Glauben Sie noch an den Osterhasen?

Gehören Sie auch zu den Anlegern, die bei Kaufentscheidungen gerne mal die sogenannten „Ratings“ der Analysten von Banken und Investment-Häusern berücksichtigen?

Im „OnVista Analyzer“ etwa können Sie jederzeit zu einer x-beliebigen Aktie abrufen, wie viele Experten für den Titel aktuell eine Kauf-, Verkauf- oder Halten-Empfehlung (neutral) abgegeben haben.

Besonders komfortabel erscheint, dass diese Übersichten für Zeiträume von 1, 3, 6 oder 12 Monaten abgerufen werden können.

Die Finanz-Medien berichten dazu regelmäßig über etwaige Updates der Analysten.

Nordex war nur ein Renner in Richtung Süden

Nehmen Sie als Beispiel die Nordex-Aktie:

Hätten Sie sich Mitte Februar an den Analysten-Ratings orientiert, dann hätte die Aktie des Windturbinen-Herstellers in den nachfolgenden 6 – 12 Monaten „DER RENNER“ werden müssen:

Laut OnVista rieten seinerzeit 40 Experten für das nächste halbe Jahr zum Kauf, 9 zum Halten und kein einziger zum Verkauf.

Auf Sicht von 1 Jahr empfahlen gar 75 Analysten den Einstieg, während 23 für ein Halten votierten. Immerhin sprachen sich 3 Experten für den Ausstieg aus Nordex aus.

Wenn so viele Experten sich deutliche Kursgewinne von einer Aktie erwarten – ansonsten würden sie ja wohl kaum zum Kauf raten?! –, dann ist der Investment-Erfolg für Sie als Anleger ja schon beinahe garantiert, richtig? – Falsch!

Der nachfolgende Chart zeigt Ihnen, was nur 7 Tage später geschah:

nordex1_18-04-2017

Nordex: Absturz TROTZ positivem Analysten-Rating

Die Nordex-Aktie stürzte innerhalb von nur 2 Handelstagen um sage und schreibe -37% ab!

Bevor Sie sich nun fragen, warum so viele Experten so falsch liegen konnten, sollten Sie sich besser diese Frage stellen:

Was haben die Banken von ihren Empfehlungen?

Warum sprechen die hinter den Analysten stehenden Banken und Investment-Häuser so völlig kostenlos, freizügig und für jeden Anleger leicht zugänglich Empfehlungen für Aktien aus?

Glauben Sie allen Ernstes, dass die Banken, die uns, wo es nur geht, Geld aus der Tasche ziehen, ausgerechnet der Allgemeinheit gratis wohl recherchierte Analysen und unabhängige Einschätzungen zukommen lassen?

Banken betreiben Eigenhandel

Glauben Sie mir: Banken und Investment-Häuser machen nichts umsonst. Die Antwort auf die Frage nach dem „Warum“ lautet: Diese Adressen betreiben Eigenhandel.

Wenn von den Analysten der Banken und Investment-Häuser also Empfehlungen zum Kauf einer Aktie ausgesprochen werden – möglichst noch mit Kurszielen ausgestattet –, geschieht das ausschließlich aus Eigennutz!

So dürfen Sie gerne unterstellen, dass diese Häuser auf größeren Positionen dieser Aktien „sitzen“.

Wenn durch entsprechend ausgerichtete Empfehlungen die Masse der Anleger dazu bewegt werden kann, in diese Werte einzusteigen, dann lassen sich die eigenen Positionen auf diese Weise leichter abbauen.

Das ist übrigens auch der Grund, warum die Analysten mit ihren Prognosen meist danebenliegen und der aktuellen Kurs-Entwicklung in schöner Regelmäßigkeit hinterherhinken.

Die Banken und Investment-Häuser können mit diesem „Makel“ indes prima leben; sie verdienen sich mit den Auswirkungen ihrer Analysen eine „goldene Nase“.

Denn die meisten Privat-Anleger durchblicken das Spiel dahinter nicht, weil sie es gar nicht erst hinterfragen.

Schließlich handelt es sich hier doch um „Experten“; und wer kennt sich schon besser im Metier aus, als diese Fachleute…?!

Fazit und Empfehlung

Mein Rat an Sie lautet: Vertrauen Sie v. a. Ihrem eigenen Urteilsvermögen! Das geht wohl am einfachsten mithilfe der Charttechnik.

Und wenn Sie schon fremde Beratungs-Quellen hinzuziehen, dann achten Sie darauf, dass diese unabhängig und vertrauenswürdig sind!

Denn die von Banken und Investmenthäusern bezahlten Analysten sind eines gewiss nicht: unabhängig.

Übrigens: Beim Blick auf den Nordex-Chart wäre Ihnen nicht erst im Februar klar geworden, dass diese Aktie nicht eine einzige der ausgesprochenen Kaufempfehlungen verdient gehabt hätte:

nordex2_18-04-2017

Nordex: Großinvestoren fliehen seit Monaten aus der Aktie.

Der Trend in der Aktie zeigte schon seit Anfang 2016 abwärts. Wem das nicht reichte, der konnte auf das On-Balance-Volumen im unteren Chartteil schauen:

Die Großinvestoren „flohen“ schon vor Monaten regelrecht aus der Nordex-Aktie. Und es schaut derzeit nicht danach aus, als ob diese Trend-Macher ihre Meinung kurzfristig ändern würden.

Doch was empfehlen die Fachleute der Banken? – Laut dem OnVista Analyzer raten bei Nordex derzeit auf Sicht von 6 Monaten 32 Experten zum Kauf, 7 zum Verkauf und 37 zum Halten der Aktie…

18. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Andreas Sommer. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt