Gold und Silber – Luft nach oben?

Silber ist im Verhältnis zu Gold so günstig bewertet wie schon lang nicht mehr – eine gute Gelegenheit für Anleger? (Foto: optimarc / Shutterstock.com)

Washington und Peking liefern sich dieser Tage einmal mehr einen Schlagabtausch in Sachen Handelskrieg  – und die Welt schaut gebannt zu. Abwechselnd kündigten beide Großmächte Strafzölle auf Importwaren der jeweils anderen Seite an.

Im Gegensatz zur Europäischen Union, die angesichts anhaltender Handelsdrohungen von Donald Trump auf Deeskalation und Gesprächsdiplomatie setzt, reagiert China umgehend und hart mit denselben Sanktionsmitteln, die von Trump selbst eingesetzt werden.

Freuen dürfte die Entwicklung vor allem Fans von Edelmetallen wie Gold und Silber: Denn sie profitieren klassischerweise von geopolitischen Krisen. Zudem dürfte Trumps Steuersenkungspolitik mittelfristig dazu beitragen, den ohnehin immer wieder angeschlagenen US-Haushalt noch weiter unter Druck zu setzen – und damit letztlich den Dollar zu schwächen.

Da Gold in Dollar gehandelt wird, sorgt ein schwächerer Greenback für potenziell steigende Nachfrage, denn die Feinunze ist dann in Fremdwährungen wie etwa dem Euro günstiger zu haben.

Goldpreis scheitert an Widerstand

Tatsächlich stieß der Goldpreis seit Beginn des Jahres bereits dreimal in den Bereich um 1.350 bis 1.360 Dollar je Feinunze vor – scheiterte jedoch stets an diesem Widerstand. Er müsste zunächst durchbrochen werden, dann wäre der Aufstieg in wesentlich höhere Sphären möglich, davon zeigen sich immer mehr Goldexperten überzeugt.

Erhebliches Aufwärts- weil Nachholpotenzial bietet unterdessen der „kleine Bruder“ Silber. Denn im Verhältnis zu Gold ist Silber derzeit so günstig bewertet wie schon lang nicht mehr. Zudem hat Silber trotz seiner Doppelfunktion als Edel- und Industriemetall zuletzt nicht vom wirtschaftlichen Aufschwung und der damit verbundenen steigenden Nachfrage seitens der Industrie profitieren können, auch im Schmucksegment war Silber im vergangenen Jahr weniger stark gefragt.

Beides könnte sich nun aber schon bald ändern – zumal auch Silber von den sich zuspitzenden geopolitischen Unwägbarkeiten profitieren dürfte. Aus Anlegersicht ist jedoch zu beachten, dass sich der Silberpreis je Feinunze im Schnitt wesentlich volatiler entwickelt als der Goldpreis, was ebenfalls nicht zuletzt mit seiner industriellen Verarbeitung zu tun hat.

Silber mit Aufholpotenzial

Doch während der Preis je Feinunze Gold auf Jahressicht um gut 6 Prozent zulegen konnte, bewegt sich Silber derzeit fast 10 Prozent im Minus – ohne dass es dafür einen erkennbaren Grund gäbe. Hier besteht dementsprechend erhebliches Korrekturpotenzial für das „Gold des kleinen Mannes“.

Der Silberpreis bewegte sich zuletzt bei knapp 16,40 US-Dollar, Experten halten einen Anstieg auf bis zu 18,50 Dollar für realistisch. Beim Gold hingegen gilt es, wie eingangs beschrieben, den Widerstand an der 1.360-Dollar-Hürde zu überwinden, ehe ein Anstieg auf 1.400 oder auch in Richtung 1.450 Dollar denkbar erscheint. Zuletzt wurde die Feinunze Gold zu gut 1.330 Dollar gehandelt.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.