Gold hängt weiter an der US-Zinspolitik: Wie lange noch?

In den USA steht eine Zinsentscheidung an. Steigende Zinsen sind dabei schlecht für den Goldpreis. Lesen Sie hier die Hintergründe. (Foto: Billion Photos / Shutterstock.com)

Heute schauen die meisten Marktbeobachter auf die aktuelle Sitzung der US-Notenbank. Dabei geht es weniger darum, ob die Währungshüter die Zinsen um 25 Basispunkte anheben. Das gilt schon als sehr sicher. Es geht jetzt viel mehr darum, wie die weiteren Aussichten für die Entwicklung in den USA eingeschätzt werden.

So werden die Experten bei der Pressekonferenz nach der Sitzung genau hinhören, wenn der Fed-Vorsitzende Powell seinen weiteren Ausblick präsentieren wird. Tatsächlich war es in den vergangenen Wochen so, dass einige verantwortliche der verschiedenen US-Notenbanken weitere Zinsschritte in Aussicht gestellt haben. Das hat den Goldpreis weiterhin belastet. Wenn nun aber der Fed-Vorsitzende Powell eine Verlangsamung der Zinsschritte ankündigt, dürfte das den Goldpreis weiteren Auftrieb geben. Dahinter steckt die einfache Überlegung, dass Gold in Zeiten von steigenden Zinsen weniger attraktiv wird. Es liegt eben auch daran, das Gold im Vergleich zu anderen Anlageklassen keine Zinsen abwirft.

Viele Profis setzen auf weiter fallenden Goldpreis

Und sollte es tatsächlich zu solchen Äußerungen von Seiten der US-Notenbank kommen, gibt es gute Chancen auf deutliche Preisbewegungen beim Gold. Das liegt auch an der aktuellen Positionierung unter den spekulativen Finanzanlegern. Die haben zuletzt ihre Short-Positionen massiv ausgebaut. Nach der deutlichen Schwäche des Goldpreises setzen eben jetzt viele Profis auf eine Fortsetzung dieser Entwicklung und wollen mit ihren Chartpositionen davon profitieren. Sollte es auf der anderen Seite nun zu einem Anstieg beim Goldpreis kommen, müssten sich diese spekulativen Finanzanleger mit Gold eindecken, um keine massiven Verluste einzufahren.

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Nur war es in den vergangenen Monaten schon häufig so, dass die Politik der Notenbanken und die Positionierung der spekulativen Finanzanleger für die Beurteilung der Goldperspektiven herangezogen wurde. Das sind auf den ersten Blick immer nachvollziehbare Argumente. Doch wenn man genau hinschaut was ich in den letzten Monaten getan hat, dann greift diese Argumentation zu kurz.

Ähnliches gilt auch für den Ansatz Gold als reine Krisenwährung anzusehen. Da haben wir zuletzt auch gesehen, wie wenig das noch funktioniert hat. In der Vergangenheit wurde Gold häufig als sicheres Investment angesehen, sobald das Umfeld an den Finanzmärkten unsicher wurde.

Aktuell ist Gold kein sicherer Hafen mehr

Aber dieser Zusammenhang hat den vergangenen Monaten schon nicht mehr gegriffen. Wir erleben massiv Krisenherde fast rund um den Globus – ob nun politisch oder auch finanziell mit den Währungsturbulenzen in den Schwellenländern. Und dennoch ist der Goldpreis in den vergangenen Monaten nicht deutlich angestiegen. Natürlich suchen die Experten immer einfache Erklärungen für Preisbewegungen an den Märkten. Aber das greift oft zu kurz – und genau das erleben wir derzeit beim Goldpreis.


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Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

Ob DAX-Titel, Rohstoff oder Emerging Marktes-Aktie: Heiko Böhmer bringt Ihnen in seinem täglichen Newsletter diese Themen näher. Neue Trends findet er dabei vor allem auf den vielen Reisen zu Finanzmessen im In- und Ausland, über die er in seinem Newsletter ausführlich berichtet.