Gilead-Aktie: Kommt da noch etwas?

Die Pharma- und Biotech-Branche boomt – eigentlich.

Ihr Geschäftszweig gilt als zukunftssicher, schließlich gibt es immer mehr Menschen auf der Welt, die in den reichen Industrie-Nationen immer älter und letztlich immer anfälliger für Krankheiten werden.

Gleiches gilt in zunehmendem Maße auch für die bevölkerungsreichen Schwellenländer: Der Lebenswandel wird ungesünder, die Ernährung unausgewogener, die tägliche Bewegung seltener.

All das begünstigt die Entwicklung von „Volkskrankheiten“, mit deren Behandlung sich vor allem durch Masse Geld verdienen lässt.

Besonders lukrativ aus Sicht der Pharma-Firmen sind jedoch vor allem schwere Krankheitsbilder, die seltener vorkommen – oder die bislang als nicht oder nur schwer heilbar gelten.

Anleger hoffen auf den Goldesel

Hier wird stets an neuen Therapien geforscht, nicht zuletzt, um die unangenehmen Nebenwirkungen bisheriger Behandlungs-Ansätze zu minimieren.

Gelingt ein Durchbruch, gilt das Medikament für gewöhnlich als Blockbuster – und kann in den ersten Jahren am Markt der Entwickler-Firma goldene Umsätze bescheren.

Das wiederum freut dann auch die Anleger, zumindest solange der Goldesel liefert.

Läuft der Patentschutz ab und kommen Konkurrenz-Produkte auf den Markt, die den oft immens hohen Einführungspreis in die Knie zwingen, lässt das Umsatzhoch nach – ein Nachfolger muss her, der ähnlichen Erfolg verspricht.

Schlecht ist nur, wenn dann nichts Vielversprechendes in der Pipeline liegt.

Gilead-Aktie um 30% eingebrochen

So geschehen bei Gilead Sciences im vergangenen Jahr.

Die US-Firma gilt als Marktführer im Bereich der Hepatitis-C-Medikation und forscht unter anderem an Behandlungsformen für Morbus Crohn oder bestimmte Krebs-Arten.

Allerdings gab es im vergangenen Jahr mehrere Rückschläge im Forschungs-Bereich, zudem haben die einstigen Zugpferde aus dem Hepatitis-Bereich an Strahlkraft verloren.

Die Folge:

Der Aktienkurs ist innerhalb eines Jahres um fast 30% eingebrochen. Für Anleger stellt sich nun die Frage, ob die Party damit schon vorbei ist oder ob es sich lediglich um ein Zwischentief handelt.

Immerhin: Wer vor 5 Jahren investiert hat, profitiert heute von einem satten Plus jenseits der 270%. Der Einsatz hat sich also mehr als verdreifacht.

Selbst Investoren, die vor drei Jahren eingestiegen sind, haben noch eine Wertsteigerung von rund 25%.

Zukäufe werden wahrscheinlicher

Entscheidend für die weitere Entwicklung wird vor allem sein, inwieweit Gilead es schafft, neue Medikamente zu entwickeln und erfolgreich zu platzieren.

Zwar forscht das Unternehmen an einigen vielversprechenden Mitteln, doch kurzfristig ist noch nicht mit einer Marktreife zu rechnen.

Als wahrscheinlicher gilt daher, dass Gilead seine liquiden Mittel in die Hand nimmt und Innovation zukauft.

Gelingt dies mit einem interessanten Projekt, dürfte auch die Aktie aus Anlegersicht wieder attraktiver werden. Immerhin gilt sie derzeit als eine der günstigsten in ihrem Segment.

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13. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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