GM verkauft Opel an Peugeot Citroën

Neue Woche, neue Milliarden-Deals!

Diesmal ist zu Wochenbeginn direkt ein deutsches Traditions-Unternehmen mit von der Partie; nicht weil man sich selbst um eine Übernahme riss, sondern weil die Konzern-Mutter den Verkauf beschloss.

General Motors, Mutter-Konzern von Opel, hat sich mit dem französischen Konkurrenten PSA Peugeot Citroën auf eine Übernahme der Deutschland-Tochter geeinigt:

Für 1,3 Mrd. € wechseln Opel und die britische Foxhaul den Eigentümer, weitere 900 Mio. € fallen für die europäischen Geschäfte von GM Financial an.

PSA- und GM-Aktie im Plus: Investoren beider Lager zufrieden

Der jetzigen Offerte gingen mehrere Wochen mit Übernahme-Gerüchten voraus. Am Freitag wurde bereits von einer Einigung und offiziellen Deal-Bekanntgabe am heutigen Montag berichtet.

Dennoch reagierten die Investoren noch einmal stärker auf die offizielle Bestätigung. In einem schwachen Gesamtmarkt kann die Aktie des Käufers 2,7% zulegen.

Dies zeigt Ihnen, dass die Investoren die Strategie und den Kaufpreis befürworten. Aber auch beim Verkäufer sind die Investoren zufrieden.

Es ist kein Geheimnis, dass Opel der Konzern-Mutter häufiger tiefe Sorgenfalten bereitete.

Auch gab es immer wieder Verkaufs-Gerüchte, weil Opel die finanziellen Erwartungen häufig nicht erfüllte und seit 10 Jahren keine Gewinne mehr abwarf.

Mit dem Verkauf des „kranken Beins“ hoffen die Investoren darauf, dass GM profitabler wird.

Am Mittag notiert die Aktie zwar mit dem Markt etwas leichter – seit Mitte Februar, dem Aufkommen der Gerüchte, stieg das Papier allerdings um rund 8%.

Peugeot stellt hohe Synergien in Aussicht: Rotstift bei der Belegschaft?

Der Deal ist aus Investorensicht also vorteilhaft. Dies liegt auch daran, dass Peugeot Synergien von 1,7 Mrd. € in Aussicht gestellt hat; bereits 2020 soll der Zukauf profitabel sein.

Man fragt sich, was bei der alten Opel-Mutter über Jahre hinweg nicht gesehen wurde und jetzt Peugeot sieht.

Es bleibt für die Arbeitnehmer zu hoffen, dass die Sanierung am Ende nicht auf ihren Schultern ausgetragen wird.

Die Peugeot-Führung beschwichtigt, doch über 2018 hinaus werden die Synergie-Ziele ohne Entlassungen nur schwer erreichbar sein.

Opel unter PSA-Führung besser als unter GM-Management?

Die Opel-Übernahme hat nicht nur Fans unter den Investoren – auch wenn die Kursreaktion sehr positiv aus.

Zu Recht wird darauf hingewiesen, dass der Plan von der Schaffung eines europäischen Champions, der hinter VW Nr. 2 auf dem Markt werden soll, durchaus risikobehaftet ist.

Eine der größten Fragen dürfte sein:

Wo steht Opel im Vergleich zu den Konkurrenten, wenn der Automobilmarkt einmal nicht boomt wenn die Geschäftslage selbst in guten Zeiten keine Gewinne abwirft.

Was ist mit den französischen und deutschen Gewerkschaften in der Krise? – Ein Strang? Nach deutsch-französischen Hochzeiten gab es beileibe nicht nur glückliche Ehen…

Auf der anderen Seite müssen die Deal-Kritiker jedoch auch die Frage berücksichtigen: Würde Opel als GM-Tochter in der nächsten Krise besser dastehen als jetzt mit Peugeot?

Die Übernahme ist auf jeden Fall eine Chance für Opel – sicher: Es gibt auch Risiken, aber die trägt ein Käufer bei jedem Deal.

Wenn ein Konzern trotz guter Marktvoraussetzungen über Jahre hinweg keinen Gewinn abwirft und jeder neue Sanierungs-Plan nicht den erhofften Erfolg bringt, muss etwas passieren.

6. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Jens Gravenkötter. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt