Gold: Als Anleger einmal anders profitieren

Royalty Investments kombinieren die Vorteile des physischen Edelmetallbesitzes mit dem Besitz einer Minenaktie und profitieren doppelt. (Foto: optimarc / Shutterstock.com)

Lieber Investor,

soll ich mein Geld lieber in physisches Gold und Silber investieren oder eine Minenaktie kaufen? Diese Frage mag sich so mancher Rohstoffinvestor in diesen Tagen stellen. Was sich zunächst nach einem harten „entweder-oder“ anhört könnte leicht zu einem „sowohl als auch“ werden, wenn man ein Royalty Investment in Betracht zieht. Was es damit auf sich hat dieser Frage gehen wir heute nach.

Als Anleger einmal anders vom Goldboom profitieren

Kommt die Frage auf wie man als Anleger am besten vom Boom bei den Edelmetallen Gold und Silber profitieren kann, dann denken die konservativen Investoren primär an den direkten Erwerb der physischen Metalle sei es als Münzen oder Barren in eigener Verwahrung oder in etwas bequemerer Form als ETF und ETC in Fremdverwahrung.

Durch den Kauf der physischen Edelmetalle hat ein Investor an den Preissteigerungen teil und schützt zudem sein Vermögen vor Inflation, Staatsbankrott und anderen Ausfallrisiken, die bei Anlagen mit Forderungscharakter immer gegeben sind. Die physischen Edelmetalle sind bezahlt und stellen damit keine Forderung dar, die plötzlich ausfallen kann. So entsteht ihre Schutzwirkung.

Spekulativer eingestellte Anleger werden hingegen den Kauf von Minenaktien bevorzugen. Hier ist das Risiko deutlich höher, denn eine Mine kann wie jedes andere Unternehmen auch scheitern. Die Gründe können von wirtschaftlich unergiebigen Liegenschaften über Fehler des Managements bis hin zu staatlich verfügten Minenschließungen reichen.

Im Erfolgsfall winken dem Investor jedoch Gewinne, die deutlich über den Wertsteigerungen liegen, die die Preise für Gold und Silber selbst erfahren. Eine dritte Möglichkeit, die auf geschickte Weise die Vorteile beider Konzepte mit einander verbindet, ist nur wenigen Anlegern bekannt: Die Investition in Royalty Unternehmen.

Wie entstehen Royaltyzahlungen?

Mit Lagerstätten wird ein reger Handel betrieben. Die Gründe für den Verkauf sind zahlreich. Mal fehlt das Geld zur eigenen Erschließung der Lagerstätte, mal passt das gefundene Erz nicht zum Hauptgeschäftsfeld, ein anders Mal will sich eine Familie in einem Erbschaftsfall Kasse machen und von ihrem gemeinsamen Besitz trennen.

Dazu wird die Lagerstätte an einen Interessenten verkauft. Bezahlt wird mit Bargeld oder Aktien, die zum Tausch angeboten werden. Zusätzlich enthalten die meisten Verträge noch eine Royalty Komponente. Mit ihr sichert sich der Verkäufer doch noch ein Stück vom zukünftigen Gewinn. Es wird in der Regel eine 1% bis 2%ige Ausgleichszahlung auf die gesamte zukünftige Produktion vereinbart.

Das hört sich im ersten Moment vielleicht nicht nach viel Geld an, kann sich aber durchaus zu einem hübschen Betrag aufsummieren, wenn die Lagerstätte im Laufe des Minenlebens durch zusätzliche Exploration ausgeweitet werden kann. Der Verkäufer profitiert dann auch von dieser Ausweitung.

Eine andere Möglichkeit eine Royalty Zahlung zu vereinbaren entsteht dann, wenn ein Vertrag über die gemeinsame Entwicklung einer Lagerstätte geschlossen wird. Oft ist es so, dass die eine Partei über das Geld und die andere über die Lagerstätte verfügt. Man kann sich dann so einigen, dass gegen die Zahlung eines bestimmten Betrages, der zur Entwicklung der Mine eingesetzt wird, eine jährliche Royalty Zahlung nach Produktionsbeginn vereinbart wird.

Auch in diesem Fall profitieren in der Regel beide Parteien, denn die die Mine entwickelnde Gesellschaft erhält unabhängig von Banken oder der Ausgabe neuer Aktien frisches Kapital und der Geldgeber begrenzt sein Risiko auf eine bestimmte Summe und läuft nicht Gefahr in ein Fass ohne Boden zu investieren.

Royalty Unternehmen profitieren von breiter Risikostreuung

Einige wenige Unternehmen wie Royal Gold, Franco Nevada Corp. oder Silver Wheaton haben sich auf dieses Geschäftsmodell spezialisiert. Sie kaufen Royalty Vereinbarungen von anderen auf oder treten als Kapitalgeber während der Projektentwicklung in Erscheinung. Auf diese Art entsteht über Jahre hinweg ein sehr breit gefächertes Portfolio.

An jeder Mine ist man zwar nur mit wenigen Prozent beteiligt, trägt dafür aber auch keine der laufenden Kosten. Das ganze Risiko liegt nach der Inbetriebnahme der Mine beim Betreiber. Der Royalty-Empfänger braucht während der Produktionsphase eigentlich nur noch seine Hand aufzuhalten und je länger und ergiebiger in der Mine produziert wird, desto höher ist sein Gewinn.

Gerade die Verteilung des Portfolios auf viele verschiedene Minen schafft zusätzliche Sicherheit, denn dass alle Beteiligungen gleichzeitig mit Managementfehlern, steigenden Produktionskosten oder politischen Risiken zu kämpfen haben, ist verhältnismäßig unwahrscheinlich.

Royalty Gesellschaften funktionieren also eher wie ein Fonds als ein Einzelinvestment. Analog zum Besitz physischer Edelmetalle besitzen diese Unternehmen ebenfalls physisches Gold und Silber, weil ihnen ein bestimmter Prozentsatz der Lagerstätte immer noch gehört. In dem Augenblick, in dem das Edelmetall gefördert wird, fallen durch die Royalty Zahlung gleichsam „Zinsen“ an, die der normale Goldbesitzer egal ob Privatmann oder ETF nicht vereinnahmen kann.

In dieser Zwitterstellung, welche die Vorteile des physischen Edelmetallbesitzes mit dem Besitz einer Minenaktie kombiniert, liegt der Charme von Royalty Investments. Sie agieren mit einem Hebel auf den Gold- oder Silberpreis. Diesen erkennt man leicht, wenn man beispielsweise den Chart von Silver Wheaton mit dem Silberpreis vergleicht.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.