Glücksspiel-Branche: Investoren bringen Mega-Fusion zum Scheitern

Es hätte der große Wurf werden sollen:

Durch die Fusion des weltgrößten Onlinespiele-Veranstalters Amaya mit dem britischen Buchmacher William Hill wäre ein klarer internationaler Marktführer entstanden.

Doch die Mega-Transaktion stieß bei einigen Großinvestoren auf kritischen Widerstand, der sogar zum Deal-Aus geführt hat.

Mit der Absage ist die Luft aus den Aktien deutlich gewichen: Während sich Amaya-Aktien um 1/5 verbilligten, sanken die Papiere von William Hill um rund 6%.

Fusion hätte neues Schwergewicht geschaffen

Bei einer Fusion wäre ein neues Schwergewicht auf dem Markt für Online-Sportwetten, Poker- und Kasino-Spielen entstanden.

William Hill ist der größte britische Buchmacher und betreibt in Großbritannien fast 2.400 Wettstuben. Doch jetzt wird der Deal abgeblasen.

Hedgefonds bringt Deal zum Scheitern

Dem aktivistischen Investor Parvus Asset Management hat die mögliche Fusion nämlich gar nicht geschmeckt.

Warum die Meinung des Anlegers von Bedeutung ist, zeigt Ihnen der Blick auf die Aktionärsstruktur. Denn Parvus hält immerhin 14,3% an dem britischen Buchmacher William Hill.

Hinter dem Investment-Vehikel steht übrigens Chris Hohn, der Mitgründer und Chef des britischen Hedgefonds The Children’s Investment Fund (TCI), der vor mehr als 10 Jahren die Chefs der Deutschen Börse zu Fall brachte.

Dabei sind die Einwände des Großinvestors durchaus nachvollziehbar. Denn die neue Unternehmens-Gruppe würde durch die Übernahme mit Netto-Schulden von 2,8 Mrd. Pfund belastet.

Parvus bemängelt, das bei der Fusion Amaya über- und William Hill unterbewertet würde.

Übernahme durch Rank und 888 bevorzugt

Dabei ist Parvus nicht generell gegen eine Übernahme.

Erst kürzlich hatte William Hill eine nachgebesserte Offerte von den Glücksspiel-Anbietern Rank Group und 888 über immerhin 3,6 Mrd. Pfund erhalten.

Diese unterstützte der Großanleger – vom Management des Buchmachers wurde der Deal aber zurückgewiesen.

Dabei wäre auch dieser Zukauf nicht ohne Risiko gewesen.

Die beiden Bieter waren mit einem kombinierten Börsenwert von unter 2 Mrd. € deutlich kleiner als das Objekt der Begierde, das immerhin 3,1 Mrd. € auf die Waage bringt.

William Hill – ein britisches Traditions-Unternehmen

William Hill ist einer der größten europäischen Wettanbieter und blickt v. a. in Großbritannien auf eine lange Tradition zurück:

Bereits 1934, als das Glücksspiel im Vereinigten Königreich noch verboten war, wurde das Unternehmen von seinem Namensgeber William Hill gegründet.

Das erste Wettbüro wurde in London errichtet.

Da William Hill nur Dienste gegen Vorauszahlung anbot, konnte er das englische Justiz-System austricksen und seine Kunden konnten hauptsächlich per Scheck Wetten im Voraus abgeben.

Heute beschäftigt der Konzern rund 16.600 Mitarbeiter und betreibt 2.400 lizensierte Wettbüros. Als größter Anbieter hat der Konzern einen Marktanteil von 25% im Vereinigten Königreich und in Irland.

Im aktuellen Geschäftsjahr rechnet William Hill mit einem operativen Gewinn von rund 260 Mio. Pfund. Der Umsatz lag zuletzt bei über 1,5 Mrd. Pfund.

Nachholbedarf im Internet

So groß die Erfahrung des britischen Konzerns im Sportwetten-Bereich sind, so ist die Positionierung im Online-Geschäft und Mobile-Gaming noch deutlich ausbaufähig.

Von der Ausrichtung hätte sich das Geschäft mit Amaya zumindest gut ergänzt. Denn Amaya gilt als Marktführer im Online-Poker. Mit „Full Tilt“ und „Pokerstars“ ist der hoch verschuldete Konzern gut positioniert.

Nach der Absage der Übernahme gehen die Firmen wieder getrennte Wege. William Hill hat zugleich angekündigt, das zwischenzeitlich ausgesetzte Aktienrückkauf-Programm wieder aufzunehmen.

Aber Sie können davon ausgehen, dass der Konsolidierungs-Versuch nicht der letzte in der Glücksspiel-Industrie gewesen ist.

Denn verschärfte Steuerregeln und hohe Investitionen in Technologie und Marketing haben den Druck der Akteure zuletzt deutlich verstärkt.

21. Oktober 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Jens Gravenkötter. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt