Gold: Bringt Trump die Trendwende?

Trump wird als US-Präsident vereidigt. Mit ihm ziehen viele Unsicherheiten ins Weiße Haus ein. Kann der Goldpreis davon profitieren? (Foto: Africa Studio / shutterstock.com)

Dieser 20. Januar 2017 ist ein denkwürdiger Tag: Donald Trump wird als neuer Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt.

Was noch vor 1 Jahr vielen als völlig unrealistische Utopie erschien, wird nun Realität. Und damit fangen die Probleme womöglich erst an…

Denn niemand weiß so recht, was dieser Mann eigentlich will, der kritischen Journalisten auf Pressekonferenzen den Mund verbietet, sich von Briefings seiner Geheimdienste gelangweilt zeigt und seine Politik lieber als 140-Zeichen-Polemik in die Welt hinausruft, statt sich diplomatischen Gepflogenheiten zu beugen.

Wie steht es um den Arbeitsmarkt?

„America first“ war sein Wahlspruch, „Make America great again“ seine Kampagne.

Trump fordert Wirtschafts-Protektionismus und droht bereits vor seiner Vereidigung inländischen wie ausländischen Konzernen mit finanziellen Hürden in Form von Steuern oder Strafzöllen, sollten sie Produktionsstätten etwa in Mexiko errichten.

Nach Trumps Einschätzung würde das den US-Arbeitsmarkt schwächen. Aktuell allerdings befindet sich der US-Arbeitsmarkt in der besten Verfassung seit 10 Jahren – das meint zumindest Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank Federal Reserve (Fed).

Sie rechnet daher mit steigenden Löhnen und sieht gute Chancen, ab 2017 mal stärker aufs Tempo zu drücken in Sachen Leitzins-Erhöhung.

Letzteres dürfte Goldanleger erst einmal zusammenzucken lassen, denn höhere Zinsen belasten i. d. R. den Goldpreis – nicht zuletzt, weil alternative Anlageformen dadurch attraktiver werden.

Im Gegensatz zu ihnen wirft Gold keine Zinsen ab, sondern verursacht stattdessen Lagerungs-Kosten.

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Trump: Retter des Goldpreises?

Doch Trump gilt Goldfans als Hoffnungsschimmer. Schlechte Nachrichten für die grundlegende Stimmung der Anleger sind schließlich gute Nachrichten für den Goldpreis.

Denn das Edelmetall wird umso stärker als Absicherung fürs Vermögens-Depot nachgefragt, je gefährdeter Aktien oder auch Währungen erscheinen.

Die Euphorie an den Aktienmärkten in den Wochen zwischen Trumps Wahlsieg und seiner Vereidigung fußt v. a. auf Fantasie und auf der vagen Hoffnung, Trump möge seine zentralen Wahlversprechen einlösen:

  • höhere Investitionen in Infrastruktur-Programme,
  • Reduzierung der Regulierungen im Finanz-Sektor,
  • Abschaffung der allgemeinen Krankenversicherung, die Obama vor gar nicht allzu langer Zeit erst eingeführt hatte.

Ob, wann und wie Trump das alles jedoch bewerkstelligen wird, steht auf einem völlig anderen Blatt.

Daher könnte schon bald die anfängliche Begeisterung an den Märkten umschlagen in Resignation oder Verunsicherung – je nachdem, wie Trump sich schlägt, wenn er erst einmal im Weißen Haus sitzt.

Kritiker befürchten, dass er viel Porzellan zerschlagen wird – gerade auf dem internationalen diplomatischen Parkett.

Erste Tendenzen einer Trendwende beim Goldpreis zeichneten sich jedenfalls in den vergangenen Wochen bereits ab: Um gut 7% ist der Goldpreis auf Monatssicht gestiegen; zuletzt kostete die Feinunze des gelben Edelmetalls wieder 1.200 US-Dollar.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.