Godaddy-Aktie: Börsenneuling geht durch die Decke

Es gab nur wenige Börsengänge in den letzten Monaten, die so fulminant verliefen wie der des Internetunternehmens Godaddy. Um satte 31% ging es am ersten Handelstag nach oben.

Das US-Unternehmen, das immer wieder durch ausgefallene Werbespots beim Superbowl aufgefallen war, kam zum Ausgabepreis von 20 US-Dollar an die Wall Street.

Obwohl der Ausgabepreis bereits über der Zeichnungsspanne von 17-19 US-Dollar lag strömten die Anleger weiter in die Aktie. Bei einem Schlusskurs von 26,15 US-Dollar war Godaddy am ersten Handelstag auf einen Schlag 6,35 Mrd. US-Dollar wert.

Börsenneuling mit sportlicher Bewertung

Die Bewertung des Registrars von Internet-Adressen ist gigantisch. Auf einen Schlag ist das vor 18 Jahren gegründete Unternehmen mehr Wert als Fraport, Fielmann oder Axel Springer. Dabei versuchte Godaddy bereits 2006 erstmals den Sprung auf das Parkett.

Vor vier Jahren übernahmen dann die Beteiligungsgesellschaften KKR und Silver Lake die Firma für 2,25 Mrd. US-Dollar. Nach guter Private-Equity-Manier brummten diese Godaddy hohe Schulden auf und zogen Geld via Dividendenausschüttungen aus dem Unternehmen.

Godaddy tief in der Verlustzone

Angesichts der Bewertung verwundert der Blick in die Bilanz. Bei Umsätzen von 1,4 Mrd. US-Dollar fielen immer noch happige 143 Mio. US-Dollar Verlust an. Damit summieren sich die Verluste der letzten 4 Jahre auf immerhin 678 Mio. US-Dollar. Die Verschuldung beträgt stolze 1,5 Mrd. US-Dollar.

Da erscheint die Bewertung doch recht hoch. Godaddy ist zwar mit über 60 Mio. verwalteten Internetadressen der weltgrößte Webhoster, aber eben auch im 18. Firmenjahr immer noch tief in den roten Zahlen.

Mit einem Marktwert von 6,35 Mrd. US-Dollar wird der Börsenneuling mit dem 4,5-Fachen seiner Erlöse bewertet. Beim deutschen Konkurrenten United Internet liegt das Verhältnis bei gerade mal 2,8.  Dazu kommt, dass der deutsche Wettbewerber seit Jahren profitabel ist und Millionengewinne einfährt.

Börsengang spült 440 Mio. US-Dollar in die Kassen

Der Gang aufs Parkett sorgt bei Godaddy für einen wahren Geldsegen. Denn immerhin steigt die Liquidität des Konzerns um satte 440 Mio. US-Dollar. Doch was plant der Internetpionier mit dem ganzen Geld?

Man könnte vermuten, dass es zur Finanzierung des zukünftigen Wachstums gedacht ist. Aber Fehlanzeige. Ganze 315 Mio. US-Dollar sollen in die Rückzahlung von Verbindlichkeiten fließen.

Weitere 33 Mio. US-Dollar gehen alleine an Kosten für den Börsengang drauf, 26 Mio. für die Private Equity Sponsoren und 3 Mio. US-Dollar direkt an den Unternehmensgründer Parons.

Wettbewerb nimmt stetig zu

Godaddy verwaltet bereits 21% aller weltweit registrierten Internet-Adressen. Mit 13 Mio. Kunden hat der Konzern zwar eine starke Marktposition, aber die Anleger wollen Wachstum sehen. Im letzten Jahr stieg der Umsatz immerhin noch um 23%.

Ob sich das zukünftig fortschreiben lässt, ist allerdings fraglich. Mit Google, Web.com oder Wix.com drängen einige zum Teil sehr finanzkräftige Player in den Markt. Derweil versucht sich Godaddy mit einer Ausdehnung der Geschäftsfelder. Weitere Umsätze mit dem Aufbau von Webauftritten von Unternehmen sind geplant.

Auf Grund der Bewertung scheint aber einiges an Optimismus bereits eingepreist zu sein. Vor diesem Hintergrund ist es mehr als fraglich, ob die gute Rendite der Private Equity Investoren von  Godaddy in den nächsten Jahren wiederholt werden kann.

3. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Richard Mühlhoff. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt