Gold wieder auf Kurs

Nach der Flaute im Herbst geht es für den Goldpreis zuletzt wieder aufwärts. Schuld daran trägt auch der Mann im Weißen Haus. (Foto: optimarc / Shutterstock.com)

Es geht wieder aufwärts am Goldmarkt. Nach der Rally im Frühjahr 2016 und der längeren Seitwärtsphase auf hohem Niveau in den Sommermonaten ging es im Herbst zunächst deutlich nach unten. Der Preis je Feinunze fiel von über 1.300 auf unter 1.150 US-Dollar zurück, ein Jahrestiefstwert wurde Mitte Dezember mit 1.128 Dollar markiert.

Vor allem die Zinsanhebungen durch die US-Notenbank Federal Reserve sowie die Euphorie an den Börsen nach dem überraschenden Wahlsieg Donald Trumps setzten den Goldpreis unter Druck. Doch mittlerweile scheint sich das Blatt gewendet zu haben.

Auch höhere Zinsen sind noch niedrig

Das liegt an verschiedenen Faktoren. In Sachen Zinsen bleibt festzuhalten, dass diese zwar zuletzt angehoben wurden und weitere Zinsschritte für das laufende Jahr geplant sind. Dennoch befindet sich der Leitzins auf historisch niedrigem Niveau.

In Deutschland etwa ist das Verhältnis der Verzinsung von zehnjährigen Bundesanleihen zur aktuellen Inflationsrate denkbar schlecht, Sparer zahlen unterm Strich noch drauf. Zumal die Europäische Zentralbank (EZB) im Gegensatz zu ihrem US-Pendant auch derzeit keine Anstalten macht, ihre ultralockere Geldpolitik einzudämmen.

Hinzu kommt die ernüchternde Bilanz der ersten 100 Tage im Amt von US-Präsident Trump. Viele seiner ambitionierten Pläne erweisen sich allmählich als Rohrkrepierer. In außenpolitischen Belangen werden seine mangelnde Sachkenntnis und diplomatische Kompetenz immer dramatischer erkennbar.

Und auch innenpolitisch droht Trump neuer Ärger, nachdem in dieser Woche beschlossen wurde, einen Sonderermittler einzusetzen, um die Verstrickungen zwischen Trumps Wahlkampfteam und russischem Geheimdienst aufzuklären.

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Gold: Flucht in den sicheren Hafen

Kurzum: Die geopolitische Lage hat sich kaum entspannt, lediglich der Wahlsieg Emmanuel Macrons zum neuen Präsidenten Frankreichs kann als leichte Beruhigung gewertet werden. Hätte Le Pen die Stichwahl für sich entschieden, die EU und der Euro wären wohl am Ende gewesen, eine größere Krise auf dem Kontinent unausweichlich.

Mit Macron hoffen die Europäer nun auf Reformen, doch auch bei solchen Verhandlungen gibt es bekanntlich zahlreiche Möglichkeiten, zu scheitern. Dass Anleger neben Aktien vermehrt auch wieder zur Goldanlage greifen, um sich gegen etwaige Verluste abzusichern, scheint da nur folgerichtig.

Die Möglichkeiten, zu investieren, sind vielfältig. Goldanleihen sind ebenso begehrt wie physische Münzen oder Barren, wobei letztere Kosten verursachen für Versicherung und Lagerung.

Weniger risikoscheue Anleger können sich zudem mit Aktien von Minenbetreibern eindecken – diese sind zwar stark volatil, da sie sowohl vom Goldpreis als auch von den Geschicken der Firmenlenker abhängig sind, können aber mitunter auch starke Gewinne abwerfen. Zur reinen Depotabsicherung sind diese Papiere allerdings weniger geeignet.

Der Goldpreis insgesamt hat sich von etwa 1.150 US-Dollar zu Jahresbeginn auf mittlerweile gut 1.250 Dollar verteuert – mit zuletzt wieder steigender Tendenz.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.