Globale Flugbranche weiter im Steigflug

Das Umfeld für globale Flugbranche bleibt laut der Internationalen Flug-Transport-Vereinigung IATA positiv. (Foto: Markus Mainka / shutterstock.com)

IATA, die internationale Flug-Transport-Vereinigung, geht von einem anhaltend positiven Umfeld für die globale Flugbranche aus.

Es wäre das 4. Jahr in Folge mit nachhaltigen Gewinnen. Der globale Überschuss soll um mehr als 11% auf 38,4 Mrd. $ steigen. Treiber dieser Entwicklung sind die anhaltend hohe Nachfrage, Effizienzsteigerungen und niedrigere Zinsbelastungen.

Die Zahl der Fluggäste soll um 6% auf 4,3 Mrd. klettern, und die Nachfrage nach Luftfracht befindet sich auf dem höchsten Niveau seit 10 Jahren. Auf der Kostenseite belasten folgende Faktoren: Es werden steigende Kerosinpreise (+12,5%) erwartet. Das trifft insbesondere die Airlines härter, die keine oder kaum Hedging-Geschäfte vorgenommen haben.

In Europa haben die Airlines die niedrigen Kerosinpreise stärker als in den USA über Hedging-Aktivitäten abgesichert. Der Anstieg der Arbeitskosten hat sich beschleunigt und wird mit 30,9% einen größeren Kostenblock als die Kerosinrechnung darstellen. Regional betrachtet bleibt IATA für die beiden für unsere Analysen wichtigen Korridore USA und Europa optimistisch.

Rollt eine Konsolidierungswelle in Europa heran?

Die Wirtschaftsprüfer von PwC gehen für 2018 von einer weiteren Konsolidierung des europäischen Luftverkehrs aus. Die Insolvenzen Air Berlins (Beobachtung eingestellt), Monarchs, der fünftgrößten Fluggesellschaft Großbritanniens, und Alitalias waren wohl erst der Anfang.

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Die Konzentration in Europa liegt weit unter dem Niveau der USA, wo die 5 größten Airlines einen Marktanteil von 85% haben. In Europa sind es gerade einmal 44%. Das birgt weiteres Potenzial für Übernahmen und Insolvenzen. Der Markt ist nach wie vor stark diversifiziert. Es gibt mehr als 160 verschiedene Fluggesellschaften in Europa.

Wie schlagen sich unsere Unternehmen in dem Luftfahrt-Monopoly?

easyJet hat nach eigener Auskunft stark von den genannten Pleiten profitieren können. Der Umsatz stieg im 1. Quartal um 14%. Mit der Übernahme von 25 Flugzeugen von Air Berlin, inklusive Lande- und Startrechten in Berlin Tegel, gewinnt der deutsche Markt an Bedeutung und hat nach Ansicht des neuen CEOs Lundgren großes Wachstumspotenzial. Die Passagierzahl soll 2018 auf 18 Mio. verdoppelt werden.

IAG wollte für 20 Mio. € bis zu 15 Flugzeuge von Niki aus der Insolvenzmasse Air Berlins übernehmen. Diese sollten bei dem Billigflieger Vueling integriert werden und Vuelings Präsenz in Deutschland und der Schweiz verstärken. Überraschend kam IAG aber nicht zum Zuge. Ansonsten kann IAG auf ein erfolgreiches Jahr 2017 zurückblicken. Die Stückkosten wurden weiter gesenkt, der bereinigte operative Gewinn wurde deutlich gesteigert, und alle 4 Airlines erzielten das beste Ergebnis in ihrer Geschichte.

Ryanair hat sich aus dem Übernahmepoker bislang rausgehalten oder ist nicht zum Zuge gekommen. Ein anderes Thema war aber bestimmender. Eine Zeitenwende ist angebrochen. Künftig will das Unternehmen Gewerkschaften anerkennen und hat Gespräche aufgenommen. Das Geschäft wird dadurch komplexer. Die Kostenführerschaft soll laut CEO O`Leary aber nicht in Gefahr sein.

Lufthansa gehört klar zu den Gewinnern der Insolvenz Air Berlins, von der 33 Flugzeuge übernommen wurden. Auf innerdeutschen Flügen ist der Konzern teilweise nur noch der einzige Anbieter. Für 2017 hat CEO Spohr Rekordergebnisse in Aussicht gestellt. Der Aufbau der Billig-Plattform Eurowings geht schnell voran und soll bereits im laufenden Geschäftsjahr die Gewinnzone erreichen.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.