Glückspilz oder Insider? – Die Teco-Übernahme und der 11 Mio. Dollar-Gewinn

Das am Optionenmarkt nicht nur seriös gehandelt wird sondern auch Glücksritter dem schnellen Geld hinterherjagen, ist bekannt. Mit dem richtigen Riecher sind in dem Geschäft hohe exorbitant hohe Gewinne möglich. Wie immer, wenn es viel zu holen gibt, gilt aber auch da, dass Sie natürlich auch viel verlieren können.

Auch im Übernahme-Geschäft sind Optionenhändler sehr aktiv. Das Verhältnis von Kauf- zu Verkaufsoptionen gibt Übernahme-Jägern nach Gerüchten eine gute Indikation, wie der Markt die Deal-Wahrscheinlichkeit erachtet.

Je stärker die Kauf-Optionen überwiegen, desto wahrscheinlicher ist aus Sicht der Investoren eine Übernahme. Der Handel bestimmter Preise zeigt zudem, wie weit hoch das Übernahme-Angebot sein könnte.

SuccesFactor-Übernahme bringt Optionen-Investor 5.567% Gewinn übers Wochenende

Es ist nicht ungewöhnlich, dass im Zuge von Übernahmen der Optionenhandel erwähnt wird. Dreistellige Gewinne sind dann nämlich die Regel und nicht die Ausnahme. In einigen Fällen wird es auch ganz groß.

Vielleicht erinnern Sie sich an den 5.567%-Gewinn eines Optionen-Investors im Zuge der SuccessFactors-Übernahme durch SAP. Der glückliche Trader hatte über das Wochenende mehr als 800.000 Dollar verdient – eingesetzt hatte er knapp 15.000 Dollar.

Prozentual betrachtet war der Trade der höchste Gewinn im Übernahme-Geschäft, den ich mitbekommen habe. Absolut gesehen sind die 800.000 Dollar Gewinn jedoch nur ein Bruchteil dessen, was ein Optionen-Trader im Zuge der Teco-Übernahme vergangene Woche an Gewinn einfahren konnte.

Dank Teco-Übernahme: 11 Mio. Dollar Gewinn in einer Woche

Nur wenige Tage vor der Übernahme des Energie-Konzerns Teco durch Emera kam es bei dem Handel mit Optionen des Übernahme-Kandidaten zu Auffälligkeiten. Ein Investor kaufte am 1.September fast 37.000 Kaufoptionen im Wert von 2,4 Mio. Dollar. Der normale Tagesumsatz dieser Optionen lag im August bei 61.

Das Besondere: Die Optionen mit Basis 22,50 Dollar hatten eine Laufzeit von 2,5 Monaten. Die Aktie notierte zu dem Zeitpunkt bei 21,07 Dollar (Fachjargon: „aus dem Geld“ Die Position hatte also akutes Totalverlust-Risiko.

Dann kam es allerdings zur Übernahme-Ankündigung. Sofort schoss die Aktie Richtung Angebotspreis und verteuerte sich um 25%. Für den Optionen-Inhaber ein Gewinn von 435%. Aus den 2,4 Mio. Dollar wurden innerhalb weniger Tage 13,2 Mio. Dollar.

Wer 2,4 Mio. Dollar auf nur einen Deal setzt, hat einen Informationsvorsprung oder zu viel Geld

Das hat schon einen faden Beigeschmack. War es Glück oder hatte Fortuna mit dem Trade überhaupt nichts zu tun? Gut vorstellbar, dass der Optionen-Käufer einen Informationsvorsprung hatte.

Sollte sich das herausstellen, muss es jedoch schon ein recht plumper Versuch gewesen sein, ans große Geld zu kommen. Natürlich wird sich die Finanzmarktaufsicht so einen Trade genauer anschauen.

Vielleicht hatte da jemand mit richtig tiefen Taschen aber doch das richtige Näschen und ahnte eine Übernahme. Dann sei ihm der 11 Mio. Dollar Gewinn gegönnt.

Wenn Sie auf attraktive Übernahme-Kandidaten setzen, empfiehlt Ihnen der Übernahme-Sensor dennoch: Setzen Sie nicht 2,4 Mio. Dollar auf nur einen Deal wenn ansonsten Totalverlust droht.

10. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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