Gilead Sciences übernimmt Gentherapie-Spezialisten Kite Pharma

Ganz unten auf der Liste potenzieller Biotech-Kandidaten und doch als 1. weg vom Kurszettel – bei Kite-Pharma-Aktionären knallen die Korken. (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Die Übernahme-Welle in der Pharma- und Biotech-Branche ebbte in den vergangenen Monaten ein wenig ab, große Deals waren zuletzt Mangelware.

Dies könnte damit zu tun haben könnte, dass einige Pharma-Konzerne noch abwarten möchten, wie die Repatriierung der US-Auslands-Vermögen am Ende aussieht.

Die Warte-Strategie birgt aber auch Risiken: Erfahrungsgemäß verschwinden die attraktivsten Übernahme-Kandidaten immer als erstes vom Kurszettel.

Wer also zu lange wartet, könnte hinterher das Nachsehen haben und sich mit einer B-Lösung zufrieden geben müssen.

Warten auf tiefere Preise zahlt sich für Gilead nicht aus

Gilead Sciences weiß, dass es Geld kosten kann, wenn zu lange gewartet wird.

Der Pharma-Konzern sagte bereits vor über 2 Jahren, dass er sich im aktuellen Umfeld nicht an der Übernahme-Jagd beteiligen wolle.

Das Gilead-Management war damals der Ansicht, dass die Preise für Übernahme-Kandidaten zu hoch sind.

Doch das Warten auf tiefere Preise wurde nicht belohnt; reihenweise verschwanden die Übernahme-Kandidaten bei den Konkurrenten.

Gilead blieb auf der Strecke, und mit schwindenden Umsätzen bei den Zugpferden Harvoni und Sovaldi (gegen Hepatitis C)  rauschte auch die Aktie in den Keller.

In den vergangenen 2 Jahren fiel zwar auch der Branchen-Index etwas zurück, doch die Gilead-Aktie verlor mit rund 30% besonders stark.

Novum: 11,9 Mrd. Dollar für ein Gentherapie-Unternehmen

Die Investoren wurden aufgrund der Passivität und des fallenden Aktienkurses nervös und setzten das Management unter Druck.

Gilead kündigte daraufhin größere Deals an und heute Mittag wurde dann die 1. Übernahme-Offerte bekanntgegeben.

Für 11,9 Mrd. Dollar will Gilead den Biotech-Übernahme-Kandidaten Kite Pharma schlucken. Letzterer gehört zu den führenden Biotech-Konzernen im Bereich Gentherapie.

Kurze Erklärung:

Bei der Gentherapie werden dem Patienten Zellen entnommen, die ihm dann genmodifiziert wieder zugeführt werden.

Die veränderten Zellen sind dann in der Lage den Krebs zu bekämpfen. Das Verfahren kann die Krebsbehandlung revolutionieren, ist aber noch im Entwicklungs-Stadium.

Nach diversen Forschungs-Erfolgen steht das Kite Pharma-Hauptmedikament zur Bekämpfung einer bestimmten Leukämie-Art kurz vor der Zulassung.

Biotech-Experten bescheinigen Kites Hauptmedikament Blockbuster-Potenzial – also über 1 Mrd. Dollar Umsatz pro Jahr.

Gilead im Onkologie-Bereich auf Wachstumskurs

Die Übernahme eines auf die Behandlung von Krebs ausgerichteten Unternehmens wurde nach vorherigen Ankündigungen durch das Gilead Management bereits erwartet.

Die Führungsspitze wollte auch abseits des Marktes von Infektions-Krankheiten wie HIV oder Hepatitis Umsatz-Quellen erschließen.

Für einen Übernahme-Kandidaten aus der Onkologie sprachen auch Personalien aus dem Frühjahr.

Dass es am Ende allerdings ein Gentherapie-Konzern sein wird, war nicht klar. Die Liste potenzieller Gilead-Ziele war sehr lang.

Und trotz der großen Attraktivität des Gentherapie-Marktes gehörte Kite Pharma noch bei einer Umfrage zu potenziellen Übernahme-Zielen aus der Biotech-Branche aus dem November 2016 zu den klaren Außenseitern.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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