Gold: Indikatoren-Lage nicht verbessert, sondern verschlechtert

Gold Körner – shutterstock_567952783 optimarc

Die mittel- und langfristige Charttechnik beim Gold sieht alles andere als rosig aus! (Foto: optimarc / Shutterstock.com)

Frage an die Gold-Fans unter Ihnen: Haben Ihnen die Meldungen, dass die Asiaten in den vergangenen Monaten massiv physisches Gold (also Münzen, Barren etc.) gekauft haben, den Eindruck vermittelt, dass der Kurseinbruch beim Gold nur vorübergehender Natur sei?

Auch wenn ich schon mehr als 33 Jahre an den Finanzmärkten unterwegs bin, so habe ich doch ebenso alle Höhen und Tiefen durchlebt, die auch Sie bereits erfahren haben oder noch erfahren werden.

Und ich habe mit Sicherheit so ziemlich jeden Fehler auch begangen, den man als aufstrebender Börsianer machen kann.

Auf der Suche nach Rechtfertigung für das Durchhalten von Verlusten

Einer meiner Kardinalfehler in den Anfangsjahren war, dass ich mir nicht nur eine Meinung zu meinen Investments zu eigenmachte, sondern anschließend auf einer ständigen Suche nach Bestätigung dafür war, dass ich mit meiner Meinung noch „richtig“ lag.

Und genau das ist der Punkt: Ich suchte nicht nach Bestätigung dafür, dass sich meine Investments in die erwartete Richtung entwickelten.

Letztlich diente mir die mit meiner Meinung übereinstimmende Ansicht von Experten oder Nachrichtenlage stets als Rechtfertigung vor mir selbst, an Verlustpositionen weiter festzuhalten:

Wenn die Fachleute das auch so sehen, dann muss der Markt sich ja wohl daran halten – so meine damals noch sehr naive Vorstellung.

Auf Gold übertragen bedeutet das: Wer mit seinen Goldpositionen voll vom Crash im April dieses Jahres erwischt wurde und bis heute nicht verkauft hat, der sucht mit hoher Wahrscheinlichkeit nach Rechtfertigung durch Nachrichten oder Experten für sein Verhalten.

Weiterer Fehler: Verpassten Chancen nachhängen

Ich habe indes aus diesem Fehler gelernt: Wenn nach einem derartigen Kurseinbruch die Masse der Privatanleger massiv kauft, dann liegt sie damit leider regelmäßig daneben.

Denn oftmals ist deren Motivation, noch günstig in etwas einsteigen zu können, dessen Trend sie komplett verschlafen haben.

Oder sie trauten sich nicht, nach den starken Kurssteigerungen der Anfangsjahre noch einzusteigen, weil ihnen Gold stets zu teuer war und sie wenig Potenzial mehr sahen.

Am Ende mussten sich diese Anleger eingestehen, dass sie einen der größten Aufwärtstrends der Geschichte verpasst hatten.

Da diese Anleger andererseits aber nicht glauben möchten, dass dieser Aufwärtstrend beendet ist, nutzen sie die ersten massiven Kursrückgänge zum Einstieg, die die Großinvestoren jedoch zum Abladen ihrer noch vorhandenen Positionen nutzen.

Nichts hat sich verbessert – im Gegenteil!

Leider muss ich jedoch heute genauso wie seit Monaten sagen: Es wird mit größerer Wahrscheinlichkeit beim Goldpreis weiter abwärts gehen, als aufwärts. Doch schauen wir dazu auf 2 Charts:

cat_1_130917_1000

Gold: Keine Verbesserung, sondern Verschlechterung der Indikatoren-Lage!

Diesen Wochenchart kennen Sie bereits aus meiner Analyse vom 20. August. Seinerzeit lautete meine Einschätzung:

Solarzelle-Sonnenblme-Windkraftwerk-Sonne

Die nächste Energie-Revolution steht uns bevorÖl und Kohle verlieren immer mehr an Bedeutung – Sonne und Wind werden immer wichtiger. › mehr lesen

„Mein Ideal-Szenario sieht so aus: Fortsetzung der seit Juli dieses Jahres zu sehenden Gegenbewegung bis etwa 1.420 USD.

Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Kursziel ist recht hoch: Hier kreuzen sich der Aufwärtstrend seit 2005 sowie der Abwärtstrend seit November 2012 (gelber Kreis).

Anschließend nimmt der Goldpreis seinen Abwärtstrend seit 2012 wieder auf und bewegt sich in Richtung der Aufwärtstrend-Linie aus dem Jahr 2001 (violetter Pfeil).

Die wirkliche Entscheidung über Fortsetzung oder Ende des epochalen Aufwärtstrends beim Gold fällt also mit einer guten Wahrscheinlichkeit erst ab Ende dieses Jahres, wenn der Preis des gelben Metalls auf seinen langfristigen Aufwärtstrend trifft.“

Der Goldpreis erreichte mein Kursziel von 1.420 USD schon etwas früher als erwartet. Beim Kursziel lag ich mit einer Abweichung von knapp 14 USD dafür sehr gut. Im Anschluss setzte sich wie erwartet wieder die Abwärtsbewegung durch (gelber Kreis).

Dabei wurde der seit Ende Juni bestehende Aufwärtstrend nach unten durchbrochen. Der Relative Stärke Index RSI drehte kurz vor der Kauf-Zone (ab 50%) wieder nach unten. Das 50-Wochen-Momentum erreichte inzwischen schon wieder ein tieferes Tief.

Gelb bzw. blau hervorgehoben sehen Sie, dass sich beide Indikatoren seit Jahresbeginn in negativem Terrain bewegen. Das ist wenig vertrauenerweckend.

Und das negative Momentum verstärkt sich immer noch weiter, statt sich zu beruhigen – trotz der respektablen Erholung von 1.180 USD auf 1.434 USD.

Mittelfristiges Chartbild ebenfalls negativ

Die zweite Grafik zeigt Gold im Tageschart. Im unteren Chartteil habe ich Ihnen den prozentualen Abstand der Notierungen zur 200-Tagelinie eingeblendet.

cat_2_130917_1000

Gold: Prozentualer Abstand zur 200-Tagelinie generiert ebenfalls Verkaufssignal

Zunächst einmal können wir die Chartformation eines ansteigenden Dreiecks ad acta legen, nachdem der Aufwärtstrend seit Ende Juni nach unten durchbrochen wurde blauer Kreis).

Interessanter ist indes der prozentuale Abstand des Goldpreises von seiner 200-Tagelinie. Wie Sie sehr schön sehen können, neigt auch dieser Indikator dazu, Trends, ja sogar Trend-Kanäle auszubilden.

Der gelbe Kreis macht deutlich, dass auch hier der Aufwärtstrend seit Ende Juni durchbrochen wurde.

Meine Einschätzung heute lautet: Ein Rücksetzer in Richtung der 50-Tagelinie, maximal in Richtung der alten Aufwärtstrend-Linie, also 1.354 bis 1.390 USD, ist möglich.

Dieses Niveau sollte dann jedoch eher zum Verkauf genutzt werden, da sich anschließend die Talfahrt weiter fortsetzen dürfte.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.