Goldpreis: Dieses Umfeld sorgt für glänzenden Auftrieb

Nach vollendetem 1. Halbjahr lässt sich sagen: 2016 ist ein goldenes Jahr – zumindest für Fans des Edelmetalls, die zuvor eine 3-jährige Durststrecke hinter sich bringen mussten.

War der Goldpreis im Jahr 2011 noch in die Höhe geschnellt, ging es seither rapide abwärts – bis zum Jahreswechsel 2015/2016.

Seitdem sind Barren, Münzen, Gold-Papiere und Aktien von Minen-Betreibern so gefragt wie schon lange nicht mehr.

Der Preis ist hoch, und das im doppelten Sinne:

Nicht nur der Goldpreis ist seit Jahresbeginn um mehr als 20% nach oben geschossen, sondern diese Entwicklung wurde erst möglich durch einen hohen Grad an Verunsicherung.

Krisenjahr sorgt für Goldpreis-Anstieg

Im Dezember und Januar ruhten die Sorgen v. a. auf der chinesischen Konjunktur, die Märkte befürchteten, dass die ins Stocken geratene Wirtschafts-Lokomotive die zaghafte konjunkturelle Erholung rund um den Globus abwürgen würde.

Ein weltweiter Kursverfall an den Aktienmärkten in den ersten Wochen des Jahres war die Folge, parallel dazu begann bereits die fulminante Aufholjagd des Goldes.

Seitdem hat sich weder die ökonomische noch die politische Lage entschärft, ganz im Gegenteil:

Der sogenannte Islamische Staat sorgte mit mehreren Terror-Anschlägen in verschiedenen westlichen Regionen für Angst und Schrecken und forderte zahlreiche Todesopfer.

Die Entwicklung in der Türkei wird seit dem gescheiterten Putsch-Versuch nicht nur seitens der Europäischen Union mit Sorge betrachtet.

Und dann ist da noch der Brexit, mit dem fast niemand wirklich gerechnet hatte und der nun doch bittere Realität wird, mit allen politischen und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten, die dies für Großbritannien, Europa und die Weltwirtschaft mit sich bringt.

Viel ist darüber bereits kommentiert worden, doch unterm Strich scheint das Votum der Briten zum Austritt aus der EU nicht nur britischem Nationalstolz und vielbeschworenen insularischen Eigenheiten geschuldet zu sein.

Erfolg der Rechtspopulisten

Vielmehr lässt sich darin ein Ausdruck des Rechtsrucks erkennen, der sich quer durch Europa zieht:

von der österreichischen FPÖ, die nach knapper Wahlniederlage eine Wiederholung der Präsidentschaftswahl durchsetzen konnte, über Marine Le Pen, die im kommenden Frühjahr womöglich im französischen Präsidentschafts-Wahlkampf mitmischt, bis hin zur AfD, die in deutsche Regional-Parlamente einzieht sind entsprechende Tendenzen erkennbar.

Doch der Erfolg der Rechtspopulisten ist nicht auf Europa beschränkt, wie ein Blick auf den US-Wahlkampf offenbart: Einen US-Präsidenten Donald Trump halten zwar viele für unwahrscheinlich – aber das war beim Brexit nicht anders, und auch der wird nun kommen.

Eurokrise 2.0?

Nicht nur politisch, auch ökonomisch liegt noch so einiges im Argen: Sollte sich die italienische Bankenkrise ausweiten, wären die Folgen für die europäische Staatengemeinschaft sowie die gemeinsame Währung ungewiss.

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone wird nicht so „leicht“ zu retten sein wie einst Zypern oder Irland, von dem Gezerre um Griechenland einmal ganz zu schweigen.

All das befeuert den Goldpreis, der sich zuletzt im Bereich um 1.350 US-Dollar je Feinunze bewegte.

Beobachter rechnen mit einer möglichen Konsolidierung in den kommenden Wochen, die den Preis zunächst drücken könnten, dann aber vermutlich zum Wiedereinstieg genutzt werden würden.

Eine Bodenbildung zeichnet sich bei etwa 1.250 Dollar ab – Prognosen gehen mittelfristig bis Sommer 2017 jedoch von einem weiteren Anstieg auf rund 1.500 Dollar aus.

11. August 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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