Gold-Peak in 2015: Folgen für den Goldpreis

Wer auf Gold setzt, musste in den vergangenen Monaten starke Nerven beweisen. Das Edelmetall hatte in den vergangenen zwei Jahren mit einem rapiden Wertverlust zu kämpfen. Von den Höchstständen 2011 und 2012 hat man sich längst verabschiedet – die damaligen Spitzenpreise von mehr als 1.750 Dollar je Feinunze klingen aus heutiger Sicht geradezu utopisch.

Stattdessen rutschte der Goldpreis bereits Mitte des Jahres 2013 unter die 1.250-Dollar-Schwelle – und fiel in den letzten Monaten des Jahres 2014 sogar noch weiter zurück.

Gold – das lukrativste Investment des Monats

Seit Jahresbeginn setzt nun die Gegenbewegung ein. Die 1.200-Dollar-Grenze, die sich als hartnäckiger Widerstand erwiesen hatte, konnte durchbrochen werden – mittlerweile liegt der Goldpreis sogar wieder jenseits der 1.300 Dollar, Tendenz steigend.

Damit hat sich der Wert des Edelmetalls um rund 10 Prozent gesteigert. Gold gehört somit zu den ertragreichsten Investments des Januars – wer hätte das noch vor wenigen Wochen für möglich gehalten?

Doch kaum freut sich der Goldanleger über die Trendwende, geistert auf einmal das Gespenst vom Gold-Peak durch die Medien.

Droht der Gold-Peak?

Die Peak-Theorie geht davon aus, dass natürliche vorkommende Ressourcen nur begrenzt verfügbar sind und sich die Fördermenge – unabhängig von Nachfrage- oder Preisentwicklung – nach Erreichen des Peaks, also des Moments der höchsten Förderung, nur rückläufig entwickeln kann.

Schon machen erste Schockwellen die Runde, wonach der Gold-Peak 2015 erreicht werden könnte und die Goldminen an ihre natürlichen Grenzen stoßen.

Der Goldminenbetreiber Goldcorp machte diese auf einer Analystenkonferenz deutlich. Demnach gehen seit 1995 die Entdeckungen neuer Goldvorkommen Jahr für Jahr zurück. Da die Erschliessung einer Goldmine 20 Jahre dauert, leitet sich daraus ein Gold-Peak im Jahr 2015 ab.

Das würde den Goldpreis bei gleichbleibender oder gar steigender Nachfrage zwar noch weiter in die Höhe schrauben. Doch entgegen der marktwirtschaftlichen Logik könnte daraufhin die Fördermenge nicht ausgeweitet werden, da es sich um geologisch endliche Ressourcen handelt.

Branche im Umbruch

Kleinere Minenbetreiber würden in einer solchen Situation wohl vor dem endgültigen Aus stehen – wobei tatsächlich einige bereits in Schieflage geraten sind, nicht etwa aufgrund irgendeines Peaks, sondern wegen des Preisverfalls der letzten Monate, der die Profitabilität der hochverschuldeten Förderfirmen auf eine harte Probe gestellt hat.

Denkbar also, dass es in der Branche in nächster Zeit zu einigen Zusammenschlüssen kommen könnte. Die größeren Minenbetreiber blicken unterdessen in eine goldene Zukunft.

Denn angesichts der heftigen Währungsschwankungen ist durchaus davon auszugehen, dass Anleger ihr Depot vermehrt mit Gold- und Silberbeimischungen absichern.

Immerhin befindet sich der Euro dieser Tage auf historischen Tiefstständen und dürfte durch die Geldflut, die die Notenbanker der Europäischen Zentralbank verkündet haben, noch weiter abgewertet werden.

Und dass die Schweizer Notenbank die Koppelung des Franken an die Gemeinschaftswährung aufgehoben hat, sorgt für zusätzliche Verunsicherung an den Finanzmärkten.

Wer also zu Weihnachten auf Gold gesetzt hat, lag damit goldrichtig.

23. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt