Gold: Kurzfristig muss mit starken Schwankungen gerechnet werden

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Erst steigt Gold um fast 20% im August, dann folgt ein erster Absturz. Die Kurzfrist-Trader entdecken Gold und verstärken die Schwankungen. (Foto: Image Wizard/Shutterstock)

Die Investoren haben weltweit gezittert, aber dann ist nichts passiert. US-Notenbankchef Ben Bernanke hat heute seine groß angekündigte Rede gehalten.

Bei dieser Gelegenheit hatte Bernanke 2010 das erste Konjunktur-Stützungsprogramm QE1 angekündigt. Die große Frage lautete daher: Nutzt Bernanke wieder die Chance, um QE3 anzukündigen?

Ich hatte mich früh festgelegt: Bernanke wartet bis zum Herbst. Und so ist es auch gekommen. Es wurde heute kein neues Programm angekündigt. Die fehlende Liquiditätsspritze sorgte zunächst für größere Verluste am Markt.

Als die Investoren dann aber feststellten, dass der erwartete Absturz ausbleibt, erholten sich die Kurse in Europa und in den USA.

Ruhig blieb es auch am Goldmarkt. Der Preis für 1 Unze Gold stagnierte. Der erste ruhige Tag nach der Achterbahnfahrt in dieser Woche.

Goldpreis erlebt Achterbahnfahrt

Der Goldpreis bewegt sich in normalen Börsenphasen relativ ruhig (anders als zum Beispiel Silber). Die Tagesschwankungen fallen gering aus. Im August 2011 ist aber alles anders. Zuerst stieg der Goldpreis innerhalb weniger Tage um fast 20% auf 1.920 USD je Unze. Anschließend stürzte der Goldpreis innerhalb von nur 48 Stunden auf 1.720 USD ab.

Direkt danach setzte ein erster Erholungsversuch ein. Aktuell pendelt der Preis um die Marke von 1.780 USD.

Zweistellige Preisbewegungen in so kurzer Zeit sind bei Gold nicht üblich. Das zeigt: Es haben nicht nur strategische Gold-Investoren zugeschlagen, sondern auch kurzfristig orientierte Trader. Das macht die Preisentwicklung in den nächsten Tagen unberechenbar.

3 Gründe für den Kurssturz

Der erste Grund liegt auf der Hand: Wenn kurzfristig orientierte Anleger einsteigen, nehmen die Schwankungen automatisch zu. So kam es in den ersten August-Wochen zu einer Übertreibung nach oben (das Tempo war zu schnell) und in dieser Woche zu einem Kurssturz. Je mehr Trader den Goldmarkt entdecken, desto volatiler und unberechenbarer wird Gold.

Einen anderen Preisdrücker kennen wir bereits vom Silbermarkt: Die Warenterminbörsen. Diese haben in den vergangenen Tagen die Sicherheitsleistungen für Gold-Kontrakte um über 20% angehoben. Anders als beim Silber halte ich die Vorgehensweise beim Gold jedoch für angemessen.

Die Anhebung passte zur Preisentwicklung. Die 5 (!) Erhöhungen beim Silber hatten dagegen taktische Gründe (es sollte ein neues Allzeithoch verhindert werden).

Die Schuldenstaaten können ihren Goldschatz verkaufen

Einen großen Einfluss hatte auch die Politik. Vor einigen Tagen kam die Idee auf, dass die Schulden-Staaten ihren Goldschatz verkaufen oder zumindest als Sicherheit anbieten sollen.

Der Gedanke, dass das Goldangebot durch staatliche Verkäufe schlagartig ausgeweitet wird, hat den Goldpreis nach unten gedrückt.

Allerdings: Die „Bedrohung“ hält sich in Grenzen. So besitzt das größte Krisenland, Griechenland, nur Gold für umgerechnet 4,6 Mrd. Euro. Das kann der Markt gut verkraften. Auch die Goldreserven von Irland, Portugal und Spanien spielen keine große Rolle.

Spannend wird es nur, wenn Italien unter Druck gesetzt wird. Italien ist weltweit der viertgrößte Goldbesitzer. Wenn plötzlich Goldreserven im Wert von über 100 Mrd. Euro den Markt fluten, würde das den Goldpreis kurzfristig enorm unter Druck setzen.

Allerdings: Die Länder und Zentralbanken können den Goldschatz nur einmal verkaufen. Fehlt dieses „Droh-Potenzial“, fällt die letzte Goldbremse weg. Wie sagte mein Schachtrainer in der Jugendmannschaft immer: „Die Drohung ist stärker als die Ausführung!“

Fazit: Gold bleibt attraktiv, wird aber stärker schwanken

Die oben genannten Gründe werden auch zukünftig dafür sorgen, dass die Schwankungen am Goldmarkt zunehmen. Wenn die Charttechniker ein neues Spielzeug entdecken, geht es rund. Auch die Politiker werden immer wieder auf „ihren“ Goldschatz schauen. Sparen ist schwieriger, als Gold zu verkaufen.

Dennoch: Gold war, ist und wird das wertbeständigste Geld bleiben. Solange die Papierwährungen Dollar und Euro am Abgrund wandeln, bleibt Gold stark und wird auch die 2.000-Dollar-Hürde überspringen.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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