Gilead-Sciences-Aktie: Zu heftig abgestraft?

Mit Unternehmen aus dem Biotech- und Pharma-Bereich ist es so eine Sache: Für die Entwicklung neuer Wirkstoffe und Medikamente werden erst einmal hohe Investitionen notwendig.

Nicht jedes Produkt gelangt zur Marktreife, manch ein Hoffnungsträger bleibt noch auf der Zielgeraden in der Pipeline stecken, wenn bereits Unsummen in die Forschung geflossen sind.

Das Geschäft mit den „Blockbustern“

Gelingt jedoch der Durchbruch bis zur Marktreife und handelt es sich um ein neuartiges Medikament, ist oftmals von Blockbustern die Rede:

Sie sind äußerst gefragt, weil sie:

  • bis dato unheilbare Krankheiten heilen oder zumindest die Symptome lindern,
  • weniger Nebenwirkungen haben als bisherige Wirkstoffe
  • oder die Therapie-Chancen insgesamt größer sind als bei der vorhandenen Konkurrenz.

Das gilt v. a. für die Startphase; in der Zeit bis zum Patent-Ablauf können die Firmen hier richtig Kasse machen.

Ein Beispiel: Gilead Sciences.

Auf Erfolg folgt Flaute

Mit seinen Hepatitis C-Medikamenten Sovaldi und Harvoni ist die US-Firma vor wenigen Jahren durchgestartet.

2015 war das bisher erfolgreichste Jahr des Konzerns; mehr als 31 Mrd. US-Dollar Umsatz wurden damals erzielt, satte 19 Mrd. davon blieben am Ende als Gewinn hängen.

Seitdem allerdings entwickeln sich die Umsätze mit den beiden einstigen Blockbustern rückläufig. 2016 ging der Umsatz um 6% zurück, der Gewinn schrumpfte auf 15,7 Mrd. Dollar zusammen.

Besonders nachlassende Preise und zugleich zunehmende Konkurrenz setzen Gilead und seine einstigen Erfolgsgaranten unter Druck. Für 2017 wird ein weiterer Rückgang bei Umsatz und Gewinn erwartet.

All das kommt nicht überraschend. Die beschriebenen Zyklen sind vielmehr typisch für Entwicklung und Vermarktung von Medikamenten.

Dennoch reagierten Anleger allergisch auf die Geschäftsbilanz des vergangenen Jahres sowie den Ausblick für 2017:

Die Gilead-Aktie hat auf Jahressicht rund 25% an Wert verloren – Tendenz: weiter sinkend.

Analysten skeptisch

Auch die Stimmen der Analysten klingen inzwischen verhaltener:

Hatten noch im Herbst mehrere Studien Kaufempfehlungen ausgesprochen und dabei Kursziele von 90 – 100 Dollar ausgegeben, rieten Experten der UBS zuletzt zu abwartender Haltung.

Mit einem Kursziel von 72 Dollar sehen sie zudem aktuell nur geringes Aufwärts-Potenzial, das Papier kostete zuletzt etwa 66 Dollar oder 62 €.

Kritiker jedoch monieren, dass die Marktteilnehmer womöglich zu heftig auf die rückläufigen Zahlen reagieren.

Immerhin, so geben sie zu bedenken, nimmt Gilead nicht nur durch den Vertrieb von Hepatitis C-Medikamenten gutes Geld ein, sondern hat darüber hinaus weitere lukrative Einnahmequellen, etwa im Bereich der Aids-Therapie.

Zudem ist davon auszugehen, dass die Marktanteile von Sovaldi und Harvoni aufgrund ihrer starken Wirksamkeit weiterhin hoch bleiben werden.

So gesehen könnte die Aktie aktuell ein attraktives Einstiegs-Niveau erreicht haben.

Gilead

7. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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