Gold: Was bestimmt die Goldpreishöhe?

Gold und Goldpreis: Zinsen und Inflationsraten

Gold bringt keine Zinsen und gilt daher für viele als uninteressante Anlage. In der Tat hat Gold immer dann schlecht abgeschnitten, wenn die Realverzinsung sehr hoch war. Doch diese Zeiten gehören der Vergangenheit an. Da gewinnen alternative Anlageformen, zu denen Gold gehört, wieder an Bedeutung. Dabei gilt die Faustregel: Je höher der Realzins, umso niedriger der Goldpreis.

Der Umkehrschluss: Tiefe Realzinsen stützen oder beflügeln den Goldpreis. Auch steigende Ölpreise gingen in der Vergangenheit stets einher mit steigenden Goldpreisen. Dieses Phänomen konnten Sie auch wieder 2007 beobachten. Auf Jahressicht stieg der Ölpreis um fast 50% an, Gold verteuerte sich immerhin um gut 20%.

Betrachten Sie die Beziehung zwischen Inflationsrate und Goldpreis in den vergangenen Jahren, so konnten Sie erkennen, dass der Goldpreis der Inflationsrate vorauseilte. Er stieg bereits, als die Inflationsraten noch fielen oder zumindest nicht wieder anstiegen. Für ein Investment in Gold gab Ihnen eine erwartete Inflationssteigerung Anlass, sich so gegen kommende Wertverluste abzusichern. In den nächsten Jahren können Sie demnach wieder von Gold profitieren: Die Inflationsraten werden weltweit steigen.

Gold und Goldpreis: Währungseinfluss

Jahrelang galt die Regel „Steigt der Dollar, fällt das Gold“ und umgekehrt. Dieses Verhältnis können Sie derzeit nicht mehr so festlegen. Die Preisbildung zwischen Goldpreis und Dollar hängt mittlerweile von so vielen Faktoren ab, dass eine einfache und absolut gültige „wenn-dann-Regel“ nicht mehr zutrifft.

Gold und Goldpreis: Auswirkungen der Börsenentwicklung

Eine ähnliche Beziehung wie die zwischen Goldpreis und Inflationsraten wird auch zwischen Goldpreis und internationalen Börsenkursen beobachtet. Steigende Goldkurse können Vorboten etwaiger neuer Unruhen an den Aktienmärkten sein. In der Erwartung von Kursrückgängen an den Aktienmärkten werden erreichte Gewinne sichergestellt, von denen ein Teil in ein sicheres Investment, also in Gold, fließt. Angesichts der hohen Staatsschulden und der Kreditkrise in den USA sind schon viele Investmenthäuser und Anlageberater wieder dazu übergegangen, ihren Kunden ein Investment in Gold in Höhe von 5 bis 10% des Depots zu empfehlen.

Wenn die in US-Aktien investierte Liquidität nur zu einem Bruchteil aus den Wertpapieren in den Goldmarkt fließt, wird der Goldpreis so reagieren wie in der Vergangenheit die amerikanischen Börsenkurse: nach oben.

Gold und Goldpreis: Verkäufe von Notenbanken

Weltweit gilt Gold immer noch als Garant für Stabilität und Sicherheit. Schließlich haben die Notenbanken insgesamt rund 32.000 Tonnen als Reserven gehortet: für den Fall der Fälle. Dieser wird hoffentlich nie eintreten.

Mit den hinter Stahltüren schlummernden Goldbarren in einer Größenordnung von 12 Jahresproduktionen im Gesamtwert von weit über 350 Mrd. € ließen sich steigende Goldpreise jederzeit begrenzen. Doch bisher wurden alle Verkäufe der Notenbanken vom Markt mit relativ geringen Preissenkungen aufgenommen.

Ein wichtiger Stützpfeiler des stabilen Goldpreises ist das „Washingtoner Agreement“. Diese Vereinbarung von 1999 beschränkt den jährlichen Goldverkauf von 15 wichtigen Notenbanken insgesamt auf 500 Tonnen Gold pro Jahr und wurde im Herbst 2004 für weitere 5 Jahre verlängert.

Gold und Goldpreis: Industriebedarf

Die Lücke zwischen dem weltweiten Goldangebot von etwa 3.400 Tonnen jährlich und der steigenden Nachfrage wird weiter auseinander klaffen. So gehen Experten davon aus, dass die Nachfrage 2010 bis auf 4.000 Tonnen anwachsen wird. Eine Schlüsselfunktion wird dabei die Schmuckindustrie einnehmen. Knapp 2.700 Tonnen wurden hier nach aktuellen Schätzungen 2007 verarbeitet – Tendenz steigend.

Die sich daraus ergebende Angebotslücke wird langfristig stabile oder steigende Goldpreise bewirken. Damit deutet sich ein langfristig stabiler Aufwärtstrend beim Goldpreis an.

Mehr zum Thema: Goldpreis: Entwicklung und Beeinflussung

3. Oktober 2008

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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