Gold, Silber, Händler und Hedgefonds – das große Preisspiel

Rohstoffexperte erklärt Preismechanismus bei Gold und Silber

Es geht um Angebot und Nachfrage. Die Knappheit bestimmt den Preis. So haben wir alle es gelernt. Dass die reine Lehre nicht immer stimmt, wissen wir auch. Was auf dem Markt für Gold und Silber und mit den Preisen dort passiert, wissen viele Anleger nicht. Ich habe meinen Kollegen Bernd Heim vom Börsenbrief „Der Nugget Effekt“ gefragt: Wieso kommt es bei Gold und Silber zu scharfen Korrekturen? Stimmt dort das Spiel von Angebot und Nachfrage?

Gold, Silber, Preis, Korrektur – Terminmarkt neu strukturiert

Für viele Investoren, insbesondere Privatanleger, die mit den Besonderheiten des Goldmarktes nicht sehr vertraut sind, wirken die Korrekturphasen beim Gold- und Silberpreis schnell wie heftige, unvorhergesehene Naturkatastrophen. Zu kräftig fallen die Preisabschläge aus und zu groß erscheint auf den ersten Blick der Unterschied zu einer normalen Korrektur an den klassischen Aktienmärkten.

Der Grund für diese auffälligen Differenzen liegt in der veränderten Struktur der Terminmärkte. Früher traten am Terminmarkt insbesondere die Minen als Verkäufer und die Schmuckindustrie als Käufer auf, um sich und ihre Produktion gegen übergroße Preisschwankungen abzusichern. Heute wird der Terminhandel von großen Hedgefonds dominiert.

Gold, Silber, Preis, Korrektur – Hedgefonds spekulieren

Den Hedgefonds geht es nur um die reine Spekulation. Anders als die Minen oder die Schmuckindustrie besitzen Fonds, die short gehen, also verkaufen, auch kein Gold. Und als Käufer sind die Fonds niemals an einer physischen Lieferung interessiert.

Die kommerziellen Händler (Commercials) wissen darum und sie wissen auch, dass die Geldmittel der Fonds begrenzt sind. In einer Aufwärtsbewegung verkaufen die Händler Papiergold – also Gold, das sie physisch gar nicht besitzen – an die Fonds. Wenn sie merken, dass die Geldmittel der Fonds langsam erschöpft sind und erste Fonds ihre Kontrakte wieder verkaufen möchten, halten sich die Händler plötzlich mit Rückkäufen zurück oder überschwemmen gar den Markt mit einem künstlichen Überangebot.

Tipp: Gold und Silber physisch kaufen

Ein extrem hohes Angebot trifft dadurch am Ende einer Aufwärtsbewegung auf eine künstlich extrem ausgedünnte Nachfrage. Folge: Ein scharfer Preisverfall. Stoppmarken werden unterschritten, was die Hedgefonds zu weiteren Verkäufen veranlasst. Die ganze Situation verschärft sich dramatisch, doch die Händler halten immer noch still – bis das Preisniveau erreicht ist, an dem es sich für sie lohnt, die Kontrakte zurückzukaufen.

In der Vergangenheit gingen die Händler mit schöner Regelmäßigkeit aus diesen Schlachten als Sieger hervor, beobachtet Rohstoff-Experte Bernd Heim vom „Der Nugget Effekt“. Anleger erkennen das an den Gewinnen der Hedgefonds. Die sind trotz deutlich gestiegener Edelmetallpreise eher unterdurchschnittlich.

Schützen können sich Anleger vor diesem unfairen Spiel nur, indem sie das tun, was den Händlern am wenigsten gefällt: Gold und Silber nur physisch kaufen.

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7. April 2008

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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