Gold und Silber vor einem möglichen Brexit besonders gefragt

In den vergangenen Tagen warf vor allem ein Ereignis seine Schatten auf das Geschehen an den europäischen Börsen. Die Rede ist von der am 23. Juni stattfindenden Abstimmung über einen möglichen EU-Austritt der Briten („Brexit“).

Die Aktienmärkte leiden unter den „Brexit“-Ängsten. Dafür waren aber Immobilien (siehe Schlussgong-Ausgabe von gestern), Staatsanleihen und auch die Edelmetalle Gold und Silber zuletzt umso gefragter.

Und wenn es tatsächlich zum „Brexit“ kommen sollte (wovon ich aber nicht ausgehe), dürfte die Nachfrage nach Edelmetallen noch weiter steigen. Einige Experten prophezeien sogar, dass der Goldpreis dann explodieren könnte (und im Windschatten auch der Silberpreis).

HSBC erwartet Goldpreis-Rally im Falle eines „Brexits“

Die britische Investmentbank HSBC rechnet mit einem starken Goldpreis-Anstieg, sollten sich die Briten tatsächlich gegen einen Verbleib in der EU aussprechen. Bereits jetzt berichten internationale Goldhändler wie Coinvest über eine steigende Goldnachfrage in Großbritannien.

Die Analysten von HSBC erwarten sogar, dass der Goldpreis eine starke Rally hinlegen könnte, wenn das Land im Referendum am 23. Juni für den EU-Ausstieg abstimmt. Denn Gold sei neben dem Schweizer Franken eine effektive Absicherung für die finanziellen Risiken eines möglichen „Brexit“.

Auf der anderen Seite sieht HSBC kaum Abwärtsrisiken für Gold und den Schweizer Franken, falls der „Brexit“ ausbleiben sollte. Generell sehen die HSBC-Analysten ein Goldpreis-Ziel von 1.300 US-Dollar pro Feinunze in diesem Jahr.

Der schwächere US-Dollar, die globalen Risiken und die moderate Erholung des Ölpreises seien positiv für Gold – ebenso wie die zunehmende Vorsicht der Fed bezüglich einer Fortsetzung der Zinswende in den USA.

Gold schon jetzt bei den Briten sehr gefragt

Britische Goldhändler stellen in diesen Tagen eine steigende Goldnachfrage fest. Ross Norman, Chef der britischen Degussa-Tochter Sharps Pixley, sagte gegenüber dem Nachrichtendienst Reuters: „Es scheint so, als wenn sich die reale Möglichkeit eines ‚Brexit’ jetzt im Bewusstsein der Leute festgesetzt hat.“

Die Bestellungen gingen derzeit schneller ein, als man ausliefern könne. Dabei habe sich die Kundschaft zuletzt deutlich über den typischen Goldkäufer hinaus ausgeweitet. „Sie sind nun oft viel jünger und immer öfter handelt es sich um Frauen“, so Norman.

Der Londoner Anbieter ATS Bullion spricht von einem Verkaufszuwachs von bis zu 10%. Der Wettbewerber The Pure Gold Company meldete zuletzt sogar einen 19%igen Anstieg beim Verkauf von Goldbarren.

Auch der Betreiber der internationalen Onlinehandelsplattform BullionVault stellte eine überproportionale Goldnachfrage aus Großbritannien fest. Deren Goldkäufe lägen im Juni bereits um 59% höher als im Durchschnitt der vergangenen 12 Monate.

Auf den anderen 10 Topmärkten des Anbieters sei diesbezüglich nur ein Wachstum von 5% zu verzeichnen. „Wir können das nur dem möglichen Brexit zuordnen“, sagt Adrian Ash von BullionVault.

14. Juni 2016

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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