Gold: Wird der Widerstand bald durchbrochen?

Gold ist zuletzt immer wieder an der Marke von 1.360 Dollar gescheitert. Gelingt der Durchbruch, könnte es steil bergauf gehen. (Foto: optimarc / Shutterstock.com)

Ist das die berühmte Ruhe vor dem Sturm? Der Goldpreis ist zuletzt mehrfach am Widerstand bei rund 1.360 Dollar je Feinunze gescheitert und bewegte sich Ende der Woche bei 1.313 Dollar auf vergleichbarem Niveau wie bereits mehrfach in den vergangenen Wochen.

Immer wieder hatte der Goldpreis von dort Anlauf nach oben genommen. Gelingt der Durchbruch über die Widerstandsmarke hinaus, wäre Experten zufolge der Weg frei in deutlich höhere Sphären von 1.400 oder sogar bis zu 1.500 Dollar.

Alles schaut auf die USA

Argumente gibt es dafür einige, Faktor Nummer eins ist und bleibt der Dollar. Der wird zurzeit vor allem definiert durch die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve, die seit einiger Zeit nicht mehr auf eine expansive Geldpolitik (Quantitative Easing) setzt, bei der die Märkte mit Geld geflutet werden, sondern im Gegenteil die Strategie des Quantitative Tightening verfolgt.

Zudem dürfte sich das Defizit im US-Haushalt verschärfen. Bereits mehrfach sind die USA bei der Haushaltsdebatte an einer Pleite knapp vorbeigeschrammt, tagelang wurden Behörden geschlossen, ehe sich die beteiligten Kammern bislang letztlich immer noch verständigten.

Das politische Gezerre um den Haushalt ist bekannt, nicht erst seit mit Donald Trump der wohl umstrittenste Präsident der jüngeren Geschichte im Weißen Haus sitzt. Heftige Auseinandersetzungen über den Haushalt gab es zuvor auch schon unter Obama.

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Doch mit seiner Steuerreform, die vor allem US-amerikanische Großkonzerne massiv entlastet, verschärft Trump auf der Einnahmeseite die ohnehin schon angespannte Lage der Staatskasse. Zudem hat der Kongress kürzlich höheren Ausgaben zugestimmt, sodass Beobachter für das laufende Jahr mit einem Haushaltsdefizit von 800 Milliarden Dollar rechnen.

Es rumort an den Märkten

Und das ist nur eine Baustelle unter vielen. Dass es auch an den Aktienmärkten rumort, hat der weltweite Tiefschlag an den Börsen Ende Januar und Anfang Februar gezeigt. Die Stimmung ist nervös, viele Aktien hochvolatil.

Hinzu kommen geopolitische Unruhen wie das Säbelrasseln zwischen Washington und Pjöngjang, der anhaltende Krieg in Syrien, die aufgeheizte Stimmung im Nahen Osten oder der jüngste diplomatische Eklat zwischen Russland und Großbritannien.

Auch das Wahlergebnis in Italien könnte die Märkte verunsichern, denn nach den Erfolgen populistischer Parteien ist derzeit völlig unklar, wie eine Regierung aussehen und wann sie zustande kommen könnte. Italien aber ist ein Schlüsselland innerhalb der Euro-Zone. Zwar sind instabile politische Machtverhältnisse im „Stiefel“ nichts Neues, doch in Zeiten, in denen Europa politisch nach rechts rückt und zudem Großbritannien vor dem selbstgewählten Austritt aus der Europäischen Union steht, bildet dieser Wahlausgang einen zusätzlichen Faktor der Verunsicherung.

All das könnte dazu führen, dass der Goldpreis schon in absehbarer Zeit wieder merklich anzieht – in schwierigen Zeiten sehnen sich etliche Anleger nach dem „sicheren Hafen“ zurück.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.