Gold im Höhenflug: Warum der Goldpreis plötzlich steigt

Die letzten vier Jahre wurden Gold-Fans auf eine harte Probe gestellt. Nach jahrelangem Anstieg und rasantem Höhenflug in 2011 und einem nochmaligen Aufbäumen im Jahr 2012 ging es nur noch abwärts.

Von über 1.900 Dollar je Feinunze befand sich das Edelmetall praktisch im freien Fall, selbst die 1.000-Dollar-Marke wackelte.

Umgekehrt verzeichneten die Aktienmärkte eine beispiellose Rally, allen Krisen zum Trotz. Bankenkrise? Überstanden. Griechenland? War da was? Fundamentaldaten oder Konjunkturentwicklungen schienen keine Rolle zu spielen, denn das Geld der Notenbanken floss in scheinbar unbegrenzten Strömen in die Kapitalmärkte.

Zwar hat die Federal Reserve die Zügel inzwischen wieder angezogen, die monatlichen Anleihekäufe eingestellt und die Zinswende eingeläutet, doch parallel öffnete unter anderem die Europäische Zentralbank ihre Geldschleusen und pumpt kräftig frische Milliarden in die Welt.

Plötzlich ist Gold wieder gefragt

Seit Jahresbeginn nun hat sich das Blatt gewendet. An den Aktienmärkten herrscht Ausverkaufsstimmung, die führenden Börsenbarometer gehen weltweit in die Knie. Allein der Dax hat seit Anfang Januar prozentual zweistellige Verluste eingefahren und war zeitweise unter 9.000 Punkte gefallen.

Demgegenüber hat Gold zuletzt kräftig zugelegt und kostete in diesem Monat gut 10 Prozent mehr als noch zu Beginn des Jahres. Doch woran liegt das? Die globalen Krisen sind dieselben geblieben und altbekannt.

Allerdings schwindet zunehmend das Vertrauen in das globale Finanzsystem im Allgemeinen und in die einzelnen Banken im Besonderen. Immer zahlreicher werden die Unkenrufe, die einen neuen Crash prophezeien, noch gewaltiger als der von 2008.

Bankaktien unter Druck

Zugleich fliegen weltweit die Aktien der Banken aus den Portfolios der Anleger. Allein der Kurs der Deutschen Bank hat in diesem noch jungen Jahr bereits mehr als 40 Prozent an Wert eingebüßt.

Sicherlich, daran sind zu einem guten Teil auch hausgemachte Probleme der Frankfurter Schuld. Doch auch sie sind eines der zahlreichen Symptome in einem Bankensystem, das zwar seit der Finanzkrise durch zahlreiche Regulierungen stabilisiert wurde, aber doch nach wie vor krisenanfällig bleibt aufgrund der Risiken, die in manchem Geschäftsmodell schlummern.

Negativzinsen treiben Goldpreis

Ein weiterer Grund für den Anstieg des Goldpreises liegt unterdessen in der Geldpolitik der Notenbanken. Sie haben zum Teil Negativzinsen eingeführt, sodass es sich für Banken nicht mehr lohnt, Bares zu horten.

Das Kalkül dahinter lautet eigentlich, dass die Kreditvergabe angekurbelt werden soll, doch offenbar fließt ein nicht unbeachtlicher Teil der Geldreserven auch in den Goldmarkt.

Wer als Privatanleger sein Portfolio mit dem Edelmetall anreichern will – was zu Absicherungszwecken nach wie vor empfohlen wird – sollte auf die richtige Mischung achten. Die meisten Experten raten zu einem Goldanteil im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Denn das Edelmetall kann zwar im Wert steigen, allerdings sind hierfür meist nicht beeinflussbare äußere Umstände verantwortlich – und eine Dividende gibt es auch nicht.

20. Februar 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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