Gold in Deutschland besonders beliebt – Das sind die Gründe

Welche Nation ist in Sachen Gold weltweit die Nr. 1? Wo ist die Nachfrage am höchsten: in China, in Indien? […] (Foto: V. Franz Metelec – Fotolia.com)

Welche Nation ist in Sachen Gold weltweit die Nr. 1? Wo ist die Nachfrage am höchsten: in China, in Indien? – Weit gefehlt!

Ausgerechnet Deutschland hat im Jahr 2016 die Spitzenposition in Sachen Gold-Nachfrage erklommen.

Mit durchschnittlich 1,5 g Gold pro Kopf wurde hierzulande im Verhältnis 3x so viel Gold gekauft wie in Indien.

Doch während dort Gold v. a. in Form von Schmuck oder als Mitgift bei Hochzeiten zum Einsatz kommt, gehen die Deutschen anders mit dem Edelmetall um:

Der Deutsche mag Sicherheit

Sie betrachten die Investition in Münzen, Barren und hinterlegte Goldfonds als Wertanlage.

Dabei rechnen die Wenigsten mit einem Vermögens-Zuwachs durch steigende Goldpreise – ganz im Gegenteil:

Die Allermeisten sind sich darüber bewusst, dass hier nicht viel Rendite zu machen ist. Ihnen ist etwas anderes wichtig: der Faktor Sicherheit.

Die Angst vor Vermögens-Verlust durch Geld-Entwertung gilt als urdeutsch, spätestens seit der Hyper-Inflation von 1923.

Eine Zeit lang schien es so, als hätten die Deutschen diese traumatische Erfahrung erfolgreich verdrängt.

Doch mit der Pleite der US-Bank Lehman Brothers im September 2008, die per Domino-Effekt eine globale Finanz- und Wirtschaftskrise auslöste, rückte diese Angst schlagartig wieder ins Bewusstsein der Deutschen.

Gold-Nachfrage auf Rekordhoch

Seither ist die Nachfrage nach dem Edelmetall wieder kräftig angestiegen und erreichte im Jahr 2016 einen neuen Rekordwert: Mehr als 200 t Gold orderten deutsche Anleger.

Bekräftigt wird diese Haltung nicht zuletzt durch die Geldpolitik der Notenbanken, die seit einigen Jahren auf niedrige bis Nullzinsen setzen.

Die Folge: Anlage-Produkte werfen kaum noch etwas ab – im Gegenteil: Durch die Inflation wird ihr Wert sogar geschmälert. Also flüchtet der deutsche Anleger ins Edelmetall.

Aber ist das momentan überhaupt sinnvoll? Immerhin haben die Notenbanken gerade erst signalisiert, dass die Zinsen bald wieder ansteigen dürften.

Traditionell macht das andere Anlageformen wieder attraktiver; zulasten der Goldpreis-Entwicklung.

Steigt der Goldpreis trotz Zinswende?

Doch 2 Argumente sprechen gegen diese Sichtweise:

  1. wird der Goldschatz, wie oben beschrieben, ja gerade nicht zur Wertsteigerung, sondern lediglich zur Absicherung von Vermögenswerten gehortet. Das gelingt selbst bei geringeren Goldpreisen, denn ein Komplett-Verlust ist praktisch ausgeschlossen.
  2. aber – und das ist das wichtigere Argument – rechnen nicht wenige Experten bereits mit dem nächsten Crash an den Finanz- und Aktienmärkten. Begründen lässt sich das auf vielfältige Weise:
    • mit Börsen-Zyklen (in den letzten Jahren ging es steil aufwärts, irgendwann wird es wieder abwärts gehen),
    • mit US-Präsident Donald Trump und seinen unberechenbaren Handlungen,
    • mit einem möglicherweise chaotischen BrExit
    • oder einem Neuaufflammen der Euro-Krise mit Blick auf die Situation in Griechenland oder – schlimmer noch – Italien.

Setzt eines dieser oder anderer möglicher denkbarer Szenarien den nächsten Crash in Gang, dürfte der Goldpreis wieder in die Höhe schießen – und das scheint nur eine Frage der Zeit.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.