Gold: Ausverkauf am Goldmarkt übertrieben

Die Rohstoffmärkte befinden sich seit Monaten in heftigen Turbulenzen. Gerade am Goldpreis zeichnet sich das deutlich ab.

An dem einst so beliebten Edelmetall scheiden sich mittlerweile die Geister. So ging die Nachfrage in den vergangenen Monaten spürbar zurück. Sowohl Großinvestoren als auch Privatanleger machten einen zunehmend großen Bogen um Barren und Münzen.

In US-Dollar hat die Feinunze seit Jahresbeginn deutlich an Wert verloren. Der Kurs fiel von rund 1.300 Dollar im Januar auf zuletzt nur noch gut 1.150 Dollar. In den letzten zwölf Monaten hat Gold damit fast 12% eingebüßt.

In Euro sieht es dagegen besser aus: Auf Jahressicht hat der Goldpreis hier um 5% zugelegt auf zuletzt 1.025 € – doch betrachtet man die Entwicklung seit Beginn des Jahres 2015, ist auch hier ein klar negativer Trend erkennbar.

Damals kostete die Feinunze immerhin noch 1.150 €.

Unsicherheiten prägen die Großwetterlage

Die Großwetterlage an den Märkten ist von vielen Unsicherheiten geprägt: Chinas Konjunktur schwächelt bedrohlich, mehrfach sind dort in den letzten Wochen die Aktienmärkte dramatisch eingebrochen.

Auch die anstehende Zinswende in den USA sorgt bei Anlegern für Kopfzerbrechen, zumal der genaue Zeitpunkt einer ersten Zinsanhebung nach wie vor unklar erscheint.

Nicht zuletzt belasten geopolitische Krisen wie der Vormarsch der Terrororganisation IS im Mittleren Osten die Stimmung.

Doch sprechen nicht gerade solche Krisen dafür, verstärkt in Gold zu investieren? Immerhin gilt das Edelmetall seit jeher als sicherer Hafen, als resistent gegen äußere Einflüsse, als global akzeptierte Notfall-Währung.

Viele Kleinanleger scheinen das momentan anders zu sehen, denn trotz – oder gerade wegen – der zahlreichen Unwägbarkeiten meiden sie das Gold wie der Teufel das Weihwasser.

Anders sehen das allerdings die Zentralbanken der Schwellenländer. Sie greifen nach wie vor zu – und helfen dadurch, den Goldpreis zu stabilisieren.

Ausverkauf am Goldmarkt übertrieben?

Den massiven Ausverkauf am Goldmarkt halten viele Beobachter für übertrieben. Auch die Angst vor weiter fallenden Kursen aufgrund der anstehenden US-Zinswende halten sie für unbegründet, da dieser Schritt längst eingepreist sei.

Zwar sieht es kurzfristig auch weiterhin nach einem fallenden Goldpreis aus, doch mittelfristig dürfte eine Trendwende einsetzen.

Die extremen Szenarien mancher Analysten, die den Kurs weit unter 1.000 Dollar fallen oder aber weit über 2.000 Dollar steigen sehen, dürften sich aus heutiger Sicht als wenig realistisch erweisen.

Stattdessen weisen Experten darauf hin, dass die US-Zinswende eine Bodenbildung beim Goldpreis markieren könnte, ab der es wieder aufwärts geht. Immerhin gebe es genügend historische Beispiele, die einen solchen Trend belegen.

Zudem dürfte sich Gold, wenn es schon nicht drastisch im Wert steigt, zumindest als halbwegs stabil erweisen – ganz im Gegensatz zu Landeswährungen, die derzeit einer klaren Abwertungs-Dynamik unterliegen.

21. August 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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