Gold: Gefragt wie schon lang nicht mehr

Gold gilt als sicherer Hafen für Investoren – diese jahrhundertealte Gewissheit schien in den vergangenen Jahren nicht mehr zu gelten, immerhin fiel der Goldpreis seit seinen Rekordständen 2011 scheinbar ins Bodenlose.

Innerhalb von nur 2 Jahren verlor das Edelmetall massiv an Wert, der Preis je Feinunze brach von rund 1.900 US-Dollar ein auf nur noch 1.200.

Ende 2015 war Gold mit unter 1.100 Dollar je Feinunze so billig zu haben wie schon lange nicht mehr. Doch angesichts der vorangegangenen Flaute war kaum jemand in Stimmung für eine Schnäppchenjagd.

Börsen-Turbulenzen treiben Goldpreis

Es waren vielmehr die heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten, die zum Jahreswechsel 2015/2016 einsetzten, die Anleger dazu brachten, sich von Aktien zu trennen – und wieder stärker in Gold zu investieren.

Und so schoss der Wert binnen kürzester Zeit wieder nach oben – allein zwischen Dezember und Februar verteuerte sich die Feinunze von 1.050 Dollar auf rund 1.250 Dollar, und seitdem ging es noch einmal um weitere 100 Dollar je Feinunze nach oben.

Seit Ende Juni pendelt der Goldpreis um die Marke von 1.350 Dollar – und Experten sind der Ansicht, dass das Ende der Fahnenstange damit noch längst nicht erreicht ist.

Ganz im Gegenteil: Obwohl sich zumindest an den Aktienmärkten die Lage inzwischen wieder etwas beruhigen konnte, ist der Ruf des Goldes als sicherer Hafen derzeit wieder sehr en vogue.

Anleger fühlen sich verunsichert angesichts der gigantischen wirtschaftlichen und politischen Risiken und greifen daher zum Gold, um sich abzusichern.

Nach dem Brexit – vor Trump?

Bestes Beispiel in jüngster Zeit: das Brexit-Votum.

Kaum jemand hatte wirklich damit gerechnet, dass die Briten Ende Juni für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union stimmen würden, doch genau das ist passiert – und ließ den Goldpreis binnen kürzester Zeit in die Höhe schnellen.

Angsterfüllt blicken Anleger nun auf den 8. November: Dann wird in den USA ein neuer Präsident gewählt, oder auch eine neue Präsidentin.

In Europa wünscht man sich, dass Clinton gewinnt. Ob das jedoch tatsächlich passieren wird, bleibt abzuwarten. Das Jahr 2016 hielt bekanntlich schon so manche unbequeme Überraschung bereit.

So verwundert es nicht, dass gerade institutionelle Investoren mehr und mehr Barren und Zertifikate bunkern. Privatanleger setzen dagegen häufiger auf Goldmünzen oder Schmuck.

Gerade in Schwellenländern wie Indien zeigt sich jedoch, dass der steigende Goldpreis nicht nur positive Effekte hat.

Viele Endkunden können sich den Goldschmuck schlichtweg nicht mehr leisten – eine Tendenz, die sich noch verschärfen dürfte, sollte der Goldpreis tatsächlich noch weiter ansteigen.

Viele Experten sagen dies derzeit voraus – und rechnen auch für 2017 mit einem Anhalten des neuen Goldrauschs.

22. August 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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