diente. (Foto: chrisdorney / shutterstock.com)

Es gibt Hoffnung. Und manchmal kommt sie von jemandem, den man kurz zuvor schon abgeschrieben hatte. Gilead Science, ein Biotech-Unternehmen aus den USA, hat kein wirklich neues Präparat entwickelt, um das Coronavirus zu bekämpfen. Die Antwort der Amerikaner auf den Krankheitserreger ist Remdesivir, ein Mittel eigentlich zur Ebola-Bekämpfung. Aber: weitergehende Studien in der Covid-19-Therapie zeigen jetzt wohl positive Ergebnisse.

Der US-Virologe Anthony Fauci, der auch das Weiße Haus bei der Pandemie-Bekämpfung berät, verkündete gestern, dass umfangreiche, internationale Studien zeigen, durch Remdesivir würde der Krankheitsverlauf von Covid-19 deutlich verkürzt. Noch vor einer Woche hatten Daten der WHO die Börsianer geschockt, wonach das Mittel kaum Wirkung gezeigt hatte. Daten, die nach Aussage aller Beteiligten nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, weil sie aus einem Test stammten, der mangels Beteiligung abgebrochen worden war. Die Daten von Faucis Untersuchung jetzt sind so valide, dass die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA mit Gilead Science Gespräche aufgenommen hat, um das Präparat möglichst schnell für Patienten verfügbar zu machen.

Notenbank-Entscheidungen geben kaum Impulse

Angesichts solcher Nachrichten sind Meldungen von der US-Notenbank, sie werde die Zinsen bei nahe Null Prozent belassen und weitere Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft ins Auge fassen, nur die Kirsche auf der Sahne. An den Börsen fasst man wieder Zuversicht. Und wenn bei der EZB-Ratssitzung heute nichts Überraschendes passiert, kann es so bleiben.

Die Aktien in Asien stiegen im Handel am Morgen. Die Aktien in Japan, die nach dem gestrigen Feiertag heute wieder in den Handel kamen, erklommen neue Höhen. Der Nikkei legte um 2,49% zu – angezogen etwa von Aktien des Roboterherstellers Fanuc, die um etwa 6% stiegen.

Chinas Einkaufsmanager halten sich wieder mehr zurück

Aktien an den chinesischen Festlandsbörsen stiegen nicht ganz so kräftig. Hier bremste ein privater Einkaufsmanager-Index, wonach die Wirtschaft der Volksrepublik im ablaufenden Monat wieder an Fahrt verloren hat. In Shanghai und Shenzen legten die Kurse daher nur vergleichsweise moderat um 0,8% zu.

In Australien ging es um 1,31% nach oben. In Südkorea und in Hongkong wird heute feiertagsbedingt nicht gehandelt.

Dow nimmt 25.000 Punkte ins Visier

Die positiven Nachrichten von Gilead Sciences zu einem Wirkstoffkandidaten gegen die Lungenkrankheit Covid-19 sorgten für kräftigen Rückenwind. Der Dow Jones Industrial stieg um 2,21 Prozent auf 24.633,86 Punkte. Damit hat sich der Dow vom Crash-Tief von Mitte März um mehr als ein Drittel erholt – und ist nun in Schlagdistanz zur runden Marke von 25.000 Punkten.

Der marktbreite S&P 500 stieg daraufhin um 2,66 Prozent auf 2.939,51 Zähler. Der Nasdaq 100 legte mit 3,52 Prozent auf 8.982,76 Punkte noch stärker zu. Hier sorgten auch hohe Kursgewinne der Google -Holding Alphabet nach starken Quartalszahlen für Unterstützung.

US-Börsen im Rausch der Unternehmenszahlen

Die Google -Mutter Alphabet hatte trotz Corona-Krise im ersten Quartal zugelegt und besser abgeschnitten als von Analysten gedacht. Der Kurs zog daraufhin um 8,9 Prozent an. Aktien von Gilead Sciences stiegen um 5,7 Prozent.

Aktien von Mastercard legten um 7,2 Prozent zu, nachdem der Kreditkartenanbieter beim Umsatz positiv überrascht hatte. Aktien der Kontrahenten Visa und American Express rückten um 6,2 Prozent beziehungsweise 9 Prozent vor – American Express lagen damit an der Spitze des Dow.

Noch stärker ging es für die Papiere von Spotify nach oben. Sechs Millionen neue Nutzer im ersten Quartal bescherten den Aktien des Musikstreaming-Anbieters eine Rally von 11,5 Prozent.

Deutsche Anleger hoffen auf Covid-19-Wirkstoff

Auch hierzulande zog die Hoffnung auf einen Wirkstoff gegen Covid-19. Der Dax schloss mit einem Aufschlag von 2,89 Prozent auf 11.107,74 Punkte knapp unter seinem kurz zuvor erreichten Tageshoch. Der MDax , der die Aktien mittelgroßer Unternehmen repräsentiert, stieg um 2,58 Prozent auf 23.406,05 Punkte.

Unter den einzelnen Branchen in Europa war die der Automobilwerte am Mittwoch besonders attraktiv. Sie legte um 5,1 Prozent zu. Im Dax sprangen die Aktien von BMW und Volkswagen um jeweils 5,8 Prozent hoch und Daimler gewannen sogar 6,7 Prozent. Die Covid-19-Krise trifft Autobauer besonders, weshalb die Aktien auch besonders stark gelitten haben. Nun sorgten weniger die vorgelegten detaillierten Quartalsbilanzen von VW und Daimler für Euphorie, sondern eher die Hoffnungen auf eine mögliche staatlich geförderte Autokauf-Prämie für Gewinne.

Deutsche Bank überzeugt mit unerwartet soliden Geschäftszahlen

Die Deutsche Bank meldete nach ihren am Montag veröffentlichten Eckdaten zum ersten Quartal nun detaillierte Zahlen, was die Aktien in ihrer Erholungsrally weiter vorantrieb. Sie sprangen als Dax-Spitzenreiter um knapp zwölf Prozent hoch. Damit haben sie in nur drei Handelstagen um mehr als 30 Prozent zugelegt.

Die Bank gewinnt immer, kommentierten Beobachter Zahlen der Deutschen Börse, die nach Handelsschluss veröffentlicht worden waren.  Im ersten Quartal stiegen die Nettoerlöse um 27 Prozent auf 914,8 Millionen Euro. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) legte um 30 Prozent auf 619,8 Millionen Euro zu. Damit schnitt der Dax-Konzern besser ab als erwartet. Der Grund ist klar: die Börse verdient an Transaktionen – und selbst für einen Absturz wie den Corona-Crash muss gehandelt werden, und zwar überdurchschnittlich viel.

BASF streicht Prognose, nicht Dividende

Der Paukenschlag kam gestern Abend danach. Nur wenige Stunden vor der regulären Veröffentlichung des Quartalsausweises strich jetzt auch der Dax-Konzern BASF seine Prognose für 2020. Trost für die Aktionäre: An der Dividende wird nicht gerüttelt. Warum auch, ist diese doch die Gewinnbeteiligung für das zurückliegende Jahr. Problematisch wird 2020. Da konnte BASF den ersten Quartalsumsatz zwar steigern, verbuchte im Ergebnis vor Sondereffekten aber ein Minus von 6 Prozent. Und Sondereffekte erwarten die Ludwigshafener noch einige in diesem Jahr. Corona sieht man bei BASF nur als Auftakt für den weiteren, höchst unsicheren Geschäftsverlauf.

Weitere Geschäftszahlen kommen unter anderem von MTU Aero Engines, Wirecard, Fuchs Petrolub, Nemetschek, Aixtron, Drägerwerk, Clariant, Swiss Re, Swisscom, Total, Nokia, Altria, Amgen, Apple, ConocoPhillips, Gilead Sciences, Kraft Heinz, McDonald’s und Twitter.

Und es gibt Konjunkturdaten: Heute werden neben den Einzelhandelsumsätzen die aktuellen Arbeitsmarktdaten für Deutschland bekannt gegeben. Volkswirte rechnen mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote von 5,0 auf 5,2%.

Außerdem stehen die Verbraucherpreise sowie Arbeitsmarktdaten für die Eurozone an. Hier wird ein Anstieg der Arbeitslosenquote von 7,3 auf 7,7% erwartet. Bei der Inflationsrate wird ein Rückgang von 0,7 auf 0,0% prognostiziert.

In den USA stehen neben den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe die persönlichen Einkommen und der Einkaufsmanagerindex von Chicago zur Veröffentlichung an.

Der DAX wird jedenfalls weiter im Aufwärtstrend gesehen. Experten erwarten einen Index von 11.217 Punkten zur Handelseröffnung.

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Marcus Schult
Von: Marcus Schult. Über den Autor

Finanzen sind sein Leben: Mit dem richtigen Gespür für Wirtschaft- und Finanzthemen ausgestattet liefert der ehemalige ARD-Mann das richtige Know-How.