Glencore-Xstrata Fusion bringt höhere Einsparungen als gedacht

Durch die Fusion beider Unternehmen fallen diese deutlich höher aus als gedacht. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Am Dienstag präsentierte das Glencore Xstrata-Management anlässlich eines Investorentages die ersten Resultate des neu fusionierten Unternehmens.

Für eine Überraschung sorgten dabei die geplanten Einsparungen der kommenden Jahre. Durch die Fusion beider Unternehmen fallen diese deutlich höher aus als gedacht.

Anfangs rechnete das Management noch mit Synergien im Volumen von etwa 500 Mio. US-$. Diese Einschätzung wird 2014 um das Vierfache übertroffen werden.

Glencore Xstrata rechnet damit, dass durch die Fusion das Ergebnis im kommenden Jahr um rund 2 Mrd. $ höher ausfällt.

Der Markt reagierte auf die Nachricht mit kräftigen Aufschlägen. Die Glencore-Aktie kletterte im freundlichen Londoner Handel auf 3,39 britische Pfund (GBP) – der höchste Stand seit drei Monaten.

Hohe Kosteneinsparungen in der Verwaltung

Der neue Konzern Glencore Xstrata will 2014 allein im Marketingbereich 450 Mio. US-$ einsparen. Die Synergien bei Finanzierungen sollen sich auf 175 Mio. US-$ belaufen.

Weitere 1,4 Mrd. US-$ sollen durch Synergien in der Verwaltung realisiert werden. Das betrifft größtenteils Einsparungen in den Zentralen und Regionalniederlassungen. 33 Xstrata Niederlassungen hat Glencore im Zuge der Fusion bereits geschlossen.

Glencore Xstrata: Fusion schafft neuen Minen-Giganten

Die im Mai 2013 abgeschlossene Übernahme von Xstrata war eine der größten Fusionen in der Bergbau-Branche seit mehreren Jahren. Das Übernahme-Volumen lag bei rund 44 Mrd. US-$.

Bis der Deal abgeschlossen werden konnte, verging über ein Jahr. Erst nach einem nachgebesserten Angebot gelang der Schulterschluss.

Glencore bot den Xstrata-Aktionären anfangs 2,8 Glencore-Aktien je Xstrata-Papier. Nachdem mehrere Xstrata-Anteilseigner mit dem Angebot unzufrieden waren, drohte der Deal zu Platzen.

Um die Fusion in trockene Tücher zu bringen, erhöhte Glencore das Angebot auf 3,05 eigene Aktien. Knapp 90% der Xstrata-Aktionäre stimmten dem Deal daraufhin zu.

Aktionäre sagen ja: „Glenstrata“ wird WirklichkeitAktionäre beider Lager haben heute dem 25. Mrd. Euro-Deal zugestimmt. Damit ist der Weg für die (bisher) größte Übernahme 2012 endlich frei. › mehr lesen

Durch die Fusion entstand hinter BHP Billiton, Vale und Rio Tinto der viertgrößte Bergbaukonzern der Welt.

Abschreibungen sorgen für rote Zahlen

Seit der Fusion im Mai fiel der Kurs der Glencore-Aktie um 7%. Grund dafür waren schwache Geschäfte, die insgesamt die Kurse in der Bergbaubranche unter Druck setzten.

Die Präsentation der Halbjahreszahlen reflektierte die Branchen-Schwäche. Glencore musste einen Verlust von 8,92 Mrd. US-$ ausweisen. Im Vorjahres-Zeitraum erwirtschaftete der Konzern noch 2,28 Mrd. US-$ Gewinn.

Schuld an dem hohen Verlust, war jedoch nicht nur das Tagesgeschäft. Eine Abschreibung in Höhe von 7,7 Mrd. US-$, die aus der Xstrata-Übernahme resultierte, sorgte für den großen Verlust.

Im Bergbausektor sorgen jedoch derzeit bei allen großen Konzernen Abschreibungen für Milliarden-Verluste.

Der Konkurrent Rio Tinto musste dieses Jahr eine Abschreibung in Höhe von 14 Mrd. $ tätigen – bei Anglo American und anderen Konkurrenten wurden ebenfalls die Werte der Beteiligungen nach unten korrigiert.

Glencore-Chef rechnet mit weiteren Synergien

Nach dem Investorentag in London können die Investoren wieder zufriedener sein.

Selbstverständlich sorgte die Abschreibung so kurz nach dem Xstrata-Deal im Vorfeld für Unmut. Doch das war ein einmaliger Effekt und die langfristigen, operativen Perspektiven, die sich aus der Übernahme ergeben haben, sind sehr gut.

Dass bereits im kommenden Jahr das Ergebnis um 2 Mrd. $ höher ausfallen soll, zeigt, dass die Xstrata-Integration gut voran kommt und stärker wird. Das ist jedoch noch nicht alles.

Obwohl die positiven Auswirkungen auf das Ergebnis um 500 Mio. $ höher liegt als von Analysten erwartet, konnte Glencore-Chef Ivan Glasenberg noch mehr Synergien in Aussicht stellen. Glencore hat die Xstrata-Assets noch nicht vollständig auf Synergien überprüft.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.