Goldpreis: Warum will es einfach nicht aufwärts gehen?

Der Goldpreis hat zuletzt noch einmal kräftig nachgegeben, Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Doch das hat andererseits auch etwas Gutes: (Foto: Billion Photos / Shutterstock.com)

Hat Gold als Krisen-Währung ausgedient? – Es scheint fast so… Denn obwohl die Welt voller Krisen steckt, kommt der Goldpreis kaum vom Fleck.

Viel Krise, wenig Effekt

Großbritannien tritt aus der Europäischen Union aus, der damit verbundene Verhandlungs-Prozess läuft bislang, gelinde gesagt, verheerend.

Man kommt nicht voran, das Klima scheint vergiftet, keine Seite will der anderen zu viele Zugeständnisse machen, niemand will das Gesicht verlieren.

Am Ende droht ein ungeordneter BrExit, der nicht nur das Vereinigte Königreich, sondern auch Europa in eine tiefe Krise stürzen könnte.

Donald Trump sitzt seit 1 Jahr im Weißen Haus. Er regiert nicht, er wütet und trampelt auf innen- wie außenpolitischen Gepflogenheiten herum wie ein trotziges Kind.

Er verscherzt es sich mit einstigen Verbündeten und lässt den Rest der Welt ratlos zurück. Seine Politik gegenüber Nordkorea und zuletzt Israel hat das Potenzial Kriege heraufzubeschwören.

Im Nahen und Mittleren Osten brodeln etliche Konflikte. Eine Eskalation wäre jederzeit denkbar und würde für weitere geopolitische Unruhen sorgen.

Goldpreis rutscht weiter ab

Krisen ohne Ende also – und was macht der Goldpreis? – Nichts!

Abgesehen von einem kurzzeitigen Ausbrechen nach oben Anfang September bewegte sich der Preis je Feinunze stoisch seitwärts.

Er pendelte monatelang um die 1.275 Dollar und sackte zuletzt merklich ab auf unter 1.250 Dollar in der vergangenen Woche.

Zugleich geht es an den Aktienmärkten immer weiter aufwärts, und das neue Trend-Investment Bitcoin erreicht ungeahnte neue Höchststände.

Auch die Anhebung des US-Leitzinses durch die Notenbank Federal Reserve (Fed) macht Münzen und Barren das Vorankommen schwer.

Immerhin werden durch die Zins-Erhöhungen alternative Anlage-Produkte wie Anleihen wieder attraktiver gegenüber dem zinslosen Gold-Investment.

Kurzum: Viel Grund zur Freude besteht bei Goldfans derzeit nicht! Wann sich daran wieder etwas ändern wird, ist ungewiss.

Denn die brodelnden geopolitischen Gefahren werden an den Märkten offenbar erst dann als reale Bedrohung wahrgenommen, wenn es tatsächlich zur Eskalation kommt.

Bis dahin bleibt man erstaunlich gelassen.

Es hat auch etwas Positives

Irgendwann wird es wieder aufwärts gehen, keine Frage. Das könnte allerdings noch bis zum nächsten großen Aktiencrash dauern.

Der steht einigen Experten zufolge zwar in nicht allzu ferner Zukunft bevor, denn die Aktienmärkte bewegen sich traditionell zyklisch, und es geht nun schon ziemlich lang nur noch aufwärts.

Dementsprechend dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Gegenbewegung einsetzt.

Das ist dann wiederum die schlechte Nachricht: Der Goldnotierung geht es v. a. dann gut, wenn der Rest der Finanzmärkte sprichwörtlich in Schutt und Asche liegt.

So gesehen kann man sich als neutraler Beobachter schon fast über die anhaltende Schwäche des glänzenden Edelmetalls freuen…

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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