Gold-Schock: Immer mehr Regierungen wollen Goldhandel regulieren

Trotz der globalen Schuldenkrise notiert Gold aktuell weit unter den Höchstständen aus dem Jahr 2011. Die Goldpreisentwicklung wird noch kurioser, wenn Sie die weltweit große Nachfrage nach physischem Gold (Barren, Münzen, Schmuck) betrachten.

Teilweise versuchen Regierungen sogar, die Flucht in Gold zu erschweren. So arbeitet derzeit beispielsweise die indische Regierung daran, der Bevölkerung den Kauf von Gold so schwer wie möglich zu machen.

Indische Regierung will den Goldhandel regulieren

Die indische Regierung versucht, die Goldkäufe der Bevölkerung in den Griff zu bekommen. So soll ein Goldkäufer dem Juwelier (Gold wird in Indien vor allem in Schmuckform gekauft) seine Steuer-ID (Steuer-Identifikationsnummer) angeben müssen, wenn er Gold im Wert von über 100.000 Rupien kaufen will.

100.000 Rupien sind umgerechnet aktuell jedoch nur rund 1.600 US-Dollar, dafür bekommt man nicht viel mehr als eine Unze Gold. Die Juweliere bezeichnen den Vorschlag bereits als nicht umsetzbar.

Doch warum tut die indische Regierung das? Der offizielle Zweck der neuen Regelung soll sein, dem Schwarzgeld auf die Spur zu kommen. Laut einer Umfrage des Nachrichtendienstes Reuters soll mindestens ein Viertel der jährlichen indischen Goldnachfrage (zuletzt 900 Tonnen) aus Schwarzgeld stammen.

Indern fehlt der Glaube an Papierversprechungen

Weiterhin will die Regierung in Indien einen Teil der jährlichen Nachfrage nach Gold-Münzen und -barren im Ausmaß von 300 Tonnen Gold in goldgedeckte Anleihen umleiten. Doch dieses Vorhaben dürfte sich aus 2 Gründen schwierig gestalten:

Erstens fehlt den Indern der Glaube an die Werthaltigkeit von Papierversprechungen und zweitens wollen die Inder, die tatsächlich Schwarzgeld besitzen, dies nicht offenlegen.

Ähnliche Bestrebungen gab es übrigens auch in der Türkei. Auch dort wollte die Regierung der Bevölkerung Papiergold als Alternative zu physischem Gold nahebringen. Diese Versuche waren allerdings nicht von Erfolg gekrönt. Und ich erwarte, dass sich dies auch in Indien als sehr schwierig gestalten wird.

Die Folgen des Nachfrageanstiegs

Eine Folge der globalen Schulden- und Währungskrisen ist, dass die weltweite Nachfrage nach physischem Gold immer weiter steigen wird (vor allem auch in China) und dass sich der Goldpreis dadurch immer schwieriger manipulieren lässt.

Ich bin überzeugt: Derzeit wird der Goldpreis künstlich nach unten gedrückt. Daran haben sowohl die Regierungen als auch die Banken ein Interesse. Denn beide wollen eine Flucht in Gold verhindern und den Glauben der Bevölkerung an Papierwährungen und sonstige ungedeckte Zahlungsversprechen aufrecht erhalten.

Doch wie bereits erwähnt, gestaltet sich diese Manipulation mit zunehmender Nachfrage nach physischem Gold immer schwieriger. Spätestens dann, wenn es irgendwann verstärkt Lieferschwierigkeiten gibt, bricht das Kartenhaus zusammen.

30. Juli 2015

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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