Gleitender Durchschnitt und Momentum – Der Kursdynamik auf der Spur

In puncto Momentum wollen wir uns in diesem Beitrag einmal mit alternativen Interpretations-Möglichkeiten auseinandersetzen.

Die Kreuzung des Momentum-Indikators mit der Mittelllinie (Nulllinie) und seine Bewegungsrichtung darüber oder darunter ist die klassische Form der Signalgenerierung und Trendbeurteilung.

Dabei gilt ein Überschreiten der Nulllinie von unten nach oben als Kaufsignal und von oben nach unten als Verkaufssignal.

Weitere gängige Möglichkeiten der Interpretation, sind der Bruch von Trendlinien im Indikator sowie das Auftreten von Divergenzen (abweichendes bzw. nicht bestätigendes Verhalten zur Kursentwicklung).

Man nehme: einen Gleitenden Durchschnitt

Weitere Möglichkeiten der Signalgenerierung sind beispielsweise das Hinzufügen von Gleitenden Durchschnitten oder das Markieren von Neutralen Zonen bzw. von Extrem-Bereichen.

Wir wollen uns hier zunächst jedoch nur auf das Hinzufügen von Gleitenden Durchschnitten fokussieren.

Da die Interpretation von Trendlinien dem weniger geübten Chartisten unter Umständen Schwierigkeiten bereitet, mag dieser es als einfacher empfinden, sich die Kaufsignale und Verkaufssignale vom Computer generieren zu lassen.

Das kann eben beispielsweise durch das Hinzufügen eines Gleitenden Durchschnitts geschehen.

Bei dieser Betrachtung nehmen wir einen Wechsel der Schwungkraft immer dann an, wenn sich Momentum und Gleitender Durchschnitt überkreuzen.

Dies führt gegenüber der herkömmlichen Betrachtung in aller Regel zu einer Erhöhung der Anzahl der Signale.

Des einen Vorteil ist des anderen Nachteil

Die Wahl des Gleitenden Durchschnitts übt ebenfalls einen Einfluss auf die Zahl der generierten Signale aus.

Bei einem kurzen Gleitenden Durchschnitt erhöht sich die Zahl der Signale signifikant: Die Signalgenerierung erfolgt häufig früher, das System neigt dabei allerdings meist auch zur Generierung von Fehlsignalen.

Ein längerer Gleitender Durchschnitt erzeugt deutlich weniger Signale, hat dafür häufig den Nachteil, dass die Signale erst recht spät kommen.

Schauen wir dazu einmal gemeinsam auf den nachfolgenden DAX-Chart:

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DAX: 50-Tage-Momentum in Kombination mit GD25 sowie GD100

Kurzer oder langer Gleitender Durchschnitt?

Dieser Chart des DAX enthält zusätzlich das 50-Tage-Momentum als Indikator:

einmal mit einem kurzen Gleitenden Durchschnitt über 25 Tage (halber Zeitraum des Momentum) und einmal mit einem längeren Gleitenden Durchschnitt über 100 Tage (doppelter Zeitraum des Momentum).

Die Wahl des Zeitraums für die Gleitenden Durchschnitte ist hier natürlich willkürlich, um die Unterschiede deutlicher zu machen – Sie können selbstverständlich mit anderen Zeiträumen experimentieren.

50 Tage für das Momentum ist übrigens meine persönliche Einstellung, die ich für meine Analysezwecke als optimal empfinde.

Ausgehend von der unteren Indikator-Kombination habe ich Ihnen einmal die hier generierten Signale (grüner Balken: Kaufsignal, roter Balken: Verkaufssignal) eingezeichnet.

Dabei ist sehr schön zu erkennen, dass Sie sich bei Verwendung des kürzeren Gleitenden Durchschnitts auch diverse Fehlsignale „einkaufen“ (gelb unterlegt).

Dies geschieht zumeist in kleineren Korrekturphasen des Marktes sowie bei eher seitwärts gerichteten Marktbewegungen.

Aktueller Vergleich beider Indikator-Kombinationen

Die hellblaue Linie im oberen Chartteil soll meine Aussage zu den Vor- und Nachteilen beider Indikator-Kombinationen unterstreichen. Beide Kombinationen gaben zeitgleich am 21. Januar 2010 das Signal zum Ausstieg aus dem DAX.

Während die untere Kombination noch nicht wieder „im Markt“ ist, hat die obere Kombination bereits 3 Signale (2x Kauf, 1x Verkauf; hellblaue Balken) generiert.

Während sich die Qualität des letzten Kaufsignals erst noch erweisen muss, hätten die beiden vorausgegangenen Signale Ihnen jeweils Verluste beschert, da sie exakt an einem Zwischenhoch bzw. Zwischentief des DAX generiert wurden.

Mit der unteren Kombination wären Ihnen diese beiden Fehlsignale erspart geblieben.

Die hellblaue Linie macht indes deutlich, dass Sie auch mit dieser Kombination – zumindest Stand heute – keinen Vorteil erlangt hätten, da der DAX bis gestern wieder das vorherige Ausstiegsniveau erreicht hat.

Kein Handelssystem ist perfekt!

Sie sehen: Auch dieses Handelssystem ist nicht perfekt – wie sollte es auch, da es nie ein perfektes Handelssystem geben wird. Der Vorteil der einen Kombination ist der Nachteil der anderen und umgekehrt.

Einen Punkt sollten Sie indes NIE unterschätzen: Sie wissen bei der Generierung eines Signals nie im Voraus, wie sich ein Markt im Anschluss entwickelt. Aus einem scheinbar harmlosen Verkaufssignal könnte ein Crash erwachsen.

Ein scheinbar unbedeutendes Kaufsignal könnte Ihnen einen Mega-Gewinn produzieren.

Daher gilt: Wenn Sie sich auf ein mechanisches Handelssystem – gleich welcher Art – einlassen, dann müssen Sie auch JEDES darin generierte Handelssignal ernst nehmen.

4. März 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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