Gold fällt auf tiefsten Stand seit 2017

Krisen allerorten – doch der Goldpreis fällt. Warum meiden Anleger aktuell den „sicheren Hafen“? (Foto: optimarc / Shutterstock.com)

Man blickt dieser Tage auf den Goldchart und reibt sich verwundert die Augen: Der Preis für die Feinunze des Edelmetalls fällt und fällt. Erst vor wenigen Tagen wurde der tiefste Stand seit Anfang 2017 markiert bei rund 1.170 Dollar.

Bereits seit mehreren Monaten geht es steil bergab – und das, obwohl die Nachrichten prall gefüllt sind mit Krisenmeldungen. Der Handelsstreit, den die USA praktisch mit dem Rest der Welt angezettelt haben, eskaliert zunehmend. Der Währungsverfall der türkischen Lira nimmt dramatische Ausmaße an. Die Spannungen mit dem Iran haben wieder zugenommen. Das Verhältnis vieler westlicher Staaten zu Russland ist angeschlagen bis abgekühlt.

Goldpreis fällt – überraschend lang und überraschend deutlich

Solche Meldungen sorgen „normalerweise“ dafür, dass Anleger ihr Kapital in „sichere Häfen“ umschichten, und da ist Gold meist ganz vorne mit dabei. Diesmal jedoch scheint alles anders. Die Krisenmechanismen ziehen nicht, stattdessen geht es für den Goldpreis immer weiter abwärts.

Analysten und Marktbeobachter rätseln bereits, was dahintersteckt – und gelangen zu unterschiedlichen Hinweisen. Da wäre beispielsweise der US-Dollar, der zuletzt gegenüber anderen Währungen wieder aufgewertet hat. Je stärker der Dollar, desto schwächer der Goldpreis, zumindest diese Faustregel scheint noch zu stimmen.

Zudem wird mitunter auf eine Besonderheit der Türkei verwiesen: Die dortige Notenbank hortet überdurchschnittlich hohe Goldreserven. Um die Lira zu stützen, könnte sie sich von Goldbeständen trennen. Ein solcher Schritt würde zusätzliches Gold auf den Markt werfen und den Preis weiter drücken. Anleger, die dies bereits antizipieren, könnten dementsprechend auf einen weiteren Preisverfall spekulieren, um noch günstiger einzusteigen.

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Mittelfristig dürfte es aufwärts gehen

Einig sind sich die Experten jedoch darin, dass der freie Fall spätestens mittelfristig abgebremst werden dürfte. Wer neu einsteigen will, kann das inzwischen auf recht günstigem Niveau – und wer bereits investiert ist, sollte nicht jetzt verkaufen, sondern auf bessere Zeiten warten. Diese werden kommen, früher oder später, denn nicht selten reagiert der Goldpreis auch erst zeitverzögert auf Krisensituationen.

Ein leichtes Kursplus konnte der Goldpreis bereits verzeichnen und näherte sich wieder der Schwelle von 1.200 Dollar je Feinunze an. Fraglich ist jedoch, ob dies lediglich eine kurzfristige Korrekturphase innerhalb einer langfristig stabilen Abwärtsbewegung markiert oder eine tatsächliche Gegenbewegung einläutet.

Wer als Anleger zurzeit auf steigende oder fallende Kurse spekuliert, sollte sich jedenfalls der potenziellen Risiken bewusst sein, denn eine valide Vorhersage ist – gerade in der aktuellen Situation – kaum möglich.

Wer Gold als sicheren Hafen schätzt, kann sich derzeit günstig eindecken, sollte aber einen langen Atem mitbringen, denn gerade der bisherige Verlauf dieses Jahres hat gezeigt, dass man mit Barren und Münzen im Depot nicht nur Freude haben kann.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.